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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Oberste Riege der Roten Khmer vor Gericht

23.06.2011

PHNOM PENH Im Herzen Kambodschas liegt ein Flughafen ohne Flugzeuge, mit Hühnern statt Passagieren in den Terminalgebäuden, und einem lauen Lüftchen, das über die 2400 Meter lange Startbahn weht. Vögel zwitschern und Gräser wiegen sich im Wind – Idylle pur. Vor mehr als 30 Jahren war dies aber ein Zwangsarbeiterlager, in dem unsägliches Leid geschah.

Verantwortliche des Terrorregimes der Roten Khmer stehen ab Montag (27. Juni) vor dem Völkermord-Tribunal in der Nähe der Hauptstadt Phnom Penh. Das Flugfeld in Kampong Chhnang 100 Kilometer nordwestlich von Phnom Penh ist einer von sechs Tatorten, auf die die Anklage verweist.

Mehr als 30 Jahre nach dem Ende des Regimes stehen damit erstmals die ranghöchsten noch lebenden Schergen des Regimes vor Gericht. Das von den Vereinten Nationen mitgetragene Gericht will dem damaligen Stellvertreter des Regimechefs Pol Pot, Nuon Chea (84), dem damaligen Staatschef Khieu Samphan (79), Ex-Außenminister Ieng Sary (85) und dessen Frau, Ex-Sozialministerin Ieng Thririth (79), den Prozess machen.

Paranoider Wahn

Sie sind wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermords und Kriegsverbrechen angeklagt. In einem ersten Prozess war im vergangenen Jahr der Chef des berüchtigten Foltergefängnisses S-21, Kaing Guek Eav (68) zu 35 Jahren Haft verurteilt worden, von denen ihm 16 Jahre erlassen wurden. Beide Seiten haben Berufung eingelegt.

Die Roten Khmer wollten eine maoistische Bauerngesellschaft schaffen. In ihrem paranoiden Wahn verdächtigten sie Millionen Menschen der Sabotage. Während ihrer Schreckensherrschaft von 1975 bis 1979 kamen mehr als 1,8 Millionen Menschen um. Die Angeklagten sagen, sie hätten nichts gewusst oder Befehle ausgeführt.

„Auf diesem Flugfeld wurden angebliche Verräter aus den Reihen der Armee festgehalten und mussten Tag und Nacht arbeiten“, sagt Staatsanwalt Andrew Cayley. „Die Arbeiter wurden geschunden, getötet oder starben an Erschöpfung und verhungerten.“ Er will nachweisen, dass die Angeklagten dafür direkt verantwortlich waren.

Die vier Angeklagten müssen sich auch wegen Zwangsehen verantworten. „Manchmal wurden die Menschen direkt aus dem Reisfeld geholt und zur Hochzeit verdonnert“, sagt Dong Savorn, der mit der Organisation „Cambodian Defenders Project“ Opfern des Regimes mit Rechtshilfe zur Seite steht.

„Reine Kinder“ als Ziel

„Die Paare wurden in Hütten gebracht und die Soldaten standen lauschend davor – wenn sie den Geschlechtsverkehr verweigerten, wurden sie hingerichtet.“ Die Partei habe damit „reine Kinder“ produzieren wollen. „Kinder, die nur Angkar gehörten und die Revolution stärken sollten.“ Die Bevölkerung sollte von 8 auf 20 Millionen wachsen.

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