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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Hier rasen bald die Autos und Laster vorbei

01.09.2017

Westerstede /Jaderberg /Stadland Satte Wiesen bis zum Horizont. Rechts ein Hof mit Bettenlager, links eine Gaststätte. Alles beschaulich. Fast idyllisch. Weser, Jadebusen und Ovelgönne sind nicht weit. Der Hof von Jörg Deharde gehört zu den größten in der Gegend, hier an der Kötermoorerer Straße 40 in Stadland. Haupthaus, riesige Biogasanlage, Solarpaneele auf den Dächern und eine große Scheune im Hintergrund. Wer die Augen schließt, kann sie vielleicht schon hören – die Autos und Laster, die auf der Küstenautobahn in Zukunft vorbeirasen. Direkt an der Scheune entlang. Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) blickt hinüber. Der Wirtschaftsminister kämpft seit Jahren für diese Küstenautobahn, die künftige „Schlagader des Nordens“. Deharde wäre ein Leidtragender. Lies weiß das. Deshalb ist er hier. Ein Autobahn-Minister, der sich auch um die Betroffenen kümmert? „Genau“, sagt der SPD-Politiker. So ein Treffen ist nicht einfach.

Über 160 Millionen Euro für ersten Bauabschnitt eingeplant

Der erste Spatenstich für die Küstenautobahn wird auf der Strecke zwischen Westerstede und Jaderberg erfolgen. Für diesen Abschnitt sind die Planungsarbeiten am weitesten fortgeschritten. Der Planfeststellungsbeschluss steht bevor. Die Kosten für diesen Teilabschnitt liegen bei offiziell 161 Millionen Euro.

Die weiteren sechs Abschnitte folgen sukzessiv, beispielsweise der Teil 2 von Jaderberg bis zur B 437. Diese Planungen sollen im Juli 2019 fertig sein. Voraussichtliche Baukosten: 407 Millionen Euro. Drei Monate später folgt der Abschnitt zwischen B 437 und der rechten Weserseite mit Verlauf durch den bestehenden Tunnel.

Die größten Probleme bereitet die Elbquerung zwischen Drochtersen und Glückstadt. Die Länge des Tunnelbauwerks beträgt 6,5 Kilometer, davon liegen 4,2 Kilometer auf niedersächsischem Gebiet. Die Kosten werden auf 1,1 Milliarden Euro geschätzt. Kläger gegen das Projekt sind vor dem Bundesverwaltungsgericht gescheitert.

„Mir ist wichtig, nicht nur auf dem Papier zu sehen, wie die Küstenautobahn verläuft, sondern auch dort, wo vor Ort die Menschen direkt betroffenen sind“, sagt Lies dieser Zeitung. „Und mit allen suche ich das Gespräch – mit denen, die grundsätzlich kritisch sind, und mit denen, die die A 20 begrüßen, aber Veränderungen wünschen“, ergänzt der SPD-Politiker, der privat ganz in der Nähe, in Sande, wohnt.

An seiner Entschlossenheit lässt der Verkehrsminister auch an diesem Ort keine Zweifel aufkommen: „Ich will, dass die A 20 gebaut wird!“ Lies’ Glaubensgrundsatz für dieses Mammutprojekt, dass sich fast ein Jahrzehnt lang hinziehen wird: „Ich will nicht nur ein Verfahren mit bestmöglicher Planung. Denn je besser wird planen, desto höher fällt die Akzeptanz aus. Ein Austausch mit jedem einzelnen Anlieger wird nicht möglich sein. Aber wir können viele Gespräche führen. Desto größer ist die Chance, dass wir auch wirklich mit dem Bau beginnen.“

Noch gibt es keine Übersicht über die erwarteten Bürgereinsprüche. Aber überall haben sich Initiativen formiert. Dabei ist das Planfeststellungsverfahren noch nicht einmal beendet. „Ich will gar nicht erst warten, bis die Einsprüche kommen, sondern schon im Vorfeld die Sorgen der Bürger kennenlernen. Wo drückt der Schuh? Gibt es nicht mindestens eine gemeinsame Gesprächsebene, um schwierige Fragen zu lösen?“, erläutert der Wirtschaftsminister seine Strategie. Lies möchte „Lösungsansätze finden, die beiden Seiten gerecht werden. Wir wollen schnell bauen, aber auch die Betroffenen mitnehmen.“

Auch jemanden wie Jörg Deharde? „Es war ein sehr gutes Gespräch“, heißt es hinterher. „Ja. Hier war’s sehr konkret“, bestätigt Lies, der alle Beschwerden in seinem Haus prüfen lassen will. „In einem zweiten Schritt setzen wir uns zusammen“, verspricht Lies, der überall an der Trasse entlang Runde Tisch mit Bürgern und Betroffenen plant. „Ich will so oft wie möglich dabei sein, weil mir das Projekt so wichtig ist.“ Nicht immer würden Veränderungen der Planung möglich sein, räumt der Gast ein. „Aber ein ehrlicher Austausch ist wichtig. Wir wollen keine Versprechungen machen, die wir nicht halten können. Aber wir wollen uns austauschen, ehe wir uns jahrelang vor Gericht treffen. Aber klar bleibt auch: Klagen können den Bau der Autobahn verzögern, aber nicht verhindern“, sagt Lies.

Im konkreten Fall führt die Autobahn „verdammt dicht“ (Lies) am Hof vorbei. Doch Jörg Deharde will sicherstellen, dass der Biogas-Betrieb auch noch Erweiterungsmöglichkeiten für die Zukunft hat. Aber gibt es überhaupt Spielräume beim aktuellen Planungsstand? Auf der anderen Seite der Autobahn liegen drei Häuser, die eine Lärmschutzwand bekommen. Deharde nicht. Warum? Er wohnt hier und seine Mitarbeiter sind die ganze Zeit auf dem Gelände. Lies: „In diesem Fall sage ich: Hier müssen wir wirklich nicht warten, bis wir uns vor Gericht streiten. Hier sind im Vorfeld Lösungen möglich.“

Doch die Zeit drängt. Baubeginn mit Schippe und Bagger soll Anfang 2018 nach der Baustelleneinrichtung sein. „Ich hoffe, dass mögliche Klagen nicht zu einer aufschiebenden Wirkung führen, sondern die Klagen innerhalb des Prozesses geklärt werden können. Also: Bauen und zugleich Klagen abarbeiten“, beschreibt Lies seine Erwartungen. Denn an seinem Credo lässt der Verkehrsminister nicht rütteln: „Auch wenn Gespräche dauern, am Ende wird das Projekt Küstenautobahn schneller umgesetzt“.

Gunars Reichenbachs
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

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