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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

INITIATIVE KIM: „Keine Gnade für Triebtäter“

09.02.2007

VAREL Die Vareler Initiative hat das Jahr 2012 im Blick. Das Jahr, in dem Kim Kerkows Mörder vorzeitige Entlassung beantragen kann.

Von Christoph Koopmeiners,

Redaktion Varel VAREL - Wenn Harald Menge aus seinem Küchenfenster im Vareler Ortsteil Langendamm schaut, kann er den Giebel des Hauses sehen, in dem einst Kim Kerkow gewohnt hat. Vor zehn Jahren gründete er zusammen mit dem heutigen Vorsitzenden Hans Sommer und anderen Mitstreitern die „Initiative Kim – Aktion gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen“ in Varel. Vier Wochen vorher, am 9. Januar 1997, war die zehnjährige Kim an der Torhegenhausstraße entführt und einen Tag später ermordet worden. „Zehn Jahre, die unser Leben maßgeblich bestimmt haben“, sagt Menge, der damals der erste Vorsitzende der „Initiative Kim“ wurde. Heute ist er deren Sprecher und darüber hinaus Bundesvorsitzender des „Forums gegen Gewalt“, in dem sieben Vereine zusammengeschlossen sind, die wie die Vareler Initiative nach ähnlichen Mordfällen entstanden waren.

Es sei zwar ruhig in der Vareler Initiative geworden, räumen Menge und Sommer ein, doch sei ihre Arbeit nach wie vor erforderlich. „Diese zehn Jahre haben wesentlich zur Veränderung der Gesetzesauslegung beigetragen“, sind sie überzeugt. Der im Juni 2005 in Stade wegen zweifachen Kindesmordes zu lebenslangem Freiheitsentzug verurteilte Marc Hoffmann hätte wohl nicht dieses Urteil bekommen, wenn es nicht über Jahre den „Druck der Straße“ gegeben hätte, glauben Menge und Sommer. Im Gegensatz zu Hoffmann war bei Kim Kerkows Mörder Rolf Diesterweg nicht die besondere Schwere der Schuld festgestellt und die anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet worden. „Während bei Hoffmann ausgeschlossen ist, dass er nach 15 Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen wird, besteht bei Rolf Diesterweg die Gefahr“, sagt Menge.

Heute sieht die „Initiative Kim“ ihre Hauptaufgabe in der Unterstützung der Präventionsarbeit an Schulen und in Vereinen. Zudem hat sie das Jahr 2012 vor Augen. Dann wird Rolf Diesterweg 15 Jahre im Gefängnis gesessen haben – und kann einen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen. „Unser Ziel ist es, dieses Datum ins Bewusstsein zu bringen und die Menschen zu mobilisieren“, erläutert Menge. Denn für ihn ist klar: Ein Mann wie Diesterweg darf nie wieder zu einer Gefahr für potenzielle Opfer werden.

Menge erinnert an den jüngsten Fall in Brandenburg um die mögliche Entlassung des Sexualstraftäters Uwe K., bei dem in den 90er-Jahren ebenfalls nicht eine besonders schwere Schuld festgestellt worden war und dessen Freilassung nun im Raum steht. Als Bundesvorsitzender des „Forums gegen Gewalt“ hat Menge Briefe an die Bundesjustizministerin, an den brandenburgischen Ministerpräsidenten sowie an Justiz- und Innenministerium des Bundeslandes geschrieben und seinen Zorn zum Ausdruck gebracht. Ein Triebtäter sei nun mal eine „menschliche Zeitbombe“ und dürfe nie wieder die Gelegenheit erhalten, unschuldige Kinder zu Opfern zu machen.

Die „Initiative Kim“ bietet als Anlaufpunkt nach wie vor ihr kostenloses Notruftelefon rund um die Uhr an: 0800/222 5 888. Im Januar, so Hans Sommer, habe es zwei ernst zu nehmende Anrufe gegeben. Im ersten Jahr der „Initiative Kim“ waren dies rund 500 von insgesamt 5000 Anrufen gewesen. Damals hatte die Initiative gut 200 Mitglieder, heute sind es noch knapp 50. Aber es gibt sie noch – im Gegensatz zu anderen Initiativen.

Die Initiative empfindet sich nicht als Konkurrenz zu Einrichtungen wie den Kinderschutzbund. Im Gegenteil: Es gehe darum, Netzwerke zu spannen, damit kein einziges Kind verloren gehe. „Wir wollen keine toten Kinder betrauern, sondern Kinder vor dem Tod bewahren“, umschreibt Menge das Ziel der Initiative.

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