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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Religion In Oldenburg: Aus dem Leben einer Rabbinerin

06.06.2019

Oldenburg Ein turbulentes Leben führt die 40-jährige Alina Treiger. Sie ist Rabbinerin der (liberalen) Jüdischen Gemeinden Oldenburg und Delmenhorst – somit muss sie zeitgleich zwei Gemeinden betreuen und ist zudem zweifache Mutter. „Beide Gemeinden erwarten 100 Prozent Einsatz, das ist manchmal schwer zu erfüllen“, gibt Rabbinerin Treiger offen zu.

Doch was bedeutet es, Vorsteher einer Jüdischen Gemeinde zu sein – ein Rabbi? „Rabbi zu sein, das ist viel Bereitschaft, Kompromisse zu schließen zwischen Gruppen und Gemeindemitgliedern. Man muss immer zwischen den Interessen anderer Position beziehen und zugleich für alle zugänglich sei“, sagt sie.

Angstfrei leben können

Dennoch komme derzeit keine andere Arbeit und kein anderer Ort für die 40-Jährige in Frage als Oldenburg. „Ich entscheide mich immer wieder für Oldenburg. Dort kann ich die Gemeinde in die Zukunft bringen, auch einige Durchhänger überwinden und Oldenburg ist eine sehr angenehme Stadt mit entspannten Menschen“, betont sie. „Wir leben hier nicht in Angst“, sagt sie entschlossen.

Doch so weltoffen und zugewandt ging es in ihrer Geschichte nicht immer zu. Alina Treiger kommt gebürtig aus der Ukraine, und bis sie in Deutschland am Abraham Geiger Kolleg ihr Rabbinat absolvieren konnte, musste sie verschiedene Hürden nehmen.

Mit 23 Jahren ging es für sie ohne Deutschkenntnisse nach Potsdam. „Ich hatte keine Ahnung, dass es im Deutschen so viele Umlaute gibt“, sagt sie. Vor der Abreise gab es aber Probleme mit den osteuropäischen Behörden. Als Jüdin sei ihr der Grund ihrer Ausreise nicht abgenommen worden, sodass sie eine Ausreise-Sperre bekam. Nur dank guter Beziehungen wurde es letztendlich doch noch möglich, nach Deutschland auszureisen.

Am Abraham Geiger Kolleg, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert, nahm sie ihr Studium auf und wurde eine von mittlerweile 35 Absolventen, die ihr Rabbinat dort abschlossen. Alina Treiger ist jedoch die einzige Rabbinerin, sprich die einzige weibliche Absolventin.

Als Frau sah sie sich aber auch öfters mit Vorurteilen konfrontiert. Ab und zu gab es auch Auseinandersetzungen mit männlichen Kommilitonen, dass sie zum Beispiel der Ansicht waren, dass eine Frau als Rabbinerin bestimmte Dinge nicht so gut könnte, da sie zu emotional reagiere. Doch Alina Treiger erzählt, dass sie solche Argumente schnell entkräften und Vorurteile damit abbauen konnte. Auch in der „Jeschiwa“, einer Talmudschule für angehende Rabbiner in Israel, gab es bestimmte Vorurteile. Dort ging es für die liberale Jüdin an eine orthodoxe Schule, um sich intensiv mit jüdischen Quellen auseinander zu setzen. „Normalerweise durften dort keine liberalen Studenten aufgenommen werden, geschweige denn Frauen. Spezielle Talmudlehrer mussten sich vorab dazu verpflichten, auch die Frauen zu unterrichten.“

Rückblickend war die Zeit in Israel aber mit die beste Zeit in ihrem Leben, denn der Austausch half auch interne Klischees abzubauen. Und eben dieses ist eine Herzensangelegenheit für die liberale Rabbinerin. Gegenwärtig setzt sie sich auch in der Region für einen Austausch der Gemeinden ein, zum Beispiel mit Osnabrück und Bremen.

Tanzen bei „Jewrovision“

Sie engagierte sich zum Beispiel für ein Kooperationsprojekt mit der orthodoxen Jüdischen Gemeinde in Bremen, bei dem Jugendliche und Kinder zusammen singen und tanzen können. „Jewrovision“ nennt sich der Wettbewerb, der an „Eurovision“ erinnern soll. Und hierfür proben Jungen und Mädchen gemeinsam für ihren Auftritt, was vor allem von den orthodoxen Mitgliedern kritisch gesehen wurde. „Das war anfänglich gar nicht so einfach. Ich musste Überzeugungsarbeit leisten, dass Mädchen mit Jungen zusammen proben.“ Mittlerweile sei die Zusammenarbeit gar nicht mehr wegzudenken, sodass alle gebannt vor der Liveübertragung sitzen, wenn es um die Entscheidung beim „Jewrovision“ gehe.

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