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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Geschichte: Streit um Ex-Landesvater immer schärfer

06.10.2014

Oldenburg /Hannover Der Streit um die Umbenennung des Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platzes vor dem Niedersächsischen Landtag in Hannover verschärft sich. Empört über das Votum von Lokalpolitikern und der Mehrheit der Landtagsabgeordneten will Ex-Landtagspräsident Horst Milde (SPD) eine Ehrung seiner Partei ausschlagen.

Für Milde ist es ein Affront, wie auch die SPD mit dem verstorbenen Sozialdemokraten und früheren Ministerpräsidenten Kopf umgeht. Für den Oldenburger ist es nicht nachzuvollziehen, „dass Kopf jetzt eine Nazi-Vergangenheit angedichtet wird und unsere Partei völlig unkritisch dieser Behauptung folgt, anstatt ihr entschieden entgegenzutreten“. „Aus Protest“ will Milde weder der Einladung zur Konferenz der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) folgen, noch die geplante Ehrung entgegennehmen. „Darauf verzichte ich gern“, sagt der 81-jährige Milde, der der SPD fast 60 Jahre angehört.

Nachhaltige Unterstützung erhält Milde von Ferdinand Kuba, dem Stiefsohn Kopfs. Gegenüber dieser Zeitung spricht Kuba von „falschen Interpretationen“ und „ganz offensichtlichen Fehlern“. Ziel seiner Kritik: die Göttinger Historikerin Teresa Nentwig. In ihrer Dissertation widmet sich Nentwig der Frage, ob und wie sehr sich der SPD-Politiker Kopf im Nationalsozialismus auf Kosten verfolgter Juden bereichert habe. Kopf war laut der Dissertation von Nentwig zwischen 1939 und 1942 in NS-Verbrechen verstrickt. Als Generaltreuhänder der „Haupttreuhandstelle Ost“ habe er den Nazis beim Raub von jüdischem und polnischem Privateigentum geholfen. Nach dem Krieg bestritt Kopf mehrfach, dass er aktiv an den Enteignungen beteiligt gewesen sei.

„Die derzeitige Meinung, Kopf sei Profiteur der Nationalsozialisten gewesen, beruht auf Fehleinschätzungen und nicht belegten Interpretationen“, sagt Kopfs Stiefsohn Ferdinand Kuba, der das Beispiel jüdischer Friedhöfe in Polen anführt. Angeblich habe Kopf jüdische Grabsteine für den Straßenbau verkauft. Doch die genannten Friedhöfe hätten den Weltkrieg „unbeschadet überstanden“, so Kuba, der weitere Beispiele anführt: In der von den Nazis sogenannten „Reichskristallnacht“ habe Kopf Juden Unterschlupf gewährt. Das SPD-Mitglied Kopf wurde aus dem Staatsdienst geworfen. Zeitzeugen wie die SPD-Politiker Kurt Schumacher, Egon Franke oder Fritz Heine hätten Kopf außerordentlich geschätzt. Die Umbenennung des Platz sei deshalb, so Kuba, „beschämend, schäbig und ehrverletzend“.

Gunars Reichenbachs Chefkorrespondent / Redaktion Hannover
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