Hannover - Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: „Anders geht es wohl nicht, wenn man Politik macht“, sagt Carina Hermann. Die 37-jährige Juristin aus Göttingen hat als neu gewählte Abgeordnete gleich das wichtige Amt der Parlamentarischen Geschäftsführerin in der CDU-Landtagsfraktion übernommen. Das hatte vor ihr Jens Nacke (51, CDU) aus Wiefelstede (Ammerland) inne. Und der hat immerhin seit 2003 ein Landtagsmandat inne. Doch schon in den ersten Sitzungen der neuen Legislaturperiode hat Hermann – unter anderem mit einer engagierten Rede zur Abgrenzung der CDU von der AfD – allen Skeptikern den Wind aus den Segeln genommen.
Reise in Wahlkreise
Hermann hatte sich einige Tage Bedenkzeit erbeten, als ihr CDU-Fraktionschef Sebastian Lechner das Amt antrug. Doch die Freude auf Neues überwog. Als „Parlamentarische“ verhandelt sie im Ältestenrat des Landtags über die Tagesordnung der Plenarsitzungen. Sie ist für die Organisationsabläufe in der Fraktion sowie für die inhaltlich-strategische Ausrichtung zuständig. Bei Abstimmungen achtet sie auf die Anwesenheit ihrer Truppe. Ziel sei, die 47 Abgeordneten schnell zu einem Team zusammenzuschweißen. Ein weiterer Schritt auf dem Weg sei die Jahresauftakt-Klausur am 8 und 9. Januar in Uelzen. Mittelfristig will Hermann alle 47 Wahlkreise der CDU-Abgeordneten besuchen.
Ihr war es wichtig, dass die Fraktion nach der konstituierenden Landtagssitzung am 8. November schnell in den Arbeitsmodus kam, erzählt die 37-Jährige. Bei der Plenarsitzung in der kommenden Woche bringt die CDU-Fraktion die maximale Zahl von zwei Entschließungsanträgen ein. Rot/Grün könnte vier einbringen; belässt es aber bei zwei. Und auch mit einem Gesetz zum Erhalt der Förderschule Lernen schlage die CDU ein höheres Tempo an als die Regierungsfraktionen, die noch kein Gesetz einbringen.
Bunt und vielfältig
Dabei hat Hermann gar keinen parteitypischen Lebenslauf: Geboren und aufgewachsen in Kassel, führte sie das Jura-Studium nach Göttingen. Sie entschied sich zuerst für den Richterberuf und war am Amts- und Landgericht Göttingen sowie für die Staatsanwaltschaft tätig. 2018 folgte eine Abordnung ans Niedersächsische Justizministerium, wo sie persönliche Referentin von Ministerin Barbara Havliza (CDU) war. Ein Jahr lang war Hermann Büroleiterin des früheren CDU-Fraktionschefs Dirk Toepffer. In die CDU trat die heutige Fraktionsmanagerin zur Kommunalwahl 2016 in Göttingen ein. In der Uni-Stadt ist sie CDU-Stadtverbandsvorsitzende. Dort treibt sie die Modernisierung der Partei voran.
Das will sie auch auf Landesebene erreichen: Die CDU soll als bunt und vielfältig wahrgenommen werden, sich als Partei der sozialen Marktwirtschaft präsentieren und Milieus wie beispielsweise die Kulturszene erreichen. Zu ihren Themen gehören auch Klimaschutz, Erneuerbare Energie, gute Bildung sowie Zuwanderung. Aktenordner haben beim Spitzenduo Lechner/Hermann ausgedient: Die Landtagsfraktion soll konsequent digital arbeiten.
„Ich habe Spaß daran, neue Herausforderungen zu suchen“, sagt Carina Hermann. Das gehe mit gutem Teamgeist. Darum lädt sie anlässlich ihres Geburtstags kurz vor Weihnachten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fraktion ein. Ihr Ziel: „Wir wollen 2027 die Wahl gewinnen.“
