• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Niedersachsen

Zum Hofball „einmal und nie wieder!“

15.06.2005

OLDENBURG OLDENBURG - Mit einem Buch in den Oldenburger Schlossgarten gehen, dort auf der Bank sitzen und den Frühling fühlen, das war schon im April 1905 ein Vergnügen. Und ein Leichtes, darüber den Toresschluss zu vergessen. Da konnte es schon mal vorkommen, dass der 53-jährige Großherzog persönlich des Weges kam und den Säumigen rüffelte, ihm dann aber doch den Rückweg durch das Schloss gestattete.

Diese Szene, die Georg von der Vring in seinem Roman „Die Wege Tausendundein" beschrieb, erscheint typisch für den seit 1900 regierenden Großherzog Friedrich Au-gust, dem Burschikosität und Volksnähe zugeschrieben wurden. Typisch aber auch für das politische Klima im Großherzogtum Oldenburg überhaupt. Deutschland war zwar eine Monarchie und Oldenburg die Residenz eines Großherzogtums, aber man galt hier als liberal.

Natürlich war die Gesellschaft noch streng durchgestuft in „Klassen“ – bei den Landesbeamten, „Exzellenzen“, „Hofräten“ oder „Junkern“ bei Hofe und natürlich den militärischen Rängen bei den beiden in Oldenburg stationierten Regimentern. Aber es gab auch Abstand zu Pomp und Etikette bei Hofe. So kommentierte die Ehefrau eines hohen Beamten ihren ersten Hofball mit den Worten: „Einmal und nie wieder!“

Und auch das Bürgertum der Residenz ließ sich die Butter nicht vom Brot nehmen. Schon bald nach der Jahrhundertwende hatte es sogar Einwände gegen die „Lensahn“, die Dampfyacht des Großherzogs, und seine weiten Reisen auf Kosten des Steuerzahlers geltend gemacht und politischen Widerstand gegen die Erhöhung der Kronrente formiert. Wenn auch erfolglos. Denn schließlich „gönnte“ man „Seiner Königlichen Hoheit“, wie es in einem „Stimmungsbericht aus dem nördlichen Jeverlande“ hieß, diese Privilegien im Grunde noch. Und war sich als alteingesessener Oldenburger vor allem sicher in der strikten Ablehnung der Sozialdemokratie.

Tatsächlich hatte die industrielle Revolution das Welt-bild der Residenz bisher kaum erschüttern können. Oldenburg hatte zwar seit 1870 einen Bauboom bei den öffentlichen und geschäftlichen Bauten erlebt, war jedoch praktisch eine einzige Fußgängerzone. Soziale Probleme gab es allenfalls am Industriestandort Osternburg, aber das gehörte noch nicht zum Stadtgebiet. Die seit 1867 in Oldenburg ausgebaute Eisenbahn und die Investitionen in Huntevertiefung und Hafen seit Ende des 19. Jahrhunderts unterstrichen vielmehr das alte Selbstverständnis der Residenz als zentrale Verwaltungs-, Militär- und Handelsstadt in einem stark agrarwirtschaftlich geprägten Umfeld. Selbstverständlich, dass man hier alles bekam: 65 Pfennig kostete ein Pfund Rindfleisch, 1,50 Mark ein Huhn. Und „feinsten deutschen Kognak“ gab es in der Weinhandlung Ernst Hoyer schon für 2,70 Mark. Was wollte man mehr?

Nächste Folge: Mineraldünger macht‘s möglich – der Umbruch in der Landwirtschaft

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.