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Kritik an Niedersachsens Bildungspolitik Berufsschulen wollen mehr Tempo bei digitalen Lernkonzepten

Lehrlinge arbeiten mit der Metallfeile an Schraubstöcken. In Niedersachsen fehlen Lehrkräfte für die berufliche Bildung.

Lehrlinge arbeiten mit der Metallfeile an Schraubstöcken. In Niedersachsen fehlen Lehrkräfte für die berufliche Bildung.

Büttner/dpa

Hannover - Die Industrie- und Handelskammern Niedersachsen (IHKN) sowie vier Verbände der beruflichen Bildung schlagen Alarm: Den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Niedersachsen mangelt es insbesondere in ländlichen Regionen an vernünftigen Rahmenbedingungen, um junge Menschen bestmöglich auf ihren Beruf vorzubereiten. Es fehlten Lehrkräfte, eine angemessene IT-Infrastruktur sowie die entsprechende Gestaltungsfreiheit der Schulen, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier unter dem Titel „Anforderungen an berufliche Schulen heute und morgen“. Es wurde am Montag in Hannover präsentiert.

Darum geht es

Ohne die BBS ist die duale Ausbildung „nichts Ganzes“, sagt IHKN-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt. Allerdings liege die Unterrichtsversorgung hier nur bei 93 Prozent. Besonders wichtig sei die wohnortnahe Unterrichtsversorgung. Gebe es kein entsprechendes Angebot an den BBS, wählten die jungen Leute einen anderen Beruf. „Schulförderung ist Wirtschaftsförderung“, betont Bielfeldt. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels müssten sich alle Beteiligten in der Region abstimmen können.

Die Hemmnisse

Das Kultusministerium in Hannover lege den Berufsschulen Fesseln an, beklagt unter anderem Ralph Böse vom Verband BLVN. Wenn es nicht genug Azubis einer Fachrichtung gibt, müssen Lerngruppen gebildet werden. Doch anstatt den Schulen dabei Freiheiten zu lassen, habe das Ministerin eine verbindliche „Liste der affinen Berufe“ vorgegeben. Danach dürfen beispielsweise Industrie- und Feinwerkmechaniker nicht mehr zusammen beschult werden. Die Folge: Wenn die Fachrichtung an der BBS fehlt, stellt die Betriebe auch keine Lehrlinge ein. Laut Kultusministerium unterstützt die Liste die Gruppenbildung vor Ort. „Die Liste der affinen Berufe wurde als Instrument innerhalb des Regionalmanagements im Rahmen des Bündnisses für Duale Berufsausbildung mit den Partnerinnen und Partnern in der beruflichen Bildung entwickelt“, so Ministeriumssprecher Sebastian Schumacher auf Anfrage. Die Liste werde jährlich überprüft, um aktuelle Entwicklungen anzupassen. Ein weiteres Problem aus Sicht der Verbände: Für Lerngruppen mit sieben bis 14 Schüler zahle das Land nur 80 Prozent des Budgets. Das sei nicht auskömmlich. Landesweit gibt es 133 Berufsbildende Schulen mit rund 240.000 Auszubildenden und 11.000 Lehrkräften.

Die Digitalisierung

Bislang sei erst die Hälfte der Mittel aus dem Digitalpakt abgerufen worden, so Joachim Maiß vom Verband VLVN. In einer zunehmend digitalen Arbeitswelt sei es aber unerlässlich die Digitalisierung an den BBS voranzutreiben. Dazu gehörten Lehr- und Lernkonzepte, aber auch eigene IT-Fachkräfte. Maiß forderte auch eine E-Learning-Professur an den wichtigsten Hochschulen. „Der Lehrermangel beginnt schon an der Universität.“ Carsten Melchert (SLVN) warnte davon, die Lücken allein mit Quereinsteigern zu besetzen; auch sie müssten den Beruf neu erlernen. Aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz und der Nähe zu den Betrieben könnten sich die BBS stärker bei der Berufsorientierung einbringen. Auch aus Sicht des Kultusministeriums sollte die Digitalisierung schneller gehen. „Hier sind allerdings die Schulträger aufgefordert, die vorhandenen Gelder aus dem Digitalpakt auch abzurufen“, so der Sprecher. „Das Land stellt diese dann schnell zur Verfügung.“

Lehrer entlasten

Multiprofessionelle Teams sollen nach Ansicht der IHKN und der vier Bildungsverbände die Berufsbildenden schulen entlasten. Bislang fehle den Schulen dafür das Geld. Von dem Budget, das das Land derzeit zur Verfügung stelle, dürften allein zeitlich befristet Lehrkräfte angestellt werden. Das sei „nicht korrekt“, so Ministeriumssprecher Sebastian Schumacher. Es dürfe auch nicht-lehrendes Personal befristet beschäftigt werden. Maiß kann sich auch ein „Back-Office-Management“ in den Schulen vorstellen, das sich um Vertretungskräfte kümmert. Weitere Projekte, wie das zwischen 2003 und 2007 erfolgreich durchgeführte „ProReKo-Projekt“, seien nicht erforderlich. Um die berufliche Bildung zukunftssicher aufzustellen, benötigten die BBS wie in Dänemark mehr Eigenverantwortlichkeit.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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