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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Seit 40 Jahren Widerstand in Gorleben

21.02.2017

Trebel Wo einst die „Republik Freies Wendland“ stand, wächst heute Heidekraut. Drumherum ist dichter Kiefernwald, nur eine kleine Senke verrät, wo 1980 das Bohrloch 1004 war. Die gewaltige Lichtung zwei Kilometer südlich der seit Jahrzehnten umstrittenen Anlagen von Gorleben ganz im Nordosten Niedersachsens ist nicht einfach zu finden. „Vom Gefühl her könnte das hier so gewesen sein“, sagt Gabi Haas. Die 67-Jährige ist Atomkraftgegnerin der ersten Stunde. „Ich war vom ersten bis zum letzten Tag dabei“, sagt sie über die Ereignisse von 1980.

Lange war Gorleben die einzige Option zur dauerhaften Lagerung von hoch radioaktivem Atommüll. Am 22. Februar 1977 hat der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) den Salzstock als mögliches Endlager vorgeschlagen. Ein ganzes nukleares Entsorgungszentrum sollte an der damaligen innerdeutschen Grenze entstehen. Viele Lokalpolitiker in Lüchow-Dannenberg waren damals für das Projekt, dem strukturschwachen „Zonenrandgebiet“ winkten Jobs und eine sprudelnde Steuerquelle.

Doch die Pläne stießen auf den erbitterten Widerstand von Atomkraftgegnern – bis heute ist Gorleben der Symbolort der Anti-Atom-Bewegung. Im Frühjahr 1977 gibt es eine erste große Demonstration bei Gorleben, am 3. Mai 1980 rufen sie ihre Republik aus – „Atomkraft? Nein danke“.

„Bei der Besetzung waren wir rund tausend, niemand weiß es mehr so genau“, erinnert Gabi Haas fast 37 Jahre später. „Wir hatten ein Frauenhaus, einen Friseur, eine Gemeinschaftsküche, eine Krankenstation, eine Sauna, eine Mülldeponie und eine Passstelle.“ „Außerdem hatten wir ein reichhaltiges kulturelles Programm mit Musik und Dichterlesungen, auch Wolf Biermann war da“, sagt sie. „Es gab ganz biedere Besucher, die haben sich das am Wochenende angeschaut.“ Auch der spätere SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder als Juso-Vorsitzender ist gekommen.

Attila Dézsi hat keine Schwierigkeiten, vom Waldweg das Bohrloch und die Lichtung zu finden. Der 28-Jährige ist Archäologe, das hier soll seine Doktorarbeit werden, er hat dafür ein Stipendium der Uni Hamburg für zwei Jahre bekommen.

„Bis zu 120 Hütten haben hier gestanden“, sagt Dézsi. Eine Fläche von sechs Fußballfeldern muss untersucht werden: „Ich hoffe, Spuren der Hütten und der Zerstörung bei der Räumung zu finden – auch Kleinfunde des Alltags, die einen Einblick in die Lebenswelt der 33 Tage geben.“

33 Tage – dann kam das Ende für die „Republik Freies Wendland“. Mehrere Tausend Polizisten und Bundesgrenzschutzbeamte räumten am 4. Juni 1980 das Dorf, die Bagger und Planierraupen rollten. „Bei der Räumung waren wir etwa zweitausend Menschen“, sagt Gabi Haas.

Der jahrelange Protest im Wendland ist nicht ohne Erfolg geblieben. Nach rund 35 Jahren Konzentration auf Gorleben hat der Bundestag im Juni 2013 den Neuanfang bei der Suche nach einem geeigneten Atommüll-Endlager beschlossen, das Auswahlverfahren soll 2031 abgeschlossen sein.

Seitdem wird von einer „weißen Landkarte“ gesprochen, Gorleben ist also noch immer im Topf, aber offiziell nicht mehr im Fokus – die Protest-Veteranen bleiben misstrauisch.

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