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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Günther rockt das Festzelt

20.08.2019

Vechta Ein jugendliches, aber auch etwas dröges Image haftet dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) an. Dass er ein temperamentvoller und unterhaltsamer Bierzeltredner sein kann, bewies er auf dem Vechtaer Stoppelmarkt, wo er am Montagvormittag vor mehr als 1500 Zuhörern das Festzelt „rockte“. In seiner launigen Rede teilte er nach rechts und links aus – und unterhielt sein Publikum. Schon das erste Bonmot zum schleswig-holsteinischen Grünen-Politiker Robert Habeck saß. Er habe sie schon erlebt, die traurigen Augen der Frauen, „wenn die Damen Habeck erwarten und einen Günther bekommen“. Er habe schon geglaubt, mehr Sport treiben zu müssen, doch dann sei er von seiner Frau ernüchtert worden: Habecks Charme bestehe darin, dass er zu jeder Zeit aussehe, „als wenn er gerade aufgestanden ist“, sagte Günther. Deshalb versuche er den Outfit-Tipp jetzt umzusetzen. Nachdem es auf dem Wacken-Festival nicht ganz geklappt habe, sei er deshalb zum Stoppelmarkt gekommen (und schon am Vorabend angereist).

Er wolle ja keine Witze über die anderen Parteien machen, aber „CDU und SPD haben gerade einen Lauf“. Immerhin wollten drei Sozialdemokraten aus Schleswig-Holstein SPD-Vorsitzender werden, aus Niedersachsen nur einer. Dabei – „was gibt es Schöneres als sich vorzustellen, auf 23 Regionalkonferenzen schlecht gelaunte Leute zu treffen. Warum machst Du das eigentlich nicht?“, wandte er sich an Stephan Weil. Und noch ein Pfeil nach Bordesholm, dem Wohnort von SPD-Vize (und Bewerber als Vorsitzender) Ralf Stegner: Der sei der beste Außendienstmitarbeiter der CDU.

Ein paar ernste Botschaften brachte Günther in seiner launigen Rede auch unter. Wenn man schon in der Großen Koalition schlecht übereinander spreche, wie solle man dann erwarten, „dass die Menschen positiv über uns reden?“, fragte Günther. Dass er sich im Wahlkampf 2017 unterschätzt fühlte, konnte man in seinem Pfeil gegen die ARD-Wahlberichterstattung („Ich war das Vorprogramm von Kubicki“) heraushören. Langer Applaus für Günther, der von Vechtas Bürgermeister Helmut Gels und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil begrüßt worden war. Weil hatte sich sogar vor Gastgeber Gels gemogelt und Gels, dessen letzter Stoppelmarkt als Vechtaer Bürgermeister es war, für seine Leistung gedankt. Gels sei Fleisch vom Fleische der Vechtaer, seine wahre Leidenschaft das Pendeln zwischen Politik und Volksfest, wobei das Achterbahn-Fahren Politikern ja in die Wiege gelegt sei. „Auch der Losverkauf, wir ziehen ja auch mal die Niete.“ Immerhin bekannte sich Weil, in Hannover ja mit dem Schützenfest ausgesprochen Fest-erfahren, zum Stoppelmarkt als einem der schönsten und erfolgreichsten Volksfeste Deutschlands. Zu den prominenten Stoppelmarkt-Festrednern gehörten Andrea Nahles (2018) und Ursula von der Leyen (2016) mit eher zahmen Auftritten. Günther schloss zu den ungekrönten Publikumslieblingen David MacAllister, Philip Rösler, Wilfried Hasselmann und Karl-Heinz Funke auf, die ihr Publikum begeistert hatten. Karl-Heinz Funke hatte sogar neben Siegbert Alber zweimal die Ehre, Festredner in Vechta zu sein.

Festredner beim Stoppelmarkt seit 1973 – Hans Koschnik machte den Auftakt

1973 Hans Koschnik (Bremer Bürgermeister)

1974 Rötger Groß (Niedersachsens Innenminister)

1975 Karl Ravens (Bundesbauminister)

1976 Ernst Albrecht (Niedersächsischer Ministerpräsident)

1977 Hermann Höcherl (Bundeslandwirtschaftsminister a.D.)

1978 Hermann Schnipkoweit (Niedersächsischer Sozialminister)

1979 Erhard Pestel (Wissenschaftsminister)

1980 Richard Stücklen (Bundestagspräsident)

1981 Werner Remmers (Kultusminister Niedersachsen)

1982 Johann-Tönjes Cassens (Wissenschaftsminister Niedersachsen)

1983 Heinz Franke (Parlamentarischer Staatssekretär)

1984 Constantin Freiherr von Heereman (Präsident Bauernverband)

1985 Wilfried Hasselmann (Minister für Bundesangelegenheiten)

1986 Reinhard Lettmann (Bischof, Münster)

1987 Heinrich Jürgens (Minister für Bundesangelegenheiten)

1988 Siegbert Alber (Vizepräsident Europaparlament)

1989 Friedrich-Adolf Jahn (Parl. Staatssekretär)

1990 Karl-Heinz Funke (Landwirtschaftsminister Niedersachsen)

1991 Wilhelm Sievers (Ev. Bischof, Oldenburg)

1992 Werner Münch (Ministerpräsident Sachsen-Anhalt)

1993 Klaus Töpfer (Bundesumweltminister)

1994 Klaus Rehder (Vizeadmiral a.D.)

1995 Gerhard Glogowski (Innenminister Niedersachsen)

1996 Thomas Goppel (Bayerischer Staatsminister)

1997 Friedrich Janssen, Uni Vechta

1998 Siegbert Alber (Generalanwalt Europ. Gerichtshof)

1999 Uwe Bartels (Landwirtschaftsminister Niedersachsen)

2000 Hans-Peter Mayer (Europa-Mayer)

2001 Peter Krug (Ev. Bischof, Oldenburg)

2002 Joseph Daul, Europaparlament

2003 Christian Wulff, Ministerpräsident Niedersachsen

2004 Elisabeth Heister-Neumann

2005 Karl-Heinz Funke (Bundeslandwirtschaftsminister a.D.)

2006 Peter Harry Carstensen (Ministerpräsident Schleswig-Holstein)

2007 Philip Rösler (FDP-Vorsitzender Niedersachsen)

2008 David McAllister (CDU-Landeschef)

2009 Heinrich Timmerevers (Weihbischof)

2010 Franz Müntefering (Bundesmionister a.D.)

2011 Jürgen Trittin (Grünen-Fraktionschef Bundestag)

2012 Hermann Gröhe (CDU-Gebneralsekretär)

2013 Werner Brinker (EWE-Vorstand)

2014 Peter Altmaier (Kanzleramtschef)

2015 Stephan Weil (Ministerpräsident Niedersachsen)

2016 Ursula von der Leyen (Verteidigungsministerin)

2017 Thomas de Maizière (Bundesinnenminister)

2018 Andrea Nahles (SPD-Vorsitzende)

2019 Daniel Günther (Ministerpräsident Schleswig-Holstein)

2020 ?

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