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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Mastbruch in schwerer See

28.01.2016

Bremen /Oldenburg Die Erleichterung, aber auch die Anspannung ist ihm deutlich anzumerken. Endlich hat Niels Stolberg das Wort. Endlich darf er öffentlich Stellung nehmen und reinen Tisch machen, kann sich zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern, einen Teil der Anklage zurückweisen, andere Punkte zugeben – und sich zur Gesamtverantwortung bei Beluga bekennen.

Niels Stolberg (55), in Brake geborener Gründer der 2011 zusammengebrochenen Bremer Beluga-Reederei, trägt seine Sichtweise der damaligen Vorgänge konzentriert vor. Eine Stunde dauert im Bremer Landgericht seine Antwort auf die Anklage, Wort für Wort mit kräftiger Stimme vom Blatt gelesen – und wenn er Vorwürfe zurückweist, fixiert er mit festem Blick die Vertreter der Anklage, denen er im Laufe der mehr als 50 geplanten Sitzungen nachweisen will, dass sie es sich bei Teilen der Anklage viel zu einfach gemacht haben.

So beispielsweise beim Thema Kreditbetrug im Zusammenhang mit zahlreichen Schiffsneubauten. Gewiss – den Banken seien höhere Baukosten dargestellt worden als tatsächlich an die chinesische Werft gezahlt wurde. Dabei habe aber kein Schaden entstehen können, weil der tatsächliche Wert der Schiffe stets höher gewesen sei als die angegebenen Baukosten. Tatsächlich hätten die Banken an der Schiffsfinanzierung ausgezeichnet verdient.

Was einer der mitangeklagten ehemaligen Beluga-Manager später „kriminelles System“ nennt, bezeichnet Stolberg als „kreative Darstellung des Eigenkapitals“. Dass gezahltes Eigenkapital auch wieder zurückfließen könne, sei durchaus branchenüblich und den hochqualifizierten Bankexperten sicher nicht unbekannt.

Der inzwischen in Oldenburg lebende Stolberg bekennt sich aber auch zu „schweren Fehlern und Rechtsverletzungen“. So sei der Vorwurf zutreffend, dass dem amerikanischen Investor Oaktree im Jahr 2010 eine geschönte Bilanz des Jahres 2009 vorgelegt worden sei. Er sei bereit, dafür die volle Verantwortung zu übernehmen. Schließlich habe er bei Beluga als Kapitän auf der Brücke gestanden. Auch im Hinblick auf die drei mitangeklagten ehemaligen Beluga-Manager erklärte Stolberg, dass er die Gesamtverantwortung trage. Seine Ex-Mitarbeiter hätten nach seinen generellen Vorgaben gehandelt.

Mehrfach betont der Ex-Reeder, dass er nicht aus Eigennutz gehandelt habe, sondern versucht habe, das Unternehmen in schwerer See zu retten. Dabei hätte er eine Reihe von Fehlern gemacht und wie der Kapitän eines Großseglers gehandelt, der auch im Sturm unter vollen Segeln fahre – und dabei einen Mastbruch riskiere.

Die drei mitangeklagten Beluga-Mitarbeiter bestätigen viele Stolberg-Äußerungen – und zeichnen ein Bild von dem Riesendruck, der in der Schlussphase geherrscht habe. Der Zusammenbruch sei deshalb auch ein Stück Erleichterung gewesen.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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