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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

„Sonne“ bringt Licht in Meerestiefen

12.07.2014

Rostock /Papenburg /Oldenburg Die Kapelle spielt Blasmusik, ein leichter Wind weht über das Gelände der Neptun-Werft in Rostock-Warnemünde. Der Himmel ist blau mit wenigen Wolken, die Temperatur liegt bei 20 Grad – ideales Wetter für eine Schiffstaufe.

„Dann lassen Sie uns zur Tat schreiten“, sagt Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel nach ihrer knapp 15-minütigen Rede, in der sie das nagelneue Tiefseeforschungsschif „Sonne“ als „imposantes Meisterwerk der deutschen Schiffsbau- und Ingenieurskunst“ bezeichnet hatte. Das Schiff, 2011 in der Warnemünder Neptun Werft in Auftrag gegeben, im Schwesterunternehmen Meyer Werft in Papenburg (Landkreis Emsland) gebaut und schließlich in Warnemünde fertiggestellt, löst seinen ausgedienten Vorgänger ab. „Hiermit taufe ich Dich auf den Namen Sonne“, ruft die Kanzlerin ins Mikrofon, zieht einen Hebel, lässt die Champagnerflasche an der Bordwand zerschellen und das Stofftuch, das eben noch den Namensschriftzug verdeckte, verschwinden.

124 Millionen Euro

Das 124 Millionen Euro teure Forschungsschiff, das nach 44 Jahren seinen „Sonne“-Vorgänger ablöst, ist nicht nur ein Gemeinschaftswerk bei Bau und Konstruktion, sondern auch bei der Finanzierung. 90 Prozent der Gesamtkosten hat der Bund übernommen, die übrigen zehn Prozent teilen sich die fünf Küstenländer Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Wunderwerk

Da Niedersachsen den größten Finanzanteil der fünf Länder übernommen hat, ist der künftige Heimathafen des laut Kanzlerin „schwimmenden Wunderwerkes“ Wilhelmshaven. Von der Stadt an der Jade aus wird es sich mit bis zu 40 Wissenschaftlern an Bord und maximal 35 Personen Besatzung aufmachen, um vorrangig den Indischen und den Pazifischen Ozean zu erkunden und daran mitzuwirken, die vielen ungelösten Rätsel der Meere zu lösen.

Kanzlerin Angela Merkel ist nicht nur mal eben schnell nach Warnemünde gekommen, um ihrer Pflicht nachzukommen. Als Physikerin ist ihr Forschergeist geweckt. Auf dem 116 Meter langen und 20,6 Meter breiten Schiff lässt sie sich von zwei jungen Wissenschaftlerinnen kurz in die Entwicklungsgeschichte der Ostsee einweisen und über das Zentrum für Marine Umweltwissenschaften informieren.

Kanzlerin fragt nach

Wird das Meer immer flacher, was ist eine kalte Quelle, was sind das für Ablagerungen, kommen die nur im Pazifik vor, was sind das für Röhrenwürmer? – die CDU-Politikerin und Wissenschaftlerin will es ganz genau wissen. Bernard Meyer, Geschäftsführer der Neptun Werft, kennt das schon. „Vor vielen Jahren habe ich Frau Merkel mal einen Maschinenraum auf einem Schiff gezeigt. Ich hatte so eine halbe Stunde dafür eingeplant, am Ende dauerte es zwei“, erinnert sich der Werft-Chef.

Auch wenn der Zeitplan der Kanzlerin eng getaktet ist, so lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie fragt nach, hakt nach, plaudert noch mit dem Werft-Kapitän Wolfgang Thos sowie dem künftigen Schiffskapitän Lutz Mallon, bevor sie um 12.02 Uhr schließlich von Bord geht. Ja, sie würde auch gerne mal mitfahren, sagt die Kanzlerin, aber sie weiß auch: „Doch das wird sich wohl zeitlich nicht ergeben.“

Mehr als 300 Gäste

Auch die Teilnahme am Mittagessen mit den rund 300 anderen Gästen aus Politik und Wissenschaft, unter ihnen auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sowie Dr. Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne), niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, ergab sich für die Kanzlerin zeitlich nicht mehr. Runter von Bord und vom Hof der Werft – und weg war sie. Jetzt sind die Wissenschaftler am Zuge. Im Oktober startet das Schiff zu einer Erprobungsfahrt – ohne Kanzlerin, aber dafür mit Professor Dr. Oliver Zielinski vom Oldenburger Institut für Chemie und Biologie des Meeres, dem Heimatinstitut der neuen „Sonne“, die als erstes Forschungsschiff eine niedersächsische Heimat hat.

Schiff wird im Dezember an die Wissenschaft übergeben

Das 115 Meter lange Schiff wird im Dezember dieses Jahres an die Wissenschaft übergeben. Anschließend sollen Forscher vor allem im Pazifik und im Indischen Ozean marine Rohstoffe untersuchen, aber auch erkunden, welchen Einfluss die Meere auf das Weltklima haben. Das 44 Jahre alte Vorgängerschiff, das ebenfalls „Sonne“ hieß, wird dann nicht weiter genutzt.

Die erste Mission der neuen „Sonne“, unter der Leitung des Kieler Geomar Helmholtz-Zentrums, führt über den Panama-Kanal in den Pazifik. Maximal 40 Wissenschaftler können gleichzeitig an Bord gehen und bis zu 52 Tage auf See bleiben. „Wir haben noch wenig Ahnung, was uns in der Tiefsee erwartet“, sagt Karin Lochte, Vorsitzende des Konsortiums Deutsche Meeresforschung.

Das an der Uni Oldenburg angesiedelte Institut für Chemie und Biologie des Meeres ist das Heimatinstitut des Forschungsschiffes. Das ICBM-Logo prangt unübersehbar auf dem Schornstein des Schiffes. Heimathafen ist Wilhelmshaven, neben Oldenburg und Spiekeroog einer der drei Standorte des Instituts.

Bereits im August 2011 hatte die damalige Bundesforschungsministerin Annette Schavan zusammen mit der damaligen niedersächsischen Wissenschaftsministerin Johanna Wanka den Vertrag zum Bau und zur Bereederung des neuen Tiefseeforschungsschiffes „Sonne“ unterzeichnet. Mit dem Auftrag setzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Erneuerung der Flotte der Forschungsschiffe fort.

Haupteinsatzgebiete des neuen Forschungsschiffes werden die Tiefsee des Indischen und Pazifischen Ozeans sein. Beide Weltmeere haben einen großen Einfluss auf das Weltklima, weshalb ihre Erforschung immer wichtiger wird. Die „Sonne“ wird aber auch dazu beitragen, andere wissenschaftlich und gesellschaftlich besonders relevante Fragen zu beantworten, vor allem hinsichtlich der Versorgung mit marinen Rohstoffen und des Eingreifens des Menschen in die Ökosysteme.

Während das Schiff bei der Neptun Werft in Warnemünde in Auftrag gegeben wurde, wurde es auf der Meyer Werft in Papenburg gebaut. Betreiber der Sonne wird die Tiefseeforschungsschiff GmbH werden, ein Konsortium bestehend aus der Werft und der Reederei RF Forschungsschifffahrt (Bremen), das sich in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren gegen starke Konkurrenz durchgesetzt hat.

Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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