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Aktualisiert vor 3 Minuten.

Mehrere Verletzte
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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Reuelose Greise vor Völkermordtribunal

28.06.2011

PHNOM PENH Vier gebrechliche Greise sitzen auf der Anklagebank. Sie können sich nur mit Hilfe aus den Sitzen hieven, gestützt auf Helfer gehen und brauchen immer wieder Toilettenpausen. Erbärmlich sehen sie aus, allen voran Nuon Chea (84), der einstige Chefideologe, der Sonnenbrille und Ringelmütze trägt und wenn er den Mund aufmacht, den Blick auf ein paar wenige Zahnstummel freigibt.

Laut Anklage waren diese Greise einst von Gewalt berauschte Kader der Roten Khmer und haben das Blut von Millionen Kambodschanern an den Händen. Sehen so Massenmörder aus, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben? „Keine Frage“, sagt Anwältin Theary Seng (39), deren Eltern während der Terrorherrschaft der Steinzeitkommunisten (1975-79) ermordet wurden. „Das Alter interessiert mich nicht. Wenn ich die Angeklagten ansehe, habe ich nur ihre Verbrechen vor den Augen. Ich sehe das Blut an ihnen kleben.“ Hier gehe es ja nicht um den netten Großvater von nebenan. „Dies sind kaltblütige Killer“, sagt sie.

1,8 Millionen umgebracht

Die Angeklagten gehörten zum innersten Führungszirkel der Roten Khmer, unter denen ein Viertel der Bevölkerung ausgerottet wurde, mindestens 1,8 Millionen Menschen – Hunderttausende von ihnen verraten, gefoltert und als Verräter ermordet. Deshalb sind die Alten angeklagt, unter anderem wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

„Keine Gnade“, sagt auch Imbun Shheoun (53), Lehrer aus Battambang. „Sie müssen für ihre Taten büßen.“ Imbun hat 15 Angehörige verloren. „Ich wollte ihnen einmal ins Gesicht sehen, deshalb bin ich hier“, sagt Cheak Bbon (71). Der Bauer ist aus der Provinz angereist. Er musste damals in Zwangsarbeit Wassergräben bauen. Die gesamte Familie seines Bruders wurde ausgelöscht – alle verhungert. „Sie sollen ihre Verbrechen gestehen und um Vergebung bitten“, sagt er.

Dafür stehen die Chancen schlecht. Die Greise wollen nichts wissen von Verantwortung. „Ihnen tun ein paar Fehler leid, sagen sie, aber sie haben noch nicht ein einziges Mal Reue über die vielen Toten geäußert“, sagt Theary.

„Historische Aufarbeitung“

Ob die einstigen Herrscher über Leben und Tod, die Architekten der grausigen Killing Fields, der Massenhinrichtungsstätten in Kambodscha lange genug leben, um ein Urteil zu hören, ist ungewiss. „Das wichtigste ist doch, dass der Prozess jetzt überhaupt stattfindet“, sagt der deutsche Botschafter in Kambodscha, Wolfgang Moser. „Denn das heißt: Es gibt keine Straffreiheit für Verbrechen politischer Führer, auch nicht nach 32 Jahren. Jetzt kann die historische Aufarbeitung beginnen.“

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