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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Landtag zieht in edles Provisorium

23.09.2014

Hannover Premiere im Plenum: Erstmals tagt am Mittwoch der Niedersächsische Landtag in seinem Provisorium, dem denkmalgeschützten „Georg-von-Cölln-Haus“ – einer ehemaligen Eisenwarenhandlung direkt vor der Marktkirche. In den nächsten zweieinhalb Jahren beherbergt der Bau die Volksvertreter, bis der alte Landtag kernsaniert und im Innern völlig umgebaut die Portale wieder öffnet.

Ob die Parlamentarier dann überhaupt wieder umziehen wollen? Das Cölln-Haus entpuppt sich als ein wahres Kleinod im wunderschönen Jugendstil. Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) inspiziert sein neues Domizil begeistert. Das edle Weiß-Grau der Wände mit dezenter indirekter Beleuchtung korrespondiert mit den geschmiedeten Eisenstützen und Balustraden einschließlich Emporen in floraler Optik. Deren Grau strahlt Solidität aus. Für 3,5 Millionen Euro wurde der Ersatz-Plenarsaal aus- und umgebaut. „Eine Punktlandung“, lobt Busemann: „Auf den Tag genau erfolgte die Fertigstellung, weiter wurden die Kosten auf den Cent genau eingehalten.“

Denkmalschützer sorgten dafür, dass der Jugendstilbau seinen Charakter behalten hat. Der Saal mit 137 Plätzen fällt „etwas eng“ aus, räumt der Landtagspräsident ein. „Disziplin ist mehr denn je gefragt“, sagt Busemann und setzt hinzu: „Vielleicht entsteht hier ja ein völlig neuer Debattenstil.“

Dafür präsentieren sich Klimaanlage und Akustik vom Feinsten. Decken wurden dezent abgehangen und der Boden um 40 Zentimeter „aufgebockt“, so Busmann, damit die Technik unauffällig verschwindet. Ein transparentes Parlament. Jeder Bürger kann vom Marktplatz aus hineinsehen. Der Landtag ist außerhalb der Plenarwochen von 6 bis 20 Uhr geöffnet. Besucher finden wegen der Raumenge jedoch kaum Platz. „Ein Kompromiss“, räumt Busemann ein, der schon jetzt an die Nachnutzung denkt mit „Kunst, Kultur, Veranstaltungen oder öffentlichen Ausschusssitzungen“. Bald schon steht eine Literaturlesung auf dem Programm. „Dieses Haus wird ein Schmuckstück im Angebot Hannovers“, ist Busemann überzeugt.

Wenige Meter weiter dominieren Staub und Lärm. Bauleute reißen den alten Plenarsaal im Leineschloss regelrecht in Stücke. Überall hängen Kabel, verschwunden alle Stühle, ein Torso der Präsidententisch, ein Mann attackiert die Holzpaneele mit dem Stemmeisen, andere klopfen alles herunter, was nicht Mauer ist. Ein trauriger Anblick. „Aber Wehmut empfinde ich nicht“, betont Busmann beim Rundgang durch die Bauruine. Fast schon begeistert malen seine Hände den neuen Plenarsaal in die Luft. „Alles wird gedreht“, so Busmann: „Alles wird größer, lichter und mit viel mehr Platz für die Abgeordneten.“

Wo noch Fußboden ist, klafft bald ein acht Meter tiefes Loch. Damit das Schloss nicht in sich zusammensackt, stützen 16 Meter tiefe Pfähle den gesamten Baukörper.

Auch der Umbau liegt „voll im Kosten- und Zeitplan“, betont Busmann, der als Hausherr penibel auf die Obergrenze von 52,8 Millionen Euro Kosten achten will. Immer wieder überzeugt sich der Hausherr vom Fortgang der Arbeiten. Aus seinem Büro sind es nur ein paar Meter zur Baustelle. Noch ist der Lärm erträglich. Aber bald wird’s höllisch. „Aber wir werden es überstehen“, sagt Busemann und rückt den Helm zurecht.

Gunars Reichenbachs
Chefkorrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

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