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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Vorfreude auf die kalte Heimat

05.12.2013

Wilhelmshaven /Dschibuti Angesichts der sommerlich-warmen Temperaturen vor der afrikanischen Küste mögen sich vorweihnachtliche Gefühle noch nicht wirklich einstellen, auch wenn der Kalender sagt, dass die Adventszeit bereits begonnen hat. Dennoch – Weihnachtskekse schmecken trotzdem, besonders wenn sie von einem Meister seines Fachs frisch zubereitet wurden.

Die Smuts der Wilhelmshavener Fregatte „Niedersachsen“ wissen um die Vorlieben der Besatzungsmitglieder, und deshalb werden von Zeit zu Zeit abends herrlich leckere Schoko-Kekse für den nächsten Tag gebacken. „Hier wird wie bei Muttern gebacken“, sagt einer aus der Küchenmannschaft, der in seinem früheren Berufsleben Spitzenkonditor in Berlin war.

Wie bei Muttern – das gilt für den Geschmack, die Zutatenmenge ist etwas größer als üblicherweise zu Hause: Zweieinhalb Kilo Zucker, fünf Kilo Butter und siebeneinhalb Kilo Mehl bilden die Grundlage für seine Weihnachtskekse, dazu Kakao und verschiedene Gewürze. . .

Beim Kekse-Knabbern stellt sie sich dann doch ein, die Vorfreude auf die kalte Heimat an der Nordsee. Am 20. Dezember wird die „Niedersachsen“ im Heimathafen Wilhelmshaven erwartet, vier Tage vor Heiligabend. Wenige Minuten, nachdem die Fregatte am Dienstagabend ihren Wachauftrag am Horn von Afrika an die „Hessen“ übergeben hatte, verließ sie Dschibuti in Richtung Mittelmeer.

Zur Kommando-Übergabe war auch der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Kossendey gekommen, der bald aus dem Amt scheiden wird und gern die Chance nutzte, um sich beim Atalanta-Einsatz von der Marine zu verabschieden.

Für die Frauen und Männer auf der Fregatte „Niedersachsen“ war es im Hochsommer losgegangen. Am 29. Juli verließ ihr Schiff Wilhelmshaven, um dann am 14. August mit dem Anti-Piraten-Einsatz im indischen Ozean zu beginnen. 30 000 Seemeilen, das entspricht etwa 54 000 Kilometern, hat die „Niedersachsen“ seitdem im Rahmen der EU-Mission Atalanta zurückgelegt.

Mehr als 30 Kontrollen wurden während des Einsatzes vorgenommen. „Friendly Approach“ (freundliche Annäherung) nennen die Marineleute ihre Besuche bei Fischern und Händlern im indischen Ozean, bei denen wertvolle Informationen gewonnen werden, um ein möglichst umfassendes Lagebild vor der somalischen Küste herzustellen – ergänzt durch die Aufklärung der beiden Bordhubschrauber, die jede Siedlung an Land mit hoher Präzision aus der Luft fotografieren.

Eine stolze Bilanz der Atalanta-Mission wird inzwischen gezogen. Kein Schiff ist derzeit in der Gewalt von Piraten – und das, obwohl es in diesem Jahr insgesamt zehn Versuche gegeben hat, ein Handelsschiff anzugreifen. Während des Einsatzes der „Niedersachsen“ wurden vier versuchte Übergriffe registriert.

In einem Fall hat das Wilhelmshavener Kriegsschiff selbst einen Pirateneinsatz verhindert. Eine „Pirate Action Group“ hatte sich gerade auf den Weg gemacht, als sie von der „Niedersachsen“ entdeckt wurde. Als die mutmaßlichen Piraten, die noch in Strandnähe waren, bemerkten, dass sie entdeckt waren, warfen sie Leitern und weiteres Angriffsmaterial über Bord und sprangen teilweise selbst ins Wasser, um zurück an Land zu schwimmen.

Zu den Kernaufgaben des Einsatzes gehört der Schutz einer Hilfsaktion der Vereinten Nationen. Das „World Food Programm“ der UN versorgt die hungernde Bevölkerung Somalias mit Nahrungsmitteln und Medikamenten – und zu Beginn ihres Einsatzes begleitete die „Niedersachsen“ einen der UN-Frachter durch den indischen Ozean.

Dankbar und stolz äußerte sich der „Niedersachsen“- Kommandant, Fregattenkapitän Kurt Leonards, bei der Wachübergabe an die „Hessen“. Ihm sei wichtig gewesen, „dass wir respektvoll und kameradschaftlich miteinander umgehen“. Nicht die persönlichen Interessen, sondern der Auftrag am Horn von Afrika habe im Zentrum des Handelns gestanden. Dafür sei er dankbar.

Die persönlichen Interessen der mehr als 200 Besatzungsmitglieder rücken natürlich auf der Heimreise immer stärker in den Vordergrund. Und weil die Kommunikation mit der Heimat auch von unterwegs gut funktioniert, wurden einige Friseurtermine bereits geordert.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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Marine | EU

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