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Nordwest-Bahn soll für Ausfälle kräftig zahlen
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Aktualisiert vor 8 Minuten.

Nahverkehr In Der Region
Nordwest-Bahn soll für Ausfälle kräftig zahlen

NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

„Fluchtursachen sind das Problem“

14.12.2019
Frage: Bischof Adomeit, die Evangelische Kirche im Oldenburger Land gibt 20 000 Euro für ein Flüchtlingsschiff, das Migranten im Mittelmeer aus Seenot retten soll. Seit wann zählt das Mittelmeer zu Oldenburg?
Adomeit: Aus christlicher Grundhaltung heraus halten wir es für unabdingbar, dass Menschen, die in Not sind, gerettet werden. Jesus ist zu denen gegangen, die Not hatten: zu den Kranken, den Ausgestoßenen, oder denen, die auf dem Wasser waren. Und es ist auch ein gesellschaftlicher Grundkonsens, dass Menschen, die in Seenot sind, gerettet werden. Für uns, die in einer Küstenregion wohnen, ist das noch selbstverständlicher. Dass Menschen im Mittelmeer ertrinken, sieht weit weg aus. Aber es ist unsere Geschichte
Frage: Jetzt gibt es Kritik an dem Engagement für das Flüchtlingsschiff. Zählt das zu den Aufgaben der Kirche? Darf man Sie nicht kritisieren?
Adomeit: Selbstverständlich darf man die Kirche kritisieren. Wir gehen davon aus, dass wir mündige Christen als Mitglieder haben, die darüber nachdenken, was die Kirche oder was Christen tun. Das erwarten wir von unseren Mitgliedern, eigentlich von allen Menschen. Natürlich ist das eine Frage, die man stellen kann.
Frage: Was hat Sie bewogen, für das Flüchtlingsschiff Geld zu geben?
Adomeit: Wir wollten nicht nur mit Worten, sondern auch mit Geld unterstützen. Aus der Fragestellung heraus: Was hätte Jesus getan? Wir sind der Überzeugung, dass Menschen nicht ertrinken dürfen. Und wegen der Nähe zur Küste liegt uns das besonders am Herzen. Und wir haben uns als oldenburgische Kirche dem Aktionsbündnis „United4Rescue – Gemeinsam Retten“ (Seenotrettung) angeschlossen. Der Oberkirchenrat hat dafür 20 000 Euro gegeben, und die Synode, also unser Kirchenparlament, hat das Vorgehen ausdrücklich unterstützt.
Frage: Das hat eine politische Dimension, nämlich die Flüchtlingspolitik. Sie teilt die Menschen in Europa in Unterstützer und die Zweifler, die fragen, was Menschen aus Afrika oder arabischen Ländern überhaupt mit uns zu tun haben?
Adomeit: Keiner verlässt freiwillig seine Heimat. Das ist im Oldenburger Land nicht anders als in Ghana. Menschen aus Afrika müssen sich aufgrund der bedrückenden Notsituationen in ihrer Heimat auf die Flucht begeben. Sie wissen, was sie erwartet. Von Schleusern ausgepresst, begeben sie sich auf unsichere Schiffe, um dann weitertransportiert zu werden und am Ende in ein Land zu kommen, ohne zu wissen, ob sie bleiben dürfen. Wie schlecht geht es eigentlich diesen Menschen, dass sie sich darauf einlassen? Die Fluchtursachen sind so massiv lebensbedrohlich, dass sie sich auf den Weg machen müssen.
Frage: Also haben wir ein Flüchtlingsproblem …
Adomeit: Wir haben kein Flüchtlingsproblem, wir haben ein Fluchtursachenproblem. Das in den Blick zu bringen, ist Aufgabe der Kirche. Das Fluchtursachenproblem zu lösen, ist Aufgabe von Europa. Man darf nicht vergessen, dass die Menschen in Europa ihren Wohlstand nicht nur, aber auch Afrika zu verdanken haben. Wir verschließen unsere Märkte für Waren aus Afrika, aber exportieren unsere Produkte dorthin. Insofern haben wir schon einen Anteil daran, dass Menschen sich nicht wirtschaftlich so entwickeln können. Dazu kommen Waffenexporte, wir fördern auf diese Weise auch kriegerische Auseinandersetzungen in Afrika oder arabischen Ländern.
Frage: Dann ist das eine symbolische Summe, mit der Sie sich beteiligen?
Adomeit: 20 000 Euro ist viel Geld. In Relation zu den 400 000 Mitgliedern der oldenburgischen Kirche sind das 5 Cent pro Mitglied. Und wenn das Geld hilft, ein Menschenleben zu retten, dann es hat sich gelohnt.
Frage: Was tut die Kirche noch?
Adomeit: Die kleine oldenburgische Kirche gibt jährlich 1,3 Millionen Euro in die weltweite Entwicklungsarbeit, die auch die Beseitigung von Fluchtursachen zum Ziel hat. Wir möchten mit dem Flüchtlingsschiff aber zum Nachdenken anregen und möchten daran erinnern, dass das Retten von Menschen eine Grundhaltung sein sollte. Wir sind nicht blauäugig, wir wollen nicht alle Menschen nach Europa holen. Aber: Die Flüchtlinge sind nicht die Schwierigkeit, die Fluchtursachen sind das Problem.
Frage: Trifft Sie die Kritik, die an dem Engagement für Flüchtlinge geäußert wird?
Adomeit: Nur durch Diskussion und Dialog kann eine gute Sache gut werden. Es gibt Menschen, die sagen: Endlich weiß ich, wofür meine Kirche steht. Und es gibt Menschen, die sagen: Ich trete aus, das ist nicht mehr meine Kirche, die eine Brücke nach Europa baut und so meine Heimat beschädigt. Dazwischen verbindende Elemente zu finden, ist die Herausforderung, vor der wir stehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Menschenleben in Afrika weniger wert ist als eines in Europa. Insofern müssen wir etwas tun. Aber ich möchte auch die Menschen hier im Oldenburger Land mitnehmen.
Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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