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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Fernsehfilm erkundet Motive von Patientenmördern

22.10.2018

Oldenburg /Berlin In wenigen Tagen, am 30. Oktober, beginnt ein weiterer Strafprozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel, dem 99 Morde an Klinikpatienten zur Last gelegt werden (für sechs weitere ist er bereits verurteilt worden). Eine Fülle von Zeitungsartikeln und Filmbeiträgen werden im Vorfeld des Strafprozesses erscheinen oder gesendet, sodass man die Reaktion „nicht schon wieder“ wegen des Überangebots verstehen kann. Eine NDR-Dokumentation, die an diesem Montag ausgestrahlt wird (22 bis 22.45 Uhr), sei allen ans Herz gelegt, vor allem denen, die des Themas überdrüssig sind.

Wolfgang Klauser und Alexander Cierpka beschränken sich nicht auf die Wiedergabe des Bekannten. In „Tatort Krankenhaus – wenn Pfleger morden“ versuchen sie Antworten zu geben. Was bringt Menschen dazu, ihnen anvertraute Menschen zu ermorden? Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es in Kliniken und Pflegeheimen? Was muss die Politik tun? Bei der Spurensuche haben sie auch den NWZ-Chefreporter Karsten Krogmann befragt, der den Fall Högel über mehr als fünf Jahre begleitet hat und der für seine Recherchearbeit zusammen mit dem früheren NWZ-Reporter Marco Seng mit dem Theodor-Wolff-Preis, der höchsten Auszeichnung für Journalisten, ausgezeichnet wurde: „Warum stoppte niemand Niels Högel?“lautete die Überschrift des prämierten Artikels und dieser Frage gehen auch Klauser/Cierpka nach. In den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst, in denen Högel als Pfleger auf den Intensivstationen arbeitete, sprachen die Kolleginnen und Kollegen darüber, dass sie mit Högel keinen Dienst machen wollten. „Es gab Fragen, wer stirbt denn heute wieder? Dass sie Namen für ihn hatten wie brutaler Rettungs-Rambo“, sagt Krogmann in dem NDR-Bericht.

Alle Berichte zu dem Krankenpfleger-Prozess hier im Spezial

Die Autoren Klauser und Cierpka bieten Erklärungen: In einem Interview mit der Patientenmörderin Irene Becker, die als „Todesengel der Charité“ bekannt wurde. Die Intensivpflegerin hatte fünf Patienten getötet und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie schildert ihr Motiv, nämlich Mitleid mit den schwerstkranken Patienten. Durch Nachfassen bringen die NDR-Reporter aber noch eine weitere Ebene ans Licht. Die persönliche Krisensituation der Pflegerin, die ihr eigenes Unglück auf die Patienten projiziert hat. Dazu dient auch das Interview mit dem Kriminalhauptkommissar Stephan Harbort, der Interviews mit 50 Serienmördern geführt hat, darunter auch Irene Becker. Dass der NDR sie zu einer öffentlichen Aussage gewonnen hat, muss man als große Leistung bewerten. Bei allem Verstörenden, das von solchen Begründungsversuchen der Täter ausgeht, hilft es doch, die Gefühlswelt, die Motivation der Täter besser zu erhellen.

Mangels originaler Aufnahmen, die den Klinikalltag zu Högels Zeiten zeigen, haben die Autoren einige wenige Szenen nachgestellt. Dazu noch einmal NWZ-Chefreporter Krogmann: „In Oldenburg hat man damals ja auch eine Statistik anfertigen lassen. Und guck mal: in diesen Zeiten ist etwas passiert, und was wurde mit dem Wissen dann angestellt?“, sagt Krogmann zu dem Verdacht, der einige im Klinikum Oldenburg beschlichen hatte, dass in den Arbeitszeiten des Pflegers Högel eine auffällige Häufung von Reanimationen und Todesfällen auftrat. Krogmann: „Es wurde darüber gesprochen. Sogar der Klinikchef war eingebunden in diese Gespräche. Und ja, man hat sich entschieden, nichts zu tun.“

Es gab Beobachtungen, aber keiner hatte etwas gesagt, ein Umstand, der auch in Berlin bei den Mordfällen durch Irene Becker eine Rolle spielte. So haben die Filmemacher mit dem ehemaligen Arbeitskollegen Högels, Frank Lauxtermann, gesprochen. Er gilt manchen Klinikmitarbeitern nun als Nestbeschmutzer, weil er öffentlich aussagte. Die NDR-Reporter befragen auch Angehörige und die Opferanwältin Gaby Lübben (Ganderkesee). Sie schildert die Situation der Angehörigen, die in ihrer Trauer überfordert waren und ihre Fragen den „Halbgöttern in Weiß“ nicht zu stellen wagten. Die Kliniken haben nun ihr „Frühwarnsystem“, das Auffälligkeiten aufdecken und künftige Taten verhindern soll, auch darüber berichten die NDR-Reporter. Wolfgang Klauser und Alexander Cierpka haben Fragen gestellt und Antworten geliefert, das ist alles stimmig und rund und nicht skandalisierend.

„Tatort Krankenhaus – wenn Pfleger morden“: Film von Wolfgang Klauser und Alexander Cierpka, NDR, Montag, 22. Oktober, 22 - 22.45 Uhr

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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