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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

„Verschweigen Sie etwas aus Scham?“

23.01.2015

Oldenburg /Delmenhorst Niels H. spricht ja nicht. Aber neuerdings nickt er. Er schüttelt den Kopf. Und manchmal brummt er, zustimmend oder ablehnend. So kommt es, dass Richter Sebastian Bührmann am Donnerstag zum ersten Mal so etwas Ähnliches wie ein Gespräch führt mit seinem Anklagten.

Es ist genau 14 Tage her, dass ein Psychiater in diesem Gerichtssaal die Bombe platzen ließ: H. hatte ihm gegenüber die Tötung von 30 Patienten am Klinikum Delmenhorst zugegeben. „War es Ihre eigene Entscheidung, mit dem Gutachter zu reden?“, will der Richter nun wissen.

H. nickt eifrig.

„Es gab kein anwaltliches Drängen?“

Verneinendes Brummen.

„Ich werte Ihr Verhalten dahingehend, dass Sie mein Angebot zu einem kommunikativen Verfahren angenommen haben.“

Kräftiges Kopfnicken.

„Sie werden sich im Klaren sein, dass noch weitere Verfahren folgen werden.“

Nicken.

„Und dass Sie strafbarkeitsmäßig das Ende der Fahnenstange zu erwarten haben.“

Noch ein Nicken.

Das Gericht hat ein Problem: Es hat zwar ein indirektes Geständnis des Angeklagten vorliegen – es weiß aber nicht, wie vollständig es ist. H. hat 30 Tötungen und 60 Tötungsversuche zugegeben. Die hohe Zahl der eingeräumten Taten, das strafbarkeitsmäßige Ende der Fahnenstange, „das erhöht Ihre Glaubwürdigkeit“, sagt Bührmann.

Andererseits ermittelt die Polizei in mehr als 170 Verdachtsfällen allein in Delmenhorst, außerdem an früheren Arbeitsstätten H.s in Oldenburg, Ganderkesee und Wilhelmshaven. Ein „taktischer Umgang mit der Wahrheit“ wäre „fatal“, warnt Bührmann.

Doch vorerst bleiben die offenen Fragen. Wie passt zum Beispiel H.s Behauptung, in Oldenburg keine Verbrechen begangen zu haben, zu dem Ergebnis eines Gutachtens des Klinikums Oldenburg, dass es mehrere Tote durch die Eingabe von Kalium gegeben hat? Und dass Mithäftlinge von H. lange vor diesem Gutachten ausgesagt haben, ihr Zellenkamerad habe ihnen gegenüber gesagt, er habe auch mit Kalium getötet?

Und noch etwas: Im Klinikum Oldenburg hatte H. durch sein Verhalten so viel Misstrauen erweckt, dass man sich von ihm trennte. Erwirbt sich jemand in Oldenburg einen Ruf zu Unrecht, um ihm dann in Delmenhorst gerecht zu werden?

„Prüfen Sie sich selbst“, fordert der Richter den Angeklagten auf: „Kann es sein, dass Sie etwas aus Scham zurückhalten? Oder aus Verdrängung?“ Bührmann wählt jedes Wort mit großer Vorsicht, nimmt immer wieder verbale Umwege. Aber sein Appell ist unmissverständlich: Bitte sprechen Sie – endlich!

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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