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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Der Prozess und die Medien

31.10.2018
Kameras vor der Weser-Ems-Halle: Medienvertreter warten in einer Verhandlungspause auf ein Statement der Gerichtssprecherin Melanie Bitter. (Bild: Torsten von Reeken)

Einer der größten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte hat am Dienstag in der Oldenburger Weser-Ems-Halle begonnen: Der Ex-Krankenpfleger Niels Högel muss sich in diesem nun bereits dritten Verfahren gegen ihn wegen 100 Todesfällen vor Gericht verantworten. 126 Angehörige haben sich als Nebenkläger angeschlossen, sie werden durch 17 Anwälte vertreten. Das Interesse der Medien an diesem Mammutprozess ist groß.

So begleiteten nicht nur regionale Medien wie die Nordwest-Zeitung den ersten Prozesstag, sondern auch Vertreter von überregionalen Medien wie ZDF, Welt und Sat.1 waren bereits am frühen Dienstag vor Ort. Auch einige internationale Medien wie zum Beispiel Associated Press (AP) oder Agence France-Presse (AFP) kamen zum Prozessauftakt in die Weser-Ems-Halle. Menschen auf der ganzen Welt, in den USA, Großbritannien, Frankreich und Russland interessieren sich für den Fall Högel.

Doch wie ist es, als Journalist solch einen spektakulären Prozess zu begleiten? Wie verhält man sich im Gerichtssaal? An welche Regeln müssen Journalisten sich halten? Wir geben einen Einblick in unsere Arbeit.

Welche Medien dürfen vom Prozess in der Weser-Ems-Halle berichten?

Zugelassen sind alle Journalisten, die sich für den Prozess akkreditiert haben. Das heißt, dass sie sich angemeldet haben und vom Gericht zugelassen wurden. Sie müssen am Eingang einen Ausweis des Landgerichts Oldenburgs und ihren Presseausweis oder Personalausweis vorzeigen. Wie alle Zuschauer passieren sie eine Sicherheitsschleuse. Pro Medium wurde ein Journalist zugelassen. Da aber noch einige der insgesamt 80 Medienvertreter-Plätze am Saal frei waren, konnte man sich noch „nachakkreditieren“.

Was dürfen die Journalisten mit in den Saal der Weser-Ems-Halle nehmen?

Sie dürfen ihr Arbeitsmaterial mit in den Saal nehmen, das heißt Stifte, Blöcke, Laptops und Handys. Dabei müssen sie sich jedoch an ein paar Regeln halten. Sie müssen ihre Handys ausschalten und Laptops dürfen sie nur im Offline-Modus verwenden. Das bedeutet, dass sie während der Verhandlung mitschreiben, aber ihre Texte nicht direkt aus dem Gerichtssaal verschicken dürfen. Das ist nur außerhalb des Saals erlaubt, also im extra eingerichteten Presseraum in der Weser-Ems-Halle. Dort verbringen die Journalisten dann die Prozesspausen, arbeiten an ihren Texten, sprechen Kommentare in Mikrofone oder telefonieren mit den Kollegen in ihren Redaktionen.

Darf man während des Prozesses fotografieren oder filmen?

Nein, das ist während der Verhandlung nicht erlaubt. Für den Prozess zugelassene Fotografen dürfen an allen Verhandlungstagen nur jeweils etwa 15 Minuten vor Sitzungsbeginn im Gerichtssaal fotografieren. So können sie kurz vor der Verhandlung – wenn der Angeklagte hereingeführt wird – einige Bilder machen. Dann verlassen sie den Saal. Beim Fotografieren müssen sie von der Anklagebank, vom Richtertisch und vom Platz der Staatsanwaltschaft jeweils drei Meter Abstand halten. Auch Fernseh- und Tonaufnahmen sind zu dem Zeitpunkt zugelassen, bis der Vorsitzende Richter die Journalisten aufruft, den Saal zu verlassen.

Dürfen die Medien Aufnahmen von Niels Högel zeigen?

Interview mit Gerichtssprecherin Melanie Bitter: Vor der Weser-Ems-Halle stellt sie sich den Fragen der Journalisten. Im Gerichtssaal sind Interviews hingegen, auch in Sitzungspausen, nicht erlaubt. (Bild: Torsten von Reeken)

Ja, der Ex-Krankenpfleger muss nicht gepixelt, also unkenntlich gemacht, werden. Allerdings hielt er sich beim Prozessauftakt – wie schon bei den vorherigen Prozessen – eine Mappe vors Gesicht. Auf den Fotos aus dem Gerichtssaal ist sein Gesicht also nicht zu erkennen.

Darf man Fotos der Nebenkläger zeigen?

Nein, bei Film- oder Bildaufnahmen der Nebenkläger müssen ihre Gesichter unkenntlich gemacht werden – es sei denn, der Nebenkläger oder sein Anwalt hat zugestimmt, dass die Aufnahmen ungepixelt veröffentlicht werden können.

Sind Interviews mit den Nebenklägern möglich?

Grundsätzlich schon. Es gibt Nebenkläger, die sich bereits gegenüber Medienvertretern geäußert haben. Die meisten Angehörigen äußern sich jedoch nicht gegenüber der Presse. Interviews sind im Gerichtssaal nicht erlaubt. Richter Bührmann wies zu Anfang des Verfahrens darauf hin, dass man sich für Interviewfragen an Nebenkläger an deren Anwälte wenden sollte. Auch gab er den Journalisten mit auf den Weg, dass sie immer bedenken sollten, dass es im Prozess um das Schicksal vieler Menschen geht.

Was sind die größten Herausforderungen für Journalisten während des Prozesses?

Der Prozess soll Licht in den Fall Högel bringen, die Wahrheit ergründen. Das betonte Richter Bührmann – auch wenn es menschenunmöglich sei, die vollständige Wahrheit zu finden. Darin liegt auch die Herausforderung für Journalisten. Gleich am ersten Prozesstag hat Niels Högel sich zu den Vorwürfen geäußert. Aber was können wir einem verurteilten Mörder, der lange zu seinen Taten schwieg, glauben? Die Frage nach Högels Glaubwürdigkeit wird im Verfahren eine große Rolle spielen – an einige Taten will er sich erst spät wieder erinnert haben, bei vielen Dingen wie etwa Zeitangaben ist er sich nicht mehr sicher. Hinzu kommt, dass man nach einer mehrstündigen Verhandlung eine Masse an Informationen mit in die Redaktion bringt. Jetzt beginnt erst die richtige Arbeit: Was ist wichtig – was spielt erst einmal keine so große Rolle?

SPEZIAL: Alle Berichte zum Prozess gegen Niels Högel finden Sie hier

Inga Wolter stv. Ltg. / Online-Redaktion
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