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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Wer darf in der Weser-Ems-Halle zuschauen?

27.10.2018
Frage: Die Dimension der Mordserie Högel sprengt jeden bekannten Rahmen. Entsprechend groß dürfte das Interesse der Öffentlichkeit sein, wenn Niels Högel ab dem 30. Oktober wegen Mordes an 99 Patienten in der Weser-Ems-Halle der Prozess gemacht wird. Wer darf als Zuschauer daran teilnehmen?
Bitter: Es darf jeder Bürger zum Zuschauen kommen. Das ist ja bei fast allen Strafverfahren so, auch wenn meistens nur wenige Bürger davon Gebrauch machen. Allerdings gilt das nur, solange wir Sitzplätze frei haben. Wir haben, neben 80 Plätzen für Medienvertreter, 118 Plätze für Zuschauer.
Frage: Was muss ich tun, wenn ich als Bürger einen dieser Plätze besetzen möchte? Kann ich mich bei Ihnen im Vorfeld dafür anmelden?
Bitter: Nein, es gibt keine Anmeldemöglichkeit, Sie müssen sich in eine Warteschlange einreihen. Der Einlass wird am ersten Prozesstag ab 7 Uhr sein, an den folgenden Prozesstagen ab 7.30 Uhr . . .
Frage: . . . aber anstellen kann ich mich auch schon früher, oder?
Bitter: Ja, anstellen können Sie sich früher. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst: Die Plätze werden nach dem sogenannten Windhundprinzip vergeben. Dafür müssen Sie sich wie an jedem anderen Schalter auch in eine Schlange einreihen.
Frage: Und das muss ich an jedem Prozesstag neu tun?
Bitter: Sie bekommen eine nur für diesen einen Prozesstag zugelassene Sitzplatzkarte, die am Ende des Tages wieder abzugeben ist.
Frage: Was muss ich mitbringen, um diese Karte zu bekommen? Brauche ich einen Ausweis?
Bitter: Jeder muss sich ausweisen können, zum Beispiel durch einen gültigen Reisepass oder Personalausweis.
Frage: Was sollte ich auf gar keinen Fall mitbringen?
Bitter: Es gibt viele Gegenstände, die nicht mit den Saal genommen werden dürfen. Einmal ist das all das, was gefährlich werden kann: Waffen . . .
Frage: . . . ein Waffenverbot? Müssen Sie darauf allen Ernstes hinweisen?
Bitter: Man muss dabei gar nicht zuerst an Leute denken, die vielleicht eine Gewalttat im Sinn haben. Es gibt tatsächlich ganz viele Menschen, die gar nicht mehr wissen, dass sie seit zehn Jahren in der rechten Innentasche ihr Taschenmesser haben. Oder in der linken ihre Lieblingsnagelfeile. Wir müssen nicht nur Leute abwehren, die einen Gegenstand missbrauchen wollen, sondern im Sinne eines reibungslosen Ablaufs auch den vielen unbescholtenen Bürgern in Erinnerung rufen, was sie vielleicht sonst noch so an gefährlichen Gegenständen in ihren Taschen tragen. Verboten ist alles, was verletzen oder beschmutzen kann. Das kann die Nagelfeile sein, das kann das faule Ei sein. Flüssigkeiten dürfen auch nicht mit in den Saal genommen werden.
Frage: Also keine Eier, keine Waffen, keine Getränke.
Bitter: Es gibt noch eine Reihe Dinge mehr, die nicht erlaubt sind. Es dürfen keine Transparente und Flugblätter mit in die Halle genommen werden, denn das ist eine Gerichtsverhandlung, und die soll politisch neutral und sachlich ablaufen. Trillerpfeifen sind auch nicht erlaubt, so wie alles, das den Ablauf der Verhandlung stören könnte. Es gibt hier viele Betroffene, für die das Verfahren mit großem Leid verbunden ist.
Frage: Kontrollieren Sie die Zuschauer?
Bitter: Ja, es gibt Kontrollen. Man muss durch die üblichen Sicherheitsschleusen, wie man sie von den Flughäfen kennt, und es gibt auch Taschenkontrollen. Außerdem gibt es eine Garderobenpflicht: Sie dürfen keine größeren Taschen mit in den Saal nehmen und auch keine Mäntel und Jacken. Denn unter Mänteln können Gegenstände verborgen werden, und das möchten wir natürlich nicht.
Frage: Sind Handys erlaubt?
Bitter: Mobiltelefone, Fotoapparate oder Laptops dürfen ebenfalls nicht mit in den Saal genommen werden. Es ist für uns sonst nicht kontrollierbar, dass keine Bild- und Tonaufnahmen getätigt werden, und die sind nach dem Gerichtsverfassungsgesetz in Deutschland verboten. Wer sein Telefon nicht an der Garderobe abgegeben möchte, sollte es daher lieber zu Hause lassen.
Frage: Rechnen Sie mit einem extrem großen Ansturm von Zuschauern?
Bitter: Ich kann das noch nicht richtig einschätzen, weil es ja auch sehr viele Plätze sind. Welcher Gerichtssaal in Deutschland bietet schon 118 Sitzplätze? Säle mit 40 oder 50 Plätzen gelten hier ja als groß. Aber es ist schon so, dass ich anhand von Telefonaten und E-Mails feststellen musste, dass das Interesse an diesem Fall sehr viel größer ist als an anderen Verfahren.
Frage: Gehen Sie davon aus, dass das Zuschauer-Interesse im Lauf des Prozesses merklich nachlassen wird?
Bitter: Da kann ich natürlich nur Vermutungen anstellen – aber eigentlich ist es bei fast allen Verfahren so, dass die Zahl der Zuschauer nach den ersten Prozesstagen merklich zurückgeht. Aber wir haben es hier mit einem außergewöhnlichen Verfahren zu tun, und ich könnte mir vorstellen, dass es zum Beispiel Angehörige von Opfern gibt, die keine Nebenkläger sind und trotzdem am Prozess teilnehmen möchten.
Frage: Das Gericht hat Sitzungstermine bis zum 17. Mai 2019 festgelegt. Ist das eine vorläufige Terminierung, oder wird am 17. Mai tatsächlich ein Urteil gesprochen?
Bitter: Das ist die vorläufige Terminierung der Kammer – und ob das ausreichen wird, das kann ich nicht einschätzen. So ein Strafprozess ist ein unheimlich dynamischer Vorgang, und ich kann überhaupt nicht voraussagen, wie lange das dauern wird. Sagen wir es so: Das ist die Dauer, die die Kammer für realistisch hielt – aber das Ziel des Verfahrens ist ja nicht ein Urteil am 17. Mai, sondern allein die Wahrheitsfindung.
Lesen Sie auch das umfangreiche Multimedia-Dossier „Die Akte Högel“
Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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