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NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Wolf „Kurti“ ist tot

29.04.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-05-06T15:21:59Z 280 158

Umstrittener Schritt:
Wolf „Kurti“ ist tot

Hannover Kurti hat es wohl übertrieben. Der verhaltensauffällige Wolf kam den Menschen zu nah. Jetzt musste er dafür bezahlen. Am Mittwochabend wurde das Tier im Heidekreis getötet, wie das Umweltministerium in Hannover am Donnerstag mitteilte. Noch kurz zuvor war der Plan ein ganz anderer: Das Tier sollte eingefangen und in ein Gehege gebracht werden. Dann eine neue Wendung: Nun sollte Kurti nach Möglichkeit zuerst betäubt und dann eingeschläfert werden. Und schließlich wurde der Wolf abgeschossen - das Ministerium meldete: „letal entnommen“.

War Kurti so gefährlich? Für Schlagzeilen hatte er schon lange gesorgt. Das Tier hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder Menschen bis auf wenige Meter genähert. Mitte Februar war er in Breloh im Heidekreis einer Spaziergängerin mit Kinderwagen und Hund hinterhergelaufen. Auch soll er sich an einem Zaun der Flüchtlingsunterkunft in Bad Fallingbostel zum Schlafen hingelegt haben. Dann wurde am Wochenende im Landkreis Celle der angeleinte Hund einer dreiköpfigen Familie von einem Wolf mit Sendehalsband gebissen. Das Ministerium macht MT6 verantwortlich: Es gebe nur zwei besenderte Wölfe in Niedersachsen, hieß es.

„Die Sicherheit des Menschen steht immer an erster Stelle“, hatte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) schon mehrfach betont. Die Tötung des Wolfs sei aber das letzte Mittel.

Doch dann schlugen die Versuche eines schwedischen Experten fehl, den Wolf dauerhaft von Menschen fernzuhalten. Nun ist es endgültig - der so liebevoll wie verharmlosend „Kurti“ genannte Wolf ist tot. Es war der erste im Auftrag der Landesregierung getötete Wolf seit der Rückkehr der Tiere nach Niedersachsen - schon die Vergrämungsversuche waren eine Premiere. Doch MT6 ist keineswegs der erste Wolf, der in Niedersachsen in den vergangenen Jahren gewaltsam zu Tode gekommen ist.

Der verhaltensauffällige und nun getötete Wolf Kurti aus dem Munsteraner Rudel ist als junges Tier möglicherweise von Menschen angefüttert worden oder mit Menschen in Kontakt geraten. Deswegen habe er wohl seine Scheu verloren, sagte Niedersachsens Umweltminister Wenzel in einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Wenzel rief nun dazu auf, Lehren aus dem Fall zu ziehen. „Wir müssen alles tun, um eine Gewöhnung des Wolfes an den Menschen zu vermeiden“, sagte der Grünen-Politiker. Das bedeute: die Tiere nicht füttern und keine Essensreste in der Natur liegenlassen. Die anderen der etwa 70 Wölfe in Niedersachsen hätten aber eine natürliche Scheu vor Menschen, betonte der Minister.

Nach Angaben des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz wurden in den Jahren 2003 und 2007 Wölfe in Niedersachsen erschossen. So berief sich 2003 ein Jäger im Landkreis Hildesheim auf Notwehr, als er einen ausgebrochenen Gehegewolf tötete. Bereits 1977 war in Delmenhorst ein ausgebrochener Wolf erschossen worden. 2007 töteten Jäger einen wildlebenden Wolf im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Seitdem sind mehrere Tiere im Straßenverkehr getötet worden, der NLWKN listet bis April neun Fälle auf.

Bundesweit mussten nach Auskunft des Bundesamtes für Naturschutz bereits mehrere Wölfe eingeschläfert werden, weil sie verletzt waren, meist nach Autounfällen. „Das Einschläfern erfolgt in solchen Fällen nach eingehender tierärztlicher Untersuchung und mit Genehmigung der Naturschutzbehörde“, erklärte eine Sprecherin.

Wolfsexperte Frank Faß, Leiter des Wolfcenters Dörverden, zeigte Verständnis für den Schritt. „Es ist nun nicht die Zeit der Rechthaberei oder Häme mit Blick auf die Entscheidungsfindung im Umgang mit MT6“, sagte er. „Man darf vielleicht sogar von einer gewissen historischen Entscheidung im bundesdeutschen Wolfsmanagement sprechen. Es gilt, die Entscheidung des niedersächsischen Umweltministers Stefan Wenzel und der Staatssekretärin Almuth Kottwitz zu würdigen und mitzutragen.“ Faß nannte in diesem Zusammenhang den Wolf die „heilige Kuh des Artenschutzes“.

Auch die Landesjägerschaft begrüßte den Schritt. „Aus unserer Sicht war die Entscheidung des Umweltministeriums richtig“, sagte Sprecher Florian Rölfing. „Eine dauerhafte Unterbringung des Wolfes in einem Gehege wäre aus Tierschutzsicht fragwürdig gewesen“, hatte er zuvor erklärt. Ein in Freiheit aufgewachsenes Wildtier wie der Wolf werde sich an ein Gehege nicht gewöhnen. Der CDU-Abgeordnete Ernst-Ingolf Angermann hatte schon am Dienstag gefordert, den „Problemwolf“ töten zu lassen.

LINK: Stellungnahme des Wolfcenter Dörverden

DER LIVESTREAM VON DER PRESSEKONFERENZ IST BEENDET.