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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Nahles-Konkurrent Schmitz will „ein Signal setzen“

16.02.2018

Rodenkirchen Vor 27 Jahren war Udo Schmitz einige Monate lang Redenschreiber des damaligen SPD-Bundesvorsitzenden Hans-Jochen Vogel. Jetzt greift er selbst nach dem Vorsitz der ältesten deutschen Volkspartei: Der 59-Jährige aus Rodenkirchen (Kreis Wesermarsch) will beim nächsten Parteitag gegen die vom Vorstand einstimmig nominierte Andrea Nahles antreten.

Udo wer? Selbst in seiner Heimatgemeinde Stadland ist Udo Schmitz nicht jedem ein Begriff. Erst im Januar 2016 ist er hierher gezogen, seit Mai 2017 führt er den SPD-Ortsverein. Im September 2016 erhielt er bei seiner Kandidatur für den Gemeinderat mit 21 Stimmen das schlechteste Ergebnis aller Bewerber.

Mit Martin Schulz

Und auch bei dieser Kandidatur rechnet er nicht mit einem Sieg. „Es wäre schon ein riesiger Erfolg, wenn Andrea Nahles in den zweiten Wahlgang müsste“, sagt er.

Sein Ziel sei es, ein Signal zu setzen. Schon seit Wochen treibt den Juristen, der von 1987 bis 1999 Mitarbeiter der SPD-Bundestagsfraktion am damaligen Regierungssitz Bonn war, der Zustand der SPD um. Das liegt sicherlich nicht zuletzt daran, dass Udo Schmitz den zurückgetretenen Parteivorsitzenden Martin Schulz noch von früher kennt: Im Bundestagswahlkampf 1980 – Helmut Schmidt gegen Franz-Josef Strauß – packten Schmitz und Schulz im Keller der Bonner SPD-Zentrale Wahlkampf-Pakete.

„Den letzten Ausschlag“ habe der Plan gegeben, Andrea Nahles vom Bundesvorstand zur kommissarischen Parteivorsitzenden wählen zu lasse. „Das ist statutenwidrig“, stellte der Jurist fest, der derzeit an der Uni Bremen Sozialarbeiter in Strafrecht und Kriminologie sowie in Kinder-, Jugend- und Familienrecht unterrichtet.

Er formulierte einen Antrag an die SPD-Bundesschiedskommission, die Ernennung von Nahles zu verhindern, dem sich an diesem Montagabend der Vorstand des SPD-Unterbezirks Wesermarsch einstimmig anschloss. Doch in Udo Schmitz, der in Flaesheim bei Haltern (Kreis Recklinghausen) aufgewachsen ist, rumorte es weiter.

Der hochgewachsene 59-Jährige stammt aus einer SPD-Familie. Sein Großvater ist 1910 in die SPD eingetreten, sein Vater trat 1966 aus, als die Sozialdemokraten in die erste Große Koalition gingen. Er selbst besitzt das Parteibuch seit 1976.

Genossen überrascht

Am Dienstag trug die SPD-Führung diesen Bedenken Rechnung, indem sie Olaf Scholz mit der Parteiführung betraute. Doch das reichte Udo Schmitz nicht, es rumorte weiter in ihn. Und am Mittwochabend verschickte er E-Mails und Whatsapps, in denen er seine Kandidatur für den Bundesvorsitz ankündigte. Er hatte sich zuvor mit ehemaligen Weggefährten aus Bonn abgesprochen, aber nicht mit seinem eigenen Ortsverein. „Dieser Schritt kam für mich überraschend“, sagt zum Beispiel der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadlander Rat, Siegmar Wollgam.

Udo Schmitz geht es darum, „ein Signal zu setzen“, wie er sagt. „Ich bin in großer Sorge um die SPD. Sie ist im freien Fall, und keiner öffnet den Bremsschirm.“ Der Grund sei, dass sich die Parteiführung immer weiter von den Mitgliedern entferne. Diesen Trend wolle er als einfacher Ortsvereinsvorsitzender mit seiner Kandidatur stoppen helfen. Deshalb trete er als Mann der Basis an und unterstütze nicht etwa die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange, die als erste Gegenkandidatin ihren Hut in den Ring geworfen habe.

„Wir sind die Basis, wir sind die Partei, und ihr seid es nicht“, findet der deutliche Worte in Richtung Parteivorstand. „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“

Deshalb müsse es von unten nach oben eine Erneuerung der SPD geben. Ab Bezirksebene dürften Mandats- und Amtsträger keine Vorstandsmitglieder mehr sein. In den Unterbezirken – also den Kreisverbänden – sei dies kein Problem, weil dort die Mitglieder direkt bestimmten. Auch der oder die Vorsitzende solle mit Einbindung der Mitglieder gewählt werden – wie vor 25 Jahren Rudolf Scharping.

Am nächsten Montagabend tagt der SPD-Ortsverein Stadland, um sich mit dem Koalitionsvertrag zu befassen. Udo Schmitz setzt dabei auf Unterstützung seiner Mitglieder für die Kandidatur. Doch da kann Siegmar Wollgam noch keine Zusage geben: „Ich will mir eine seriöse Meinung bilden, und dazu brauche ich mehr Informationen – beispielsweise über Hintergründe, Beweggründe und Ziele der Kandidatur.“

Auch Karin Logemann aus Berne, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Wesermarsch, hält sich bedeckt. Es sei der „ureigene Entschluss“ von Schmitz gewesen, sich zu bewerben. In seiner nächsten regulären Sitzung am Montag, 12. März, werde der Vorstand entscheiden, ob er die Kandidatur unterstützte. Ein Mitglied dieses Gremiums als gewählter Beisitzer: Udo Schmitz.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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