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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Heimat braucht auch günstige Mieten

16.02.2019

Vechta Miteinander leben statt nebeneinander, und kulturelle Vielfalt als Bereicherung begreifen – mit diesem Appell beschloss Heribert Prantl seinen leidenschaftlichen Impulsvortrag bei der Jubiläumsveranstaltung des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland am Donnerstagabend in der Universität Vechta. Er erntete dafür langanhaltenden Applaus der gut 280 Besucher in der voll besetzten Interimsmensa, teilte der Heimatbund mit.

Der gefragte Journalist und Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung war Gast der Veranstaltung „Heimat im 21. Jahrhundert“, mit der der Heimatbund jetzt sein 100-jähriges Bestehen feierte. „Man darf die Heimat nicht denen überlassen, die damit Schindluder treiben“, war eine der Forderungen Prantls. Der Begriff dürfe nicht zum Etikett der „alten“ Politik aller Parteien werden, sondern müsse den Menschen Halt geben gegen Populismus und Extremismus. Denn bei Heimat-Politik gehe es vor allem um zukunftsgerichtete Themen, wie bezahlbare Mieten oder angemessene Renten, damit man sich im Alter das Leben noch leisten könne. Sonst drohe eine „Entheimatung“, betonte er.

Prantl brach auch eine Lanze für das vielfach geschmähte Europa, denn es sei das Beste, „was uns allen jemals passiert ist“. Schließlich sei mit der Gründung der Europäischen Union ein 1000 Jahre währender Kriegszustand beendet worden. „EU ist das Kürzel für das goldene Zeitalter europäischer Geschichte“, betonte der Münchner. Er mache sich große Sorgen, denn so unruhige Zeiten durch den überall aufkeimenden Nationalismus habe er in seinen 32 Jahren als Journalist nicht erlebt. Die EU müsse sich dringend erholen, denn das Wunder Europa, über das schon seine Großmutter gestaunt habe, gehöre auch zur Heimatpolitik.

Moderiert von Uwe Haring, sprachen die Teilnehmer zweier Diskussionsrunden über „Heimat im 21. Jahrhundert“. Heimatbund-Präsident Stefan Schute, der Cloppenburger Landrat Johann Wimberg, Vechtas Bürgermeister Helmut Gels und Prof. Dr. Jochen A. Bär sprachen unter anderem über die Bedeutung von Heimat bei der Integration Hinzugezogener und die Impulse, die der Heimatbund und die Heimatvereine geben können.

Prantl tauschte sich mit Dr. Silke Eilers (Westfälischer Heimatbund), Dr. Julia Schulte to Bühne (Museumsdorf Cloppenburg) und Thomas Grimme (Bleywaren Cloppenburg) darüber aus, was mit Heimat beschäftigte Institutionen für Menschen leisten und wie junge Menschen begeistert werden können.

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