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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Warum hatte „Kurti“ keine Scheu vor Menschen?

30.04.2016

Lüchow /Bad Fallingbostel Der am Mittwochabend bei Bad Fallingbostel erschossene Wolf MT6 wird zunächst im Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung untersucht. Dabei werde unter anderem überprüft, ob das Tier an Krankheiten oder Parasiten gelitten habe, sagte eine Institutssprecherin am Freitag.

Die genetische Untersuchung des Wolfes mit der offiziellen Bezeichnung MT6 geschieht nicht in Berlin: „Wir schicken dafür die DNA an das Labor für Wildtiergenetik in Gelnhausen“, sagte die Sprecherin. Erst diese Untersuchung könne Hinweise auf die Verhaltensauffälligkeit des Wolfes liefern. Was nach den Untersuchungen mit dem Kadaver passiert, ist noch unklar. In der Regel würden die Körper eingefroren, hieß es.

Unterdessen geht der Wolfsexperte Kenny Kenner davon aus, dass „Kurti“ in seiner Jugend positive Erfahrungen mit Menschen gemacht haben muss. Anders sei das auffällige und für die Art untypische Verhalten des Tieres kaum zu erklären, sagte Kenner. „Kurti“ hatte sich immer wieder Menschen bis auf kurze Entfernung genähert, auch eine „Vergrämungsaktion“ im März hatte keine nachhaltige Wirkung. Kenner ist ehrenamtlicher Wolfsberater im Wendland und unter anderem für Beratung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Ob „Kurti“ wie vielfach vermutet absichtlich „angefüttert“ wurde und sich dadurch an Menschen gewöhnte, sei im Nachhinein nicht mehr nachzuweisen, erklärte Kenner. Der sogenannte Rendezvous-Platz des Munsteraner Rudels – der Ort, an dem sich die Welpen in den ersten Lebensmonaten meistens aufhalten – habe aber nahe einer Stelle gelegen, an der sich Soldaten auf ihre Übungen vorbereiteten.

Bemerkenswert ist Kenner zufolge auch, dass MT6 häufig tagsüber unterwegs war. „Normalerweise sind Wölfe nachtaktive Tiere“, sagte er. „Es muss also eine Nahrungsquelle gegeben haben, die tagsüber für ihn besser zugänglich war.“

Kenner wies zudem darauf hin, dass nicht nur „Kurti“, sondern das ganze Rudel auffällig gewesen sei. Beobachtern sei es mehrfach gelungen, sich den Tieren bis auf kurze Distanz zu nähern, ohne dass diese geflüchtet seien. Im vergangenen Jahr war ein anderer Wolf aus dem Rudel im Westen Niedersachsens einige Male in der Nähe von Menschen beobachtet worden.

Die Entscheidung zum Abschuss des Wolfes nannte der Experte nachvollziehbar. Das Umweltministerium in Hannover habe das Risiko einer Attacke auf Menschen wohl nicht eingehen können. Gleichzeitig sei die Tötung des Tieres sehr bedauerlich, sagte Kenner. Er selbst hätte befürwortet, MT6 einzufangen und neu mit Sendern auszustatten, um ihn weiter zu beobachten.

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