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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

„Wie geht es Manfred?“

28.01.2014

Hannover Selbst die Richterin kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Wulff hat Glaeseker am ersten Tag nach dessen Urlaub mit den Worten begrüßt: Wie geht es Manfred?“, schildert ein ehemaliger Mitarbeiter der Staatskanzlei eine Begegnung im Büro des Ministerpräsidenten 2009. „Ich fragte mich: Wer ist Manfred?“, erzählt der Zeuge im Bestechungsprozess gegen Ex-Regierungssprecher Olaf Glaeseker und Party-Manager Manfred Schmidt. Eine Aussage mit Sprengkraft.

Aussage bekommt Risse

Schließlich geht es darum, wie viel Ex-Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) von der engen Beziehung Glaeseker/Schmidt und die Finanzierung der sündhaft teuren Promi-Fete „Nord-Süd-Dialog“ wusste. Oder von Freiflügen und Gratisurlauben seines Freundes Olaf? Wulff behauptet bisher: Wenig bis nichts. Diese Aussage vor der Staatsanwaltschaft bekommt immer mehr Risse.

„Urlaube bei Manfred waren kein Geheimnis“, betont der Ex-Staatskanzlei-Mitarbeiter. Besonders nach der Antwort Glaesekers auf die Wulff-Frage: „Gut, alles top!“ In der Staatskanzlei machte man sich sogar über „Manfred“ lustig. Es kursierte angeblich auch eine englische Version der Frage nach Manfred: „Who the f*** is Manfred?“ Ein geflügelter Gag 2009. Da schmunzelt die Richterin ein zweites Mal.

Welchen Stellenwert die gemeinsame Promi-Sause von Baden-Württemberg und Niedersachsen für Regierungssprecher Glaeseker hatte, machen gleich alle drei Zeugen an diesem Montag im Landgericht Hannover deutlich. Dort ist Glaeseker wegen Bestechlichkeit angeklagt. Er steht im Verdacht, von dem mitangeklagten Partymanager Manfred Schmidt Gratisurlaube erhalten und im Gegenzug Sponsoren für die Feten geworben zu haben. Mit den drei Partys 2007 bis 2009 in Hannover und Stuttgart sollte das Image von Niedersachsen aufpoliert werden. Veranstalter der Feten war Schmidt, der damit einen hohen Gewinn gemacht haben soll. Für die Landesregierung „hatte Glaeseker dabei den Hut auf“, bekräftigen fast unisono die Ex-Mitarbeiter in der niedersächsischen Staatskanzlei. „Glaeseker hatte den Druck, den Erfolg zu garantieren“, betont ein ehemaliger Kollege.

Wäre die Promi-Party ein Flop geworden, hätte Wulff dafür medial die Kritik einstecken müssen. Doch dann wäre es um die Verantwortung Glaesekers und des Chefs der Staatskanzlei, Lothar Hagebölling, gegangen, bestätigt ein Zeuge. „Glaeseker war die Schnittstelle zwischen Schmidt und dem persönlichen Büro des Ministerpräsidenten“.

„Verdammt guter Job“

Finanzierungsprobleme blieben den Zeugen nicht verborgen. Auch nicht, dass es Konflikte mit dem Flughafen Langenhagen als Location gab. Doch in Einzelheiten waren die Staatskanzlei-Mitarbeiter nicht eingeweiht. Das spielte sich auf höchster Ebene ab: Schmidt/Glaeseker/Wulff. Dabei habe sich Glaeseker als „begnadeter Netzwerker“ entpuppt, und die Regierungspressestelle „einen verdammt guten Job gemacht“, gibt ein Zeuge einen Einblick ins Innenleben der Staatskanzlei.

Gunars Reichenbachs
Chefkorrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

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