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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Ministerin aus dem Kloster

27.07.2013

Hannover Antje Niewisch-Lennartz hat niemand auf der Rechnung. Selbst ihre Partei, die Grünen, braucht nach den Koalitionsverhandlungen zwei Tage Verlängerung, um die neue Justizministerin zu präsentieren. Antje wer?, heißt es im Februar. Niewisch-Lennartz? Nie gehört. Ach, die Frau von Hans-Albert Lennartz. Den Ex-Landeschef der Grünen und ehemaligen Regierungspräsidenten kennt man in der Landespolitik.

Doch darauf kann man die 60-jährige Juristin ganz gewiss nicht reduzieren. Antje Niewisch-Lennartz ist eine Frau mit bewegter Vergangenheit, vielen Interessen und klaren Vorstellungen. Als Flüchtlingskind wächst sie im Kloster Lüne in ihrer Geburtsstadt Lüneburg auf. An eine schöne, aber entbehrungsreiche Kindheit erinnert sich Niewisch-Lennartz – keine anständigen Toiletten, kein fließendes Wasser, keine Heizung.

Zwei Dinge prägen ihr Leben, neben den vier großen Brüdern. In Interviews erzählt Niewisch-Lennartz freimütig über ihren Vater. Der sei überzeugter Nazi gewesen, habe es nie geschafft, sich davon zu lösen. „Das hat meine eigene Politisierung sicher sehr begründet“, sagt die Mutter von zwei Söhnen. Bereits frühzeitig entscheidet sie deshalb, linke Politik zu machen.

Auch die Frauengemeinschaft mit einer Äbtissin an der Spitze, in der sie aufwächst, bleibt für Niewisch-Lennartz nicht folgenlos. „Es gibt gute Gründe sich dafür einzusetzen, dass mehr Frauen auch in der Justiz in Führungspositionen kommen“, sagt sie heute.

Niewisch-Lennartz scheut sich nicht, über unangenehmen Dinge offen zu reden. Etwa über ihre Lese-Rechtschreib-Schwäche, die sie als Schülerin massiv behindert. Doch die Grünen-Politikerin geht dennoch unverdrossen ihren Weg, studiert Jura in Marburg, führt die Geschäfte des Studentenwerks der Gesamthochschule Kassel, wechselt zum Verwaltungsgericht der Stadt, arbeitet später für den niedersächsischen Datenschutzbeauftragten. Der vorletzte Karriereschritt erfolgt 1995 mit dem Wechsel als Richterin ans Verwaltungsgericht Hannover, sieben Jahre später wird sie dort Vorsitzende Richterin.

Die ausgebildete Mediatorin ist bereits vor dem Sprung ins Justizministerium auf kommunalpolitischer Ebene aktiv – als Vize-Bürgermeisterin im hannoverschen Stadtbezirk Misburg-Anderten. Ihre Auftritte als Ministerin sind bisher sachlich und souverän. Die freundliche Juristin führt nicht das große Wort im Kabinett, versucht im Rahmen der Möglichkeiten einer Justizministerin aber immer wieder, eigene Duftmarken zu setzen. Niewisch-Lennartz fordert Zugang zum Internet für Straftäter im Jugendarrest, schließt nicht aus, dass kleine Amtsgerichte geschlossen werden, will gegen Menschenhandel kämpfen. Im Sommerloch sind das allemal Schlagzeilen, die sie bekannter machen im Land.

Wenn sie mal gerade nicht Ministerin sein muss, geht Niewisch-Lennartz am Maschsee joggen oder mit ihrem kleinen, schwarzen Pudel spazieren. Im Urlaub stehen Rad fahren, Tennis und paddeln auf dem Programm, verrät sie. Und von Bienen sei Niewisch-Lennartz fasziniert, erzählen ihre Mitarbeiter. Honig aus eigener Zucht lautet das Ziel.

Marco Seng
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2008

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