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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Medien: Opfer-Vertreter fühlen sich hintergangen

22.09.2021

Oldenburg Der Streit um das O-Ton-Telefoninterview mit dem Patientenmörder Niels Högel in einer aktuellen RTL-Doku hat ein bundesweites Echo ausgelöst. RTL lässt in der Doku „Der Todespfleger“ Högel selbst zu Wort kommen – Opfervertreter sind empört über diesen „Schlag ins Gesicht für die Angehörigen“ und sehen sich von der Produktionsfirma getäuscht. Der Sender widerspricht.

vertreter der Opfer

Christian Marbach, der Angehörige von Högel-Opfern vertritt und in der Doku auftritt, sieht sich von der Produktionsfirma hintergangen. Der Beitrag sei „eine Högel-Show mit emotionaler Garnierung durch Angehörige“, kritisierte Marbach. Im Konzept für den Beitrag sei ein Högel-Interview nicht aufgetaucht, später sei er über die geplanten O-Töne informiert worden, so Marbach. „Über Umfang und Stoßrichtung wurden wir aber bewusst getäuscht; wir hätten uns niemals zur Verfügung gestellt.“

Appell an JVA

Marbach berichtet, er habe sich nach Bekanntwerden des Högel-Interviews an den rechtspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Ulf Prange (SPD) gewandt und ihn gebeten, „jegliche Interviews von Högel aus der JVA heraus unterbinden zu lassen“. Prange habe daraufhin das Gespräch im Arbeitskreis Justiz geführt und ihm danach in einem Telefonat bestätigt, „dass Högel aus dem Gefängnis heraus keine Interviews gibt, geben kann und geben wird“, erläuterte Marbach und ließ keinen Zweifel, dass ihn Prange nach bestem Wissen informiert habe. Eine Anfrage dieser Redaktion bei der Justizvollzugsanstalt Oldenburg, in der Högel inhaftiert ist, blieb zunächst unbeantwortet.

Polizeipräsident

Der Oldenburger Polizeipräsident Johann Kühme betonte, für Angehörige sei es „unerträglich“, wenn Högel auf diese Weise eine Bühne bekomme. Denn dann könne er sich durch seinen persönlichen Beitrag in Form des Interviews „wieder wichtig fühlen“, sein Geltungstrieb werde noch einmal befriedigt. „Und das zu wissen ist für die Hinterbliebenen und die Opfer unerträglich und wird als ein Schlag ins Gesicht empfunden, weil ihre Angehörigen aus eben diesem Geltungstrieb ermordet wurden beziehungsweise weil es bei den überlebenden Opfern versucht wurde.“

Die Polizei hatte sich zusichern lassen, dass Högel nicht zu Wort kommt und vertraglich vereinbart, dass andernfalls der Beitrag der Polizei aus der Doku herausgeschnitten werden muss – was auch geschah. Kühme sieht sich – wie andere Beteiligte – von RTL getäuscht, weil von einem Högel-Interview in den Vorgesprächen nie die Rede gewesen sei. Kühme: „Wir hätten in diesem Fall von vorneherein einer Mitarbeit bei dieser Produktion nie zugestimmt.“

Das sagt RTL

Eine RTL-Sprecherin bekräftigte am Dienstag, alle Interviewpartner seien vorab informiert wurden, dass ein O-Ton-Interview mit Högel Bestandteil der Sendung sein werde. Den Wunsch einzelner Interviewpartner, in diesem Fall nicht zu Wort zu kommen, „haben wir selbstverständlich respektiert“, betonte die Sprecherin.

Gleicher Name

Unbeantwortet blieb eine Anfrage an RTL, warum die Doku denselben Namen trägt wie das Buch, das Karsten Krogmann und Marco Seng im Goldmann-Verlag veröffentlicht haben und warum beide Produktionen am selben Tag erschienen sind. Die Autoren betonen, Buch und Doku hätten trotz der Titelgleichheit nichts miteinander zu tun und seien unabhängig voneinander entstanden. „Dass die Doku jetzt denselben Titel trägt wie unser Buch, hat uns überrascht. Der Buchtitel steht seit etlichen Monaten fest“, sagte Krogmann. Nach Recherche dieser Redaktion könnte eine Absprache zur Vermarktung innerhalb der „Bertelsmann Content Alliance“ getroffen worden sein. In diesem Verbund arbeitet RTL unter anderem mit der Penguin Random House Verlagsgruppe zusammen, zu der Goldmann gehört. Dieser Verbund schaffe „einzigartige Vermarktungsmöglichkeiten“, heißt es auf der Homepage.

Christoph Kiefer Chefreporter / Reportage-Redaktion
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