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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Man dürfte auf der Bank einen Kopfstand machen!

23.05.2019

Oldenburg Als das Grundgesetz unterschrieben wurde, gab es das Deutschland so wie es heute existiert, noch gar nicht. Bis das soweit war, sollten noch Jahrzehnte ins (geteilte) Land gehen. Das Grundgesetz wurde vor 70 Jahren, am 23. Mai 1949 unterzeichnet. Einen Tag später trat es in Kraft. So alt es schon ist – auch nach sieben Jahrzehnten sichert es den Bürgern ein Leben in einem freien Land. Eine freie Meinungsäußerung, freie Berufswahl, das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren oder Versammlungsfreiheit.

Ganz neuer Blick

Kinder kommen im Grundgesetz nicht explizit vor. Ein Grund mehr, die jüngsten Bürger mal zu fragen, wie sie Artikel aus dem Grundgesetz erklären würden. Robert und Simon sind beide neun Jahre alt. Die beiden Oldenburger sind clevere Kerle und arbeiten sogar an einer Hort-Zeitung mit. Die Würde des Menschen ist unantastbar – was ist Würde überhaupt? Warum ist die Wohnung unverletzlich? Oder was ist Freizügigkeit?

Zugegeben, manche Artikel sind recht verschwurbelt geschrieben. Robert und Simon müssen mit ihren Erklärungen aber nicht absolut richtig liegen – manchmal geben sie den Erwachsenen sogar einen ganz neuen Blick auf die Artikel des Grundgesetzes.

1. Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Robert: Eigentlich bedeutet es doch, dass alle Menschen gleich sind und dass keiner besser ist als der andere. Jeder hat seine Würde, also jeder ist etwas wert.

2. Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

Robert: Es ist wichtig, dass die schon gleichberechtigt sind. Das wäre doch unfair, wenn Männer mehr dürfen.

Simon: ...oder Männer mehr Geld kriegen als Frauen.

3. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

Robert: Wahrscheinlich soll das bedeuten, dass wenn man zum Beispiel etwas verbrochen hat, Männer keine härtere Strafe kriegen als Frauen.

4. Die Wohnung ist unverletzlich.

Robert: Es heißt, dass man vielleicht nicht sagen könnte „Das ist jetzt meine Wohnung“ oder sich da einfach mal etwas mitnimmt.

Dürfte denn einfach jemand in eure Wohnung?

Simon: Nein! Das heißt, dass man nicht nicht rein darf, wenn die Wohnung einem selbst nicht gehört.

Und die Polizei?

Robert: Wenn die ein Recht dazu haben dann schon.

5. Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.

Simon: Jeder kann seinen eigenen Beruf wählen und niemand soll ihn davon abbringen, wenn er eine Entscheidung getroffen hat.

6. Alle Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Bundesgebiet.

Robert: Dass sie sich hinbewegen können wohin sie wollen. Dass man dem anderen nicht verbieten kann – du darfst jetzt nicht nach Berlin.

Und wenn ihr sagt, ich möchte nach München oder Hamburg ziehen – dürft ihr das?

Simon: Ja, das kann uns niemand verbieten.

7. Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.

Robert: Wenn man bei der Post zum Beispiel arbeitet und ein Brief auf dem Band liegt und den interessant findet – dann darf man den nicht öffnen, lesen und wieder zukleben.

8. Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.

Robert: Simon, was meinst du?

Simon: Dass man nicht bestimmen darf, dass der andere keine Piercings haben darf. Oder, dass der andere kein Star Wars mögen darf.

Meint ihr, man darf einfach nackig durch den Park rennen?

Robert: Nein. Weil das ja vielleicht Belästigung wäre.

Und was darf man?

Robert: Auf der Bank einen Kopfstand machen!

9. Die Freiheit einer Person ist unverletzlich. Was heißt das?

Robert: Dass man eine Person nicht einsperren darf, wenn sie nichts getan hat.

Und wenn jemand doll Mist gebaut hat?

Robert: Wenn irgendwer eine schlimme Straftat begangen hat, dann darf man das schon.

Simon: Das darf dann nur der Richter oder die Polizei – also der Richter muss sagen, ob die Polizei das darf.

10. Die Pressefreiheit

Robert: Die Presse darf, wenn zum Beispiel ein Politiker etwas Blödes gemacht hat, dann dürfte der Journalist das auch sagen ohne eingesperrt zu werden.

„Ein Glücksfall“

Vor 70 Jahren, zur Geburtsstunde des Grundgesetzes (GG) war auch Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbandes (SovD), gerade einmal neun Jahre alt – so alt wie Simon und Robert. Wie sieht der mittlerweile 79-Jährige die Entwicklung des Grundgesetzes – sieben Jahrzehnte konnte er die Geschichte schließlich mitverfolgen. „An die Geburtsstunde des Grundgesetzes kann ich mich nicht erinnern, dafür aber, was es im Laufe der Zeit alles ermöglicht hat“, gibt Bauer offen zu.

So sei das GG ein wahnsinniger Gewinn – sowohl für die Vergangenheit als auch für die Gegenwart. Bauer bekennt sich klar zum Grundgesetz: „Das war der Glücksfall der letzten 200 Jahre.“ Nie ein statisches Konstrukt gewesen und auch heute orientiere sich das GG immer wieder neu an der Gesellschaft und die Veränderungen, die allzeit da waren.

Tonia Hysky Redakteurin / Politikredaktion
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