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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Standhaft wie Ur-Ahn Martin Luther

11.04.2009

BREMEN /FRANKFURT Zwei Jahre lang durfte Ursula Trautwein nicht nach Südafrika einreisen. Erzbischof Desmond Tutu hatte sie eingeladen, doch sie bekam im Generalkonsulat Frankfurt 1984 und 1985 kein Visum. „Frau Trautwein, warum unterstützen Sie den Terroristen Mandela?“, wurde sie gefragt. Ihre Vorgeschichte hatte die Behörde auf sie aufmerksam gemacht.

Zug durchs Bankenviertel

In der evangelischen Frauenarbeit Deutschlands hatte sie 1977 zu der Kampagne „Kauft keine Früchte der Apartheid“ aufgerufen. Aus Protest gegen ein Land, in dem eine weiße Minderheit die schwarze Bevölkerung brutal unterdrückte. Ursula Trautwein organisierte den Protest in Frankfurt über Jahre. Auf dem Höhepunkt des Protests zog Trautwein 1987 auf dem Frankfurter Kirchentag mit 40 000 Menschen durch das Bankenviertel. Der Kirchentag in Bremen im Mai wird ihr „25. oder 26.“ sein, sie weiß es nicht genau.

In ihrem Wohnzimmer in Frankfurt-Bornheim steht ein Tisch, dessen Beine mit Elefantenköpfen verziert sind. Schmale, weiße Stoßzähne stehen hervor. „Ein Erbstück aus Indien“, sagt sie und entschuldigt den abgebrochenen Stoßzahn an der Ecke des dreibeinigen Möbelstücks.

Ursula Trautwein wurde im Dezember 1932 im indischen Mangalore geboren. Ihr Vater bildete dort evangelische Theologen für die Baseler Mission aus. Aufgewachsen ist sie zusammen mit ihren acht Geschwistern in Baden-Württemberg. Ihre Eltern gehörten der Bekennenden Kirche an, und „da wurden viele Dinge zu Hause besprochen, die nicht systemkonform waren“, das habe sie für ihr Leben geprägt.

Außerdem ist Ursula Trautwein in 15. Generation eine Nachfahrin von Martin Luther (1483-1546), eine weitere Tatsache, die ihr soziales und politisches Engagement beeinflusst habe. An der Wand hinter der Wohnzimmertür hängen Abbildungen von den prominenten Vorfahren neben den Fotos ihrer eigenen drei Kinder, der vier Enkelkinder und ihres 2002 verstorbenen Mannes.

Verbindungen in alle Welt

Den evangelischen Theologen und Liedermacher Dieter Trautwein heiratete sie 1956. Gemeinsam knüpften die beiden Verbindungen in alle Welt, setzten sich gegen die Ungerechtigkeit der Apartheid und für die Ökumene ein. „Die Türen in unserem Haus waren ausgehängt für unseren internationalen Besuch“, erzählt sie. Einer ihrer längeren Gäste war ein iranischer Bischof, der während der Revolutionszeit aus seiner Heimat fliehen musste.

Ursula Trautwein setzte sich immer für Menschen in Not ein, sei es als Stadtverordnete der SPD im Frankfurter Parlament, als Wahlbeobachterin 1989 bei den ersten freien Wahlen in Namibia oder aktuell in ihrer Arbeit als ehrenamtliche Vorsitzende bei der Organisation „Frauenrecht ist Menschenrecht“ (FIM). Diese berät und informiert Migrantinnen und ihre Familien. „Wenn sie mich auf dem Kirchentag suchen, finden sie mich bestimmt am Stand von FIM“, sagt Trautwein mit lauter, fester Stimme.

Die Stände befinden sich auf dem „Markt der Möglichkeiten“. Dieser ist mittlerweile fester Bestandteil des Kirchentags – und auch daran hat Trautwein Anteil. In Düsseldorf 1973 hatten die Besucherzahlen ihren Tiefststand erreicht, „das war doch nur noch eine akademische Veranstaltung, da mussten wir uns was überlegen“, erinnert sie sich. Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ sollten alle mitmachen können. Es sollte „nicht nur von vorne“ geredet werden. Das Konzept ist aufgegangen, die Besucherzahlen stiegen wieder.

Ökumene und Entwicklung

Erstmals war Trautwein 1951 auf einem Kirchentag. Als Schwesternschülerin kümmerte sie sich in Berlin um die medizinische Betreuung der Besucher. In Bremen wird sie auf einem Forum über ökumenische und entwicklungspolitische Arbeit sprechen. Sie holt einen Brief und tippt auf ihren Termin am 20. Mai. „Auf den Kirchentag freue ich mich, weil wir da so viele sind, Menschen aller Generationen, aus Deutschland und aus der Ökumene“, sagt sie.

www.kirchentag.de

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