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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Medienleute gehen einen Tag fremd

29.01.2016

Oldenburg /Bremen Der Arbeitsplatz von Anja Goerz erinnert an ein Flugzeug-Cockpit. Sie sitzt vor Monitoren, Schaltern, Reglern und Knöpfen. „Herzlich willkommen“ sagt sie gut gelaunt in ein großes Mikrofon, während vor ihrem Studiofenster die Stadt gerade erst erwacht.

Anja Goerz moderiert die Sendung „Der gute Morgen“ im Bremer Nordwestradio. Und der beginnt am Donnerstag für NWZ -Reporter Marco Seng ungewohnt früh. Um 6.30 Uhr ist er der erste Zeitungsredakteur, der an diesem Morgen im Programm von Nordwestradio zu hören ist.

Sein Thema: Der Fall des Ex-Krankenpflegers Niels Högel, der aus Geltungssucht Klinikpatienten lebensbedrohliche Medikamente gespritzt hat, um anschließend seine Fähigkeiten bei der Wiederbelebung zu demonstrieren.

Seng hat den Prozess und die durch den Fall ausgelöste politische Debatte um Patientensicherheit für die Nordwest-Zeitung intensiv begleitet. Nun steht er mit seinem Wissen der Radio-Moderatorin in einem Live-Gespräch Rede und Antwort. Und man hat fast den Eindruck, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Artikel und Sendungen

Der „Rollentausch“ von Nordwest-Zeitung und Nordwestradio ging am Donnerstag in die zweite Runde. Nachdem am Mittwoch Kolleginnen und Kollegen des Bremer Senders im Oldenburger Medien-Haus zahlreiche Artikel für die aktuelle NWZ -Ausgabe geschrieben hatten, waren nun die Zeitungsleute an der Reihe.

Die Morgensendung von 6 bis 10 Uhr ist für das Radio so genannte Prime Time. „Hier erreichen wir die höchsten Einschaltquoten“, erklärte Programmleiter Jörg-Dieter Kogel. So gaben sich vor allem am Morgen die Zeitungsleute im Studio die Klinke in die Hand – mit dabei auch Chefredakteur Rolf Seelheim, der in seinem Kommentar zum Thema „Medien im Wandel“ die Bedeutung von Qualitätsjournalismus unterstrich.

Lob gab es nach der Frühschicht von Nordwestradio-Reporter Florian Bänsch, der ein erstes Fazit des „Rollentauschs“ zog – natürlich live. „Daumen hoch für die Zeitungskollegen“, lautete sein Urteil.

Dieses Lob hatten sich am Mittwoch auch die Radiomacher bei ihrem Einsatz in der Zeitungsredaktion in Oldenburg verdient. Einer, der für einen Tag den Sprung von der sprechenden zur schreibenden Zunft wagte, war der Kulturchef des Senders, Guido Schulenberg. Der größte Unterschied für ihn: Radiobeiträge „versenden“ sich nach der Ausstrahlung recht schnell. „Mit meinem gedruckten Zeitungsartikel fühle ich mich dagegen wie ein Handwerker, der das Ergebnis seiner Arbeit in der Hand halten kann“.

Dafür hat man bei Live-Beiträgen fürs Radio nur einen Schuss, was den Zeitungsleuten großen Respekt einflößte. „Man muss sich im Studio sehr fokussieren und konzentrieren“, berichtete Sabine Schicke aus der Oldenburger Stadtredaktion, nachdem sie im Nachmittagsprogramm im Gespräch mit Moderator Otmar Willi Weber die bisherige Amtszeit von Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann analysiert hatte: „Anders als beim Schreiben von Artikeln kann man keine Fehler korrigieren und den Beitrag nicht noch einmal überarbeiten.“

Eindrucksvolle Technik

Regionalredakteur Lars Laue, der über die kontroverse Debatte zur Windkraft in der Region berichtete, war von der Studiotechnik schwer beeindruckt. „Eine Wissenschaft für sich“, stellte er nach seiner Sendung mit Anja Goerz fest.

Für die erfahrene Moderatorin, die seit 26 Jahren Radio macht, ist der Umgang mit den vielen Monitoren, Schaltern, Reglern und Knöpfen dagegen längst in Fleisch und Blut übergegangen. „Das ist wie Autofahren“, sagte sie. Man müsse vor allem aufpassen, dass keine Tonlücke entsteht. „Ein Loch fahren“ heißt es, wenn plötzlich Stille im Radio herrscht.

Mehr als 20 Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich an dem in der Region bislang einmaligen Medien-Experiment. Das Ergebnis waren viele spannende Geschichten für die Leser und Hörer und neue Impulse für die tägliche Arbeit in beiden Redaktionen.

„Davon profitieren alle“, betonte Chefredakteur Rolf Seelheim. Beide Medien ergänzten sich: „Entscheidend ist, dass Qualität geliefert wird.“

Wie gut sich Zeitung und Radio an diesem Tag ergänzten, zeigte sich am Abend noch einmal: Die aktuelle Nachricht von einer großen Waffen-Razzia in Oldenburg nahmen die Radio-Kollegen zum Anlass, um sich von NWZ -Polizeireporter Marc Geschonke auf den neusten Stand bringen zu lassen.

Für Programmleiter Jörg-Dieter Kogel schloss sich mit dem Rollentausch auch ein persönlicher Kreis. „Ich habe mein Handwerk bei einer Zeitung gelernt, bevor ich vor 30 Jahren zum Rundfunk ging“, berichtete er. Am Donnerstag hatte Kogel seinen letzten Arbeitstag: „Dass ich nun wieder mit einem Zeitungsprojekt in den Ruhestand gehe, ist für mich ein ganz besonderes Erlebnis.“


  www.nwzonline.de 
Ulrich Schönborn
stv. Chefredakteur
Chefredaktion
Tel:
0441 9988 2004

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