• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Filmemacher Zahedi gibt Oldenburger Jüdin ein Gesicht

02.05.2019

Oldenburg /Groningen Der Oldenburger Filmemacher Farschid Ali Zahedi (58) zieht sich Baumwollhandschuhe an, bevor er das alte Fotoalbum aufschlägt. Der Zahn der Zeit hat an dem Album genagt. Und während Zahedi das Seidenpapier zwischen den Kartonseiten umschlägt, taucht ein Foto auf, das Zahedi seit Jahren gesucht hat. Es zeigt eine Gruppenaufnahme mit sieben Erwachsenen vor einem Haus in der Donnerschweer Straße in Oldenburg, ein Mann trägt ein Kind auf den Schultern. Es zeigt Mitglieder der jüdischen Familie Lazarus, die aus Ostfriesland stammt und in den 20er Jahren nach Oldenburg zog.

Die Viehhändler-Familie hatte eine Weide am Hunte-Strandbad gepachtet, die noch als Lazarus-Wiese bekannt ist und heute wieder so heißt. Und links am Bildrand steht Rosa Lazarus (1893 – 1971): Die Entdeckung des Familienalbums ist eine beglückende Erfahrung für Zahedi, der seit Jahren auf der Suche nach einem Bild der Rosa Lazarus ist. Sein Ehrgeiz war es, der Überlebenden des Holocaust ein Gesicht zu geben. „Rosa – eine unsichtbare Frau“ ist der Projekttitel für einen Film, den Zahedi und der Verein Werkstattfilm planen. Er soll im Jahr 2020 realisiert werden und zusammen mit einer Ausstellung im niederländischen Groningen das Leben der Rosa Lazarus dokumentieren. Genau genommen ähnelt die Geschichte der Rosa Lazarus der von Anne Frank, nur dass die Geschichte im Fall von Rosa Lazarus einen weniger traurigen Ausgang hatte als die der in Bergen-Belsen umgekommenen Anne Frank.

Termine

Groningen : Samstag, 4. Mai, in Groningen, Westerwolde und Winschoten „Open Joodse Huizen – Huizen van Verzet“ (Offene jüdische Häuser – Häuser des Widerstands). Allein in Groningen sind mehr als 60 Häuser zu sehen, wo Juden versteckt wurden. Donnerstag, 16. Mai, Enthüllung Stolperstein für Rosa Lazarus in Groningen, Ernst Casimirlaan 4a. Oldenburg : Sonntag, 5. Mai, 17 Uhr, Kinoladen Wallstraße 24, Informationen über Rosa Lazarus und zum geplanten Film.

Rosa Lazarus wurde 1893 in Stapelmoor/Ostfriesland als Kind jüdischer Eltern geboren. Die Eltern waren nach Deutschland gezogen und handelten mit Vieh. 1920 zog Rosa nach Oldenburg und wohnte zunächst im Haus am Damm 30. Farschid Ali Zahedi hat eine Meldekarte von ihr gefunden. Später lebte die Familie Lazarus in der Donnerschweer Straße, das Haus wich später einer Zufahrt zur Weser-Ems-Halle. Und dort entstand auch das Familienfoto, das einzige erhaltene, das Rosa Lazarus in den 50er Jahren zeigt – und das Filmemacher Zahedi kürzlich sogar nach Haifa in Israel führte. Rosa Lazarus war in der Nazi-Zeit in die Niederlande emigriert und hatte 1941 die niederländische Staatsangehörigkeit bekommen. Zur Zeit der deutschen Besatzung arbeitete sie als Haushälterin eines Lehrers. Der studierte Theologe versteckte acht jüdische Männer, Frauen und Kinder, darunter Rosa Lazarus – hinter einer Bücherschrankwand. Einen der Überlebenden hinter der Bücherwand hat Zahedi zusammen mit Groninger Mitstreitern ausgemacht: Ben van Dam, der heute 90-Jährige lebt in Haifa. Dort hat ihn Zahedi besucht und van Dam hat über seine Zeit hinter der Bücherwand und Rosa Lazarus gesprochen. „Zum Glück hat er mit mir gesprochen“, berichtet Zahedi. Er war mit seiner Kameraausrüstung nach Israel gereist und hatte das Risiko in Kauf genommen, dass der Holocaust-Überlebende vielleicht nicht mit einem im Iran geborenen Filmemacher mit deutschem Pass sprechen will. Aber van Dam hatte keine Vorbehalte und gab Zahedi das Interview. Warum er, der in Teheran geboren wurde, sich um die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit so intensiv bemüht? „Wenn man irgendwo lebt, übernimmt man auch die Verantwortung für die Geschichte.“

Wer sich für Rosa Lazarus und die in Groningen versteckten Juden interessiert, kann sich am Sonntag, 5. Mai, um 16 Uhr im Kino-Laden in Oldenburg über das Projekt informieren. Filmemacher Zahedi ist am Samstag, 4. Mai (dem Tag der Befreiung der Niederlande von der faschistischen Besetzung), nach Groningen eingeladen worden, dort hält Ytje Stevens-Roorda in der Synagoge einen Vortrag über die versteckten Juden hinter der Bibliothek. Sie ist die Enkelin des Lehrers Binne Roorda, der acht jüdische Frauen, Männer und Kinder vor den Nazis versteckte. Im Februar 1945 flog Roorda auf, die Untergetauchten wurden nicht gefunden. Roorda kam ins Konzentrationslager Neuengamme, er starb am 25. April 1945 im Lager Sandbostel bei Bremervörde.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2091
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.