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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Heimat für Auster und Seepocke

16.04.2019

Varel Salzig schmeckt die Luft und erdig, wenn man die Sprossen in dem engen Schacht nach unten steigt. Die Eisensprossen sind kalt, kalt wie der Wind aus Nordost an diesem klaren Morgen. Der Geruch nach Wattenmeer wird stärker, wenn man die Sohle der Vareler Schleuse erreicht. Die Schleusentore ragen hoch in den Frühlingshimmel.

Wo sonst das Wasser in der Schleusenkammer steht, arbeiten zwei Arbeiter der Firma Züblin Stahlbau, Oltmann Melle und Christian Eisermann, mit einem Hochdruckreiniger und entfernen Muschelbewuchs an den Stahltoren. Seepocken und Pazifische Auster haben dort ihre Heimat gefunden. Eine provisorische Sperre vor und hinter den Schleusentoren hält das Wasser von der Seeseite und der Hafenseite ab. Aber so ganz kann die Sperre nicht verhindern, dass Wasser eindringt. In dünnem Strahl spritzt es durch Fugen auf den Grund der Schleusenkammer – und sammelt sich an einer tiefen Stelle, wo eine Tauchpumpe das Wasser wieder außendeichs befördert.

Die Vareler Schleuse wird zurzeit einer Bauwerksprüfung unterzogen, eine Prüfung, die alle sieben Jahre vorgenommen wird, wie Rainer Rädicker, Geschäftsführer des Zweckverbands Vareler Hafen, erläutert. Das muss in „trockenem“ Zustand geschehen, und deshalb nutzt der Zweckverband die Gelegenheit und lässt die Firma Züblin Reinigungsarbeiten vornehmen.

Die Firma aus Sande hatte die Tore vor 42 Jahren gebaut, als die Schleuse erneuert wurde. Dabei hatte es damals lange gar nicht danach ausgesehen, ob es jemals wieder eine Schleuse geben würde. Die Landesregierung hatte 1974 die Erneuerung der Schleuse abgelehnt, die Wirtschaftlichkeit des Hafens wurde in Zweifel gezogen. Der Widerstand in Varel formierte sich, Gewerbebetriebe, Wassersportler und Kommunalpolitiker bildeten eine Lobby.

1975 übernahmen Stadt Varel und Landkreis Friesland den Hafen, eine neue Schleuse wurde gebaut, die 1977 eingeweiht wurde und später den Namen des früheren Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten Wilhelm Kammann erhielt. 12,20 Meter ist die Schleuse breit, so dass eine gewerbliche Nutzung möglich ist. Das sollte sich als weitsichtig erweisen, denn die Firma Deharde am Vareler Hafen stellt Bauteile (Rumpfschalen) für das Großraum-Frachtflugzeug Beluga her. Die Teile werden über den Vareler Hafen verschifft, die nächste Lieferung erfolgt im Mai. Schleusenwärter Marcus Bittner muss die Schleuse aber schon bis Ostern wieder fit machen. Die Wassersportler wollen Ostern ihre Boote in den Jadebusen bringen. „Geplant ist, am Montag zu fluten“, sagt Zweckverbandsgeschäftsführer Rädicker. Er, der Bürgermeister Gerd-Christian Wagner und Ratsmitglied Karl-Heinz Funke sind gekommen, um sich die Prüf-Baustelle anzuschauen. Sie wissen um die Bedeutung der Schleuse für die Vareler Wirtschaft.

„Unser ganzer Stolz“, sagt Bürgermeister Wagner. Aber er bangt auch um die Zukunft der Schleuse, denn die Deicherhöhung zwischen Wapelersiel und Dangast rückt näher, dann muss auch die Deichsicherheit der Schleuse neu überdacht werden. „Dann muss etwas am Bauwerk gemacht werden“, sagt Rädicker, und unausgesprochen bei Bürgermeister und Kommunalpolitik bleibt, dass so etwas viel Geld kosten kann. Und die Frage, wer für die Kosten aufkommt.

Einen Schaden haben die Gutachter und Experten der Firma Züblin schon ausgemacht. Eine Gummidichtung muss am Fuß eines Schleusentores erneuert werden. Die muss bestellt werden, und dann muss das Wasser abgelassen werden, um die Dichtung zu montieren.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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