• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Besuch: Operation Nachbarschaft gelungen

25.05.2012

GRONINGEN Der Patient sitzt auf einem Poller vor dem Haupteingang des großen Gebäudes und hält sich mit einer Hand an dem Ständer seines rollenden Tropfes fest – in der Linken hält er eine Zigarette. Plötzlich tauchen neben ihm fein gekleidete Herren mit Sicherheitsleuten im Schlepptau auf. Der Mann lässt vor Schrecken die Kippe fallen und blickt woanders hin. Keiner spricht ihn an, denn die Gruppe strebt in das Haus und wird mit großem Hallo begrüßt.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister hat sich am Donnerstag zu seinem ersten offiziellen Besuch der Niederlande in der Provinz Groningen aufgehalten, begleitet von einer Delegation. Der Ministerpräsident ist zu den Nachbarn gereist, „um die guten Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden auszubauen“.

Da blickt man nicht zurück, sondern in die Zukunft. Eines dieser Projekte ist der gemeinsame Medizinstudiengang der Universitäten Oldenburg und Groningen. Die European Medical School (EMS) nimmt ihren Betrieb im Oktober mit jeweils 40 Studenten an beiden Standorten auf. McAllister nennt das gemeinsame Vorhaben später „ein Leuchtturmprojekt“, das die internationale Zusammenarbeit stärke, ein Beitrag zur Bekämpfung des Ärztemangels im Nordwesten und die erste Medizinerausbildung dieser Art in Europa sei.

Vorher hat er im Medizinischen Centrum der Rijksuniversiteit gehört, welche Erfahrung die Groninger an ihrer Uni mit dem Thema Medizin gemacht haben: Seit 1640 werden dort Ärzte ausgebildet, Die Hochschule in der 190 000-Einwohner-Stadt hat heute 30 000 Studenten, 3000 davon im Fach Medizin. Als Sibrandes Poppema, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der Rijksuniversiteit, dann noch erwähnt, dass Groningen weltweit einen sehr guten Ruf gerade bei der Mediziner-Ausbildung genießt, ist McAllister davon überzeugt, dass Oldenburg einen starken Partner bei der Operation European Medical School an der Seite hat.

Erfolge der Mikrobiologen

Doch die Nachbarn haben gerade erst angefangen, ihre Gäste – darunter Oldenburgs Uni-Präsidentin Prof. Dr. Babette Simon, EMS-Gründungsdekan Prof. Dr. Eckhart Hahn und der Leiter der Regierungsvertretung Oldenburg, Franz-Josef Sieckelmann – zu beeindrucken. Der Ministerpräsident wird schließlich beim Rundgang durch das Medizinische Centrum gebeten, einen weißen Kittel anzuziehen.

Es geht um Krankenhaushygiene und die Vorbeugung von Infektionen bei Patienten. Die Holländer sind bei dieser Arbeit sehr erfolgreich. „Warum sind Sie so erfolgreich?, fragt der Ministerpräsident. „Weil in jedem Krankenhaus in Holland Mikrobiologen arbeiten“, antwortet Prof. Dr. Alexander Willy Friedrich, Leiter der Medizinischen Mikrobiologie. Friedrich, dessen Institut 260 Mitarbeiter hat. Der Münsteraner ist einer von 600 Deutschen, die an der Uni Groningen arbeiten. Viele pendeln aus Ostfriesland.

Der Ministerpräsident hakt bei der Fahrt im Aufzug nach: „Wie viele Krankenhäuser in Deutschland beschäftigen denn Mikrobiologen?“ „Fünf Prozent“, sagt Friedrich. Nun will McAllister wissen, ob denn Niedersachsens Gesundheitsminister Özkan sich dieses Projekt in Groningen angeschaut habe. „Doch“, so die Antwort. „Dann sagen Sie Ihr einen schönen Gruß, ich hätte mir das hier angeschaut.“ Die Grüße kann Friedrich der Ministerin in der nächsten Woche in Hannover ausrichten, dann hält er dort einen Vortrag zum Thema Hygiene.

Auf der Straße verabschiedet man sich von den Gastgebern, schnell werden noch Geschenke ausgetauscht. Ein weißes Niedersachsenross aus Porzellan steht künftig in der Uni Groningen. „Ist das Thema Medizin jetzt beendet?, fragt McAllister. Alle nicken – der Ministerpräsident greift zur Zigarette.

Politische Gespräche

Es geht weiter zum Haus der Provinzverwaltung – politische Gespräche mit den vier Kommissaren der Königin der Provinzen Drenthe, Fryslan, Groningen Overilssel. Man vereinbart, dass Niederländer und Niedersachsen künftig eng im Bereich Energieforschung zusammenarbeiten wollen.

Und es gibt weitere positive Nachrichten, die die gute Nachbarschaft befördern sollen: Das grenzübergreifende Internetprojekt Interreg wird auf deutscher Seite um die Universitäten Oldenburg und Osnabrück erweitert. McAllister verspricht den Gastgebern, dass Niedersachsen sich mit 250 000 Euro am Ausbau der Schienenverbindung Groningen-Eemshaven beteiligen werde – und fordert gleichzeitig von den Holländern, ihren Obolus am vierspurigen Ausbau der Europastraße 233 zwischen Meppen und Cloppenburg zu leisten. So ist das unter Nachbarn: Ein Geben und ein Nehmen.

Man ist sich einig, dass die Bahnverbindung zwischen Leer und Groningen besser werden muss. Dann werden noch schnell kleine Geschenke ausgetauscht.

Der Bus wartet: Alle steigen ein, sechs Fahrzeuge mit Sicherheitsbeamten fahren hinterher. Es geht nach Eemshaven, die Gäste besuchen die Hafenbetriebsgesellschaft Groningen Seaports. Nach einer Rundfahrt durch das riesige Areal werden wieder Gespräche geführt.

Apropos Geschenke. Eines hat der Ministerpräsident am Abend zuvor mit einem Lächeln ausgeschlagen: An der Hotelrezeption teilte man ihm mit, man halte eine Suite für ihn bereit. McAllister bezog das für ihn reservierte Einzelzimmer.

Norbert Wahn Redakteur / Politikredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2097
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.