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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Eine Bischofswahl – so spannend wie ein Western

01.10.2018

Oldenburg Der Vergleich gehört sich nicht – aber dennoch ging er manchen im Raum durch den Kopf. Es war nämlich genau fünf vor zwölf, also „High Noon“, als die 57 anwesenden Kirchenparlamentarier auf der Synoden-Sondersitzung am Samstagmittag aufgefordert wurden, ihre Stimme im dritten und entscheidenden Wahlgang der Abstimmung über einen neuen Bischof abzugeben.

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Angesichts einer so spannenden und zugespitzten Situation also durchaus verzeihlich, dass der eigentlich unangemessene Vergleich mit dem Western „Zwölf Uhr mittags“ durchaus präsent war. Schließlich hatten sich der Oldenburger Oberkirchenrat Thomas Adomeit und Propst Dr. Johann Schneider aus Halle ein mehr als spannendes Rennen um das Oldenburger Bischofsamt geliefert.

Kommentar

Gute Wahl

Jürgen Westerhoff

Mit Thomas Adomeit haben die Synodalen der evangelischen Kirche im Oldenburger Land eine gute Wahl getroffen. Mit dem 48-jährigen Theologen bekommen die evangelischen Christen zwischen Wangerooge und den Dammer Bergen einen Repräsentanten, der sich nicht nur sehr gut mit den anstehenden Aufgaben und Herausforderungen auskennt.

Sie bekommen außerdem einen Bischof, der klar und deutlich seine Meinung vertreten kann und der angekündigt hat, sich mit kirchlichen Positionen in die anstehenden gesellschaftlichen Diskussionen einzubringen. Überdies hat er das Talent, frei von Dünkeln auf die Menschen zugehen zu können.

Dass er erst im dritten Wahlgang eine ordentliche Mehrheit der Synodalen bekam, könnte durchaus damit zu tun haben, dass ihm einige Mitglieder des Kirchenparlaments eine Art „Demuts-Zettel“ mit auf den Weg geben wollten. Schwer verständlich, dass vier Synodale nahezu demonstrativ nicht an der Wahl teilnahmen. Wer sich in ein solches Amt berufen lässt, sollte seine Verantwortung anders wahrnehmen.

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Eine Woche zuvor hatte nach dem ersten Wahlgang zunächst der eine (Schneider) mit 32:26 Stimmen vorn gelegen, dann nach dem zweiten Wahlgang der andere (Adomeit) mit 34:22 Stimmen bei zwei Enthaltungen. Beide Ergebnisse reichten nicht zur Wahl, weil eine Dreiviertel-Mehrheit nötig gewesen wäre.

Jetzt, nach der vorgeschriebenen Pause von einer Woche, waren die Synodalen zur entscheidenden Abstimmung zusammengekommen. Diesmal lag die Hürde bei 31 Stimmen, also der einfachen Mehrheit der 60 Synodenmitglieder. 57 von ihnen waren ins Gemeindehaus der St.-Johannes-Kirche in Oldenburg-Kreyenbrück gekommen – und es war spürbar, dass allen die Bedeutung des Augenblicks bewusst war. Sollte nämlich eine 31-Stimmen-Mehrheit verfehlt werden, stünde die oldenburgische Kirche ohne Bischof da. Das gesamte Verfahren wäre wieder auf null gestellt gewesen und hätte neu beginnen müssen. Eine solche Schmach mit dem damit verbundenen erheblichen Imageschaden wollte natürlich niemand.

Die Sitzung hatte mit einem fröhlichen Geburtstagsständchen der Synodalen für Propst Schneider begonnen, der an diesem Tag 55 Jahre alt wurde. Doch danach ging es mit großem Ernst zur Sache. Etwa eineinhalb Stunden dauerte eine nichtöffentliche Personaldebatte – mit einem ungewöhnlichen Ergebnis: Vier der 57 anwesenden Synodalen erklärten, dass sie sich „aus persönlichen Gründen“ nicht an der Wahl beteiligen würden. Prognosen zum Ausgang der Wahl traute sich danach kaum jemand zu. Ein Synodenmitglied meinte gar, er halte alle drei Möglichkeiten, also auch das Scheitern der Wahl, für denkbar.

Als Synodenpräsidentin Sabine Blütchen dann um 12.15 Uhr die Wahl Thomas Adomeits zum neuen Bischof bekannt gab, war die Erleichterung deutlich am Applaus hörbar. 37 der zuletzt noch 53 Synodalen hatten für ihn gestimmt, 15 für Johann Schneider – bei einer Enthaltung.

Dankbaren Applaus gab es später auch für den unterlegenen Kandidaten, der in seiner kurzen Abschiedsansprache zeigte, dass er als Kandidat mit Format angetreten war. Für Thomas Adomeit beginnt das Bischofsamt am 1. Oktober mit einer Urlaubswoche – am 23. Januar 2019 wird er vom Ratsvorsitzenden der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, ins Amt eingeführt.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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