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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Kommunalpolitikerin mit Ecken und Kanten

18.09.2018

Wilhelmshaven Wer sie an seiner Seite hatte, konnte sich auf sie verlassen – voll und ganz, ohne jede Einschränkung. Für politische Gegner dagegen konnte sie zur Qual werden – schonungslos und immer im „Attacke“-Modus. Laues Vorgehen gab es für sie nicht – entweder heiß oder kalt, ganz oder gar nicht. Jetzt schweigt sie.

Die Wilhelmshavener Kommunalpolitikerin Ursula Biester ist am Freitagabend nach langer schwerer Krankheit gestorben. Über Jahre hatte sie ihre Krebserkrankung verschwiegen, weil ihre Gesundheit bei ihrer Arbeit keine Rolle spielen sollte. Jetzt ist sie im Alter von 68 Jahren im Kreis ihrer Familie friedlich eingeschlafen.

Mit Betroffenheit reagierten am Wochenende ihre Freunde auf die Nachricht. Viele mochten es zunächst nicht glauben, schließlich galt sie als Sinnbild für Lebenskraft und Lebensfreude. Auch nach dem Ende ihrer aktiven Arbeit im Rat der Stadt hatte sie intensiven Anteil an der Kommunalpolitik genommen – konnte sich aber zugleich mit Begeisterung und Leidenschaft der Enkel-Betreuung widmen.

Vier Jahre ist es her, dass „Uschi“ Biester mit einem Paukenschlag aus der CDU austrat, deren Politik für Wilhelmshaven sie über Jahrzehnte mitgeprägt hatte. Gleichzeitig legte sie auch ihr Ratsmandat nieder. Es zu behalten und weiterhin im Rat zu bleiben, wäre ein Verstoß gegen ihre eigenes Regelwerk gewesen.

Anlass für den abrupten Rückzug war damals der Dauerstreit um die Wilhelmshavener Krankenhauspolitik gewesen. Als Mitglied des Aufsichtsrats und der Gesellschafterversammlung des städtischen Reinhard-Nieter-Krankenhauses hatte sie immer wieder die Finger in verschiedene Wunden gelegt.

So stritt sie mit Vehemenz für eine bessere Zusammenarbeit zwischen der Wilhelmshavener Klinik und dem Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch. Ihre kritischen Nachfragen waren durch nichts und niemanden zu stoppen. Sie fühlte sich einzig und allein dem Wohl der Menschen verantwortlich und niemandem sonst.

In der Folge wurde sie von der eigenen Partei aus den entsprechenden Gremien abberufen – was dann zu ihrem sofortigen Rückzug führte.

Denn wenn sie von einer Sache überzeugt war, ließ sie nicht locker, ging keinem Konflikt aus dem Weg, auch keiner Auseinandersetzung mit den Parteifreunden der CDU, der Partei, die sie liebte, an der sie aber auch leiden konnte.

Mit der ihr eigenen Leidenschaft hatte sie über viele Jahre überaus erfolgreich die Frauen-Union geführt und zu einem der aktivsten Gremien der Stadt gemacht. Auch an zahlreichen Wahlkämpfen war sie mit Kraft und Fantasie beteiligt und hatte so beachtlichen Anteil daran, dass ihr Mann Uwe mehrfach als Direktkandidat in den niedersächsischen Landtag gewählt wurde.

Politik, so „Uschi“ Biester, müsse den Menschen dienen und nicht der Partei. Sie kannte ihre eigenen Ecken und Kanten, wusste, dass sie nicht jedermanns Liebling sein konnte, und sie wollte das auch nicht. Weil sie sich von niemandem vereinnahmen ließ, fand sie auch Respekt im scheinbar gegnerischen politischen Lager – und deshalb trauern nicht nur Menschen aus dem konservativen Umfeld um die verdiente Kommunalpolitikerin.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055
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