• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Geschichte: Nach dem Krieg kam die Kälte

28.03.2017

Oldenburger Land Oktober 1946, Deutschland liegt in Trümmern. Der Krieg ist noch nicht lange vorbei, doch die Menschen erwartet schon die nächste Prüfung. Hunderttausende werden ihr Leben lassen. Diesmal sind der Feind nicht Bomben und Soldaten, sondern die Kälte.

Eine arktische Kälteperiode hat von Oktober 1946 bis März 1947 das Land in seiner eisigen Hand. Keine Heizung oder Strom, kaum Lebensmittel und Kleidung – nach Wetteraufzeichnungen ist es der längste und kälteste Winter seit über 200 Jahren. 180 000 Flüchtlinge, Vertriebene und Ausgewiesene kämpfen im Oldenburger Land ums Überleben.

Die Chronologie der Kälte

Im Oktober 1946 beginnt der Winter mit zunächst nur leichtem, später aber stärkerem Frost. Im November flutet Kaltluft aus Russland nach Deutschland, der Frost breitet sich von Süd nach Nord aus und lässt die Temperaturen im Dezember nachts auf bis zu minus 18 Grad fallen.

Der Januar 1947 bringt noch kältere Nächte: -20 Grad, dazu wenige milde Tage. Es strömt weitere Kaltluft aus Norwegen nach Deutschland. Im Februar nähern sich die Temperaturen nach 38 Tagen Frost wieder dem Gefrierpunkt. Auch im März hat der Winter das Land fest im Griff, im Norden friert es bis -5 Grad, bis von Süden der Frühling kommt.

Nach Wetteraufzeichnungen war 1946/1947 der längste und strengste Winter seit über 200 Jahren. In Berlin hatte es zuletzt 1799 derartigen Frost gegeben.

Durch die bedingungslose Kapitulation der Nationalsozialisten liegt die Souveränität bei den vier Alliierten. Sie versuchen, die Versorgung durch Lebensmittelkarten und Bezugsscheine sicherzustellen. Diese wurden im August 1939 eingeführt und sollen die elementarste Versorgung der Menschen sicherstellen. Die Karten beinhalten eine Versorgung mit Lebensmitteln um die 1500 Kalorien – deutlich zu wenig für einen Erwachsenen, gerade bei Kälte.

Die westlichen Alliierten, England, Frankreich und die USA, mildern die Hungerrationen ab, indem sie eine „Schulspeisung“ für Kinder einführen und insgesamt 10 Millionen Care-Pakete verteilen.

Auch im Oldenburger Land war die Not groß – der Mangel an Lebensmitteln, Kleidung und Brennstoff trifft die 180 000 Vertriebenen im Oldenburger Land besonders hart. Am 16. Mai 1946 kommt der erste Vertriebenen-Transport aus Schlesien und dem Sudetenland auf dem Bahnhof in Sandkrug an. Hinter den Menschen, die in zerschlissener Kleidung nach neun Tagen Fahrt aus den Zügen steigen, liegt eine lange Zeit von Ängsten und qualvoller Ungewissheit.

Die Vertriebenen werden von den Landwirten mit Ackerwagen abgeholt und auf die Wohn- und Bauernhäuser der Gemeinden verteilt. Ein bis zwei Zimmer müssen die Hauseigentümer abgeben – eine schwierige Situation für alle Beteiligten.

Die Menschen drängen sich in Ein-Zimmer-Unterkünften, Gartenland gibt es nicht. Somit können die Familien auch nichts anbauen, um den Lebensmittelbedarf zumindest teilweise zu decken, und auch keine Tiere halten. Gerade erst haben sie ihre erste Unterkunft bezogen und sich notdürftig eingerichtet, als die Kälte über das Oldenburger Land hereinbricht.

Der Wilhelmshavener Hans Ryszewski hat sich mit den Schicksalen seiner Familie während des Kältewinters beschäftigt. So hieß es in einem Brief, man habe seit zehn Tagen nichts Warmes gegessen, Tags zuvor seien 17 Kinder in der Kälte gestorben, den Töchtern der Familie erfroren die Füße.

Die staatlich ausgegebenen Lebensmittelkarten waren von großer Bedeutung für die Versorgung der Familien, doch reichten sie kaum aus. Deshalb waren viele auf das Sammeln von Pilzen oder Beeren angewiesen.

Greta Block Volontärin / NWZ-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2003
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.