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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

150 Jahre Wilhelmshaven: So prägen Umweltschützer das Gesicht der Stadt

09.08.2019

Wilhelmshaven Der Slogan „Grüne Stadt am Meer“ sagt eigentlich schon alles. Die Eigenwerbung bringt auf den Punkt, was die Stadt Wilhelmshaven prägt und für viele Menschen ausmacht. Für mich persönlich hat die Farbe aber noch eine andere Bedeutung: Sie erinnert mich an das Engagement meines Vaters Wolf Herold für den Umweltschutz in Wilhelmshaven. Er zählt sicher zu den Vorreitern in der Wilhelmshavener Umweltbewegung.

Als der Schweizer Weltkonzern Alusuisse Anfang der 70er Jahre auf dem Rüstersieler Groden ein Chemiewerk bauen wollte, trat er der überparteilichen Bewegung „Die Bürgerschaft“ bei, für die er von 1981 bis ’86 im Stadtrat saß und aus der heraus sich später „Die Grünen“ gründeten. Das große Thema war damals das Waldsterben und der saure Regen. Die Grünen forderten Emissionsauflagen für Industrieanlagen wie Alusuisse und ICI.

So präsent wie das Thema Klimaschutz heute in der Politik ist, so neu war die Idee damals. „Ich erinnere mich an Diskussionsveranstaltungen mit Menschen, denen die Grünen mit ihren Anliegen gänzlich unbekannt waren. Das waren damals exotische Vögel“, sagt mein Vater.

Als großen Erfolg verzeichnete die Bürgerschaft, die Öffnung des Grodendamms verhindert zu haben. Das damals am Banter See ansässige Unternehmen Krupp Kranbau wollte einen Zugang vom Banter See zum Hafen. Dafür sollte der Grodendamm durchstochen werden. Die Umweltschützer sorgten sich um die Wasserqualität und befürchteten weitere Industrieansiedlungen. Das Projekt wurde im Stadtrat mit einer Stimme Mehrheit verhindert, sechs Stimmen kamen von der Bürgerschaft. Die Öffnung des Grodendamms war jüngst wieder Thema, erneut wurde dem gravierenden Eingriff aus ökologischen Gründen eine Absage erteilt.

Mehr noch als die Stadtpolitik war bei uns zuhause der praktische Naturschutz Thema. Als Mitglied der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH) betreute mein Vater fünf naturnahe Flächen im Stadtgebiet, darunter alte Obstgärten. Müll entfernen, Zäune reparieren, Obst sammeln.

Aus der Flächenbetreuung ergab sich eine Herkulesaufgabe: die Bekämpfung des Riesenbärenklaus, die mein Vater Anfang der 90er Jahre aufnahm. Als Kinderarzt kannte er die Gefahr, die von der Pflanze ausgeht. Die Verbrennungen auf der Haut hatte er in seiner Praxis oft genug gesehen. Die Verdrängung der heimischen Flora war zudem offensichtlich: „Im Herbst hatte ich eine Fläche am Totenweg übernommen, im Frühjahr war fast ein Hektar dicht bewachsen mit der Herkulesstaude. Ich stand vor der Frage: kapitulieren oder den Kampf aufnehmen“, erinnert er sich.

Allerdings gab es damals bundesweit nur wenig Informationen, wie man der aus dem Kaukasus stammenden Pflanze beikommen kann. So lautete die Strategie Versuch und Irrtum. Das in vielen Jahren angesammelte Wissen ist auf der Seite www.herkulesstaudenbekaempfung.de nachzulesen. Auch das Bundesamt für Naturschutz verweist auf diese Seite. Somit ist durch die in Wilhelmshaven gewonnenen Erfahrungen mittlerweile weithin bekannt, worauf es bei der Bekämpfung des Riesenbärenklaus ankommt: Man muss möglichst die Wurzeln ausgraben, was allerdings nur bei kleineren Beständen zu schaffen ist, oder zumindest durch Abschneiden der Blütenstände Anfang Juli die weitere Aussamung verhindern.

In den vergangenen 25 Jahren sind in Wilhelmshaven mehrere Hundert Standorte der Giftpflanze gemeldet worden, die mein Vater gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen bearbeitet hat. So haben sie viele Fleckchen für das heimische Grün bewahrt, das die Stadt ausmacht.


     www.herkulesstaudenbekaempfung.de 
Irmela Herold Redakteurin / Online-Redaktion
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