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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Mit 396 PS übers Bundeswehrgelände in Oldenburg

14.01.2020

Oldenburg Thomas Walther sitzt hinter dem Steuer eines 13-Tonners. Vorsichtig tippt er auf das Gaspedal, fährt den 396-PS-Lkw ganz langsam rückwärts, schlägt dabei ein, um gleichzeitig um eine Kurve zu kommen. Fahrschullehrer Oberbootsmann Matthias Schönhöft steht auf der Fahrerseite neben dem Führerhaus. Ist immer im Blickkontakt zu seinem Schüler. Schnell dreht Schönhoft mit seiner Hand Kreise in der Luft, erklärt seinem Schüler mit diesem Zeichen, das er heftiger einlenken muss. Hinten an dem Lastkraftwagen ist noch ein Anhänger gekoppelt. Thomas Walther ist konzen­triert. Insgesamt ist das Gefährt 18 Meter lang – und damit genauso lang wie ein Volleyballfeld.

Es ist eine normale Fahrschulszene – und doch ist alles anders. Denn Thomas Walther ist Hauptsbootmann bei der Bundeswehr. Die Fahrschule befindet sich in Oldenburg-Bümmerstede auf dem Gelände der Henning-von-Tresckow-Kaserne. Sie ist eines der deutschlandweit 20 Kraftfahrausbildungszentren der Bundeswehr.

Als Teil der Streitkräftebasis werden hier jedes Jahr insgesamt rund 800 Soldaten in den Führerscheinklassen B (Autos) und CE (Lkw) sowie als Fahrlehrer ausgebildet.

Auch zivile Fahrlehrer

„Wir haben 55 Mitarbeiter“, erklärt Kapitänleutnant Jörg Tröger. Seit elf Jahren ist er der Leiter der Dienststelle, die seit 2007 in Bümmerstede ansässig ist. „Ich habe meinen Führerschein auch bei der Bundeswehr gemacht – das war 1984 beim Marinefliegergeschwader in Nordholz.“ Für die Ausbildung sind Soldaten und auch Beamte, also zivile Fahrlehrer, zuständig. „Früher gab es bundesweit mehr als 150 Stellen – heute ist alles zentralisiert“, sagt Tröger. Natürlich liege das auch daran, dass die Wehrpflicht weggefallen sei. Und auch schon vorher – zuletzt betrug die Wehrpflicht neun Monate – sei es nur noch selten vorgekommen, dass Soldaten in dieser Zeit einen Führerschein der Klasse B oder höher erwarben.

Und auch nicht jeder Soldat darf zum Beispiel den Lkw-Führerschein machen. „Sie werden auftragsorientiert ausgebildet, zum Beispiel für das Logistikbataillon“, sagt der gebürtige Cuxhavener. „Es ist kein Selbstzweck.“ Zudem müsse man immer damit rechnen, auch in einen Auslandseinsatz geschickt zu werden, in dem in Kampfsituationen gefahren werden muss.

Um dafür so gut wie möglich gewappnet zu sein, gibt es im Rahmen der Ausbildung zusätzliche militärische Komponenten. So müssen die Soldaten mit den Lkw auch in unwegsamem Gelände auf unbefestigten Straßen fahren. Der nahegelegene Truppenübungsplatz ist dafür gut geeignet. Denn: „Es ist etwas anderes auf festen Straßen zu fahren als im Auslandseinsatz“, sagt Tröger.

Übrigens: Nur wenige Soldaten fallen durch die Führerscheinprüfung. „Wir haben eine Erfolgsquote von 98 Prozent“, sagt der amtlich anerkannte Prüfer. Die Bundeswehr stellt eine eigene Prüforganisation und muss somit nicht auf Dekra oder Tüv zurückgreifen. Dennoch sind die Fahrerlaubnisse vollständig umschreibbar und auch außerhalb des Militärs zu nutzen.

Technik ist wichtig

Auch eine Technikausbildung in Theorie und Praxis ist für die Soldaten wichtig. „Sie müssen in Notsituationen in der Lage sein, sich selbst zu helfen und auch die Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge zu erhalten“, sagt Fahrschulleiter Tröger.

„Alles rollt – durch uns.“ Dieser Schriftzug steht groß über dem Eingang des Unterrichtsgebäudes der Henning-von-Tresckow-Kaserne. Im ersten Stock sitzt Ausbildungsleiter Oberleutnant Tim Eggers gemeinsam mit Oberbootsmann Lucas Flasche und Hauptfeldwebel Rainer Klejdzinski gerade an der Unterrichtsvorbereitung. Außerdem findet hier die Einteilung der vier verschiedenen Züge statt, die für die Ausbildung zuständig sind. „Die meisten Soldaten haben bereits einen Führerschein der Klasse B.“ Was ist am schwierigsten? „Rückwärtsfahren mit Anhänger“, sagt Eggers.

Ein paar Türen weiter sitzen acht Soldaten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren im Fahranfängerkurs. Maximilian Klimisch ist einer von ihnen. Der Zeitsoldat ist in einer IT-Schule bei München stationiert. „Ich brauche den Führerschein für meinen Dienstposten – ich muss mobil sein.“

Nur einen Unterrichtsraum weiter verfolgen 13 Soldaten den Theorieunterricht für den Lkw-Führerschein. „Ich soll als Transportsoldat eingesetzt werden“, sagt Angelique Sandkuhl. Der Unterricht mache ihr viel Spaß und sei „entspannt gestaltet und nicht monoton“, so die Hauptgefreite. „Alles, was wir im Unterricht lernen, machen wir auch noch am Lkw.“ Dennoch müsse sie sich teilweise auch zu Hause hinsetzen und die Theorie lernen.

Auch Dominik-Leon Sie­bert nimmt an dem Lkw-Lehrgang teil. Er absolviert eine Ausbildung für gepanzerte Transportfahrzeuge. Der Hauptgefreite braucht zunächst den CE-Führerschein, um danach am sogenannten G-Lehrgang für geschützte Fahrzeuge teilzunehmen. „Das macht schon Spaß“, sagt auch er. „Es ist herausfordernd, aber wenn man es erst einmal verstanden hat, klappt das ganz gut.“

Sicherer Arbeitgeber

Im Erdgeschoss findet zeitgleich der Unterricht für angehende Fahrlehrer statt. Stabsunteroffizier Patrick Tegtmeier ist einer von ihnen. Warum hat er sich für diese Karriere entschieden? „Weil ich gern ausbilde“, sagt der gelernte Drucker, „und die Bundeswehr ein sicherer Arbeitgeber ist.“ Gerade erst hat er den CE-Lehrgang absolviert.

Draußen auf dem Gelände dreht indes Thomas Walther seine Runden. Wenn er genug Übung hat, darf er auch außerhalb des Kasernengeländes fahren. Schließlich muss er das nach Ausbildungsende auch. Dann könnte – bei einem Einsatz – rückwärts Einparken noch die geringste Hürde sein.

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Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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