Nürnberg - Der milde Winter und die gute Konjunktur haben den zu Jahresbeginn üblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit deutlich gedämpft. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verzeichnete die niedrigste Januar-Arbeitslosigkeit seit 1991. Insgesamt waren 2,92 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit; das waren zwar wegen des saisonüblichen Stellenabbaus auf dem Bau und in anderen Außenberufen 239 000 mehr als im Dezember, aber 111 000 weniger als vor einem Jahr, berichtet die BA am Dienstag in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,6 Punkte auf 6,7 Prozent. Auch für die nächsten Monate ist BA-Chef Frank-Jürgen Weise zuversichtlich.
Zufrieden über die Lage auf dem Arbeitsmarkt zeigte sich auch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD): „Der Start in das neue Jahr verläuft gut. Der Arbeitsmarkt bleibt ein wichtiger Stabilitätsanker in Deutschland. Die Beschäftigung wächst auch im Wintermonat Januar weiter kräftig“, betonte sie in einer Erklärung.
BA-Chef Weise rechnet für den gesamten Winter 2015/2016 mit nahezu historisch niedrigen Jobsucherzahlen. Die Winterarbeitslosigkeit dürfte nach seiner Einschätzung die Drei-Millionen-Schwelle nicht überschreiten. Hauptgrund sei die gute wirtschaftliche Lage in Deutschland. So sei die Zahl der Erwerbslosen im Januar deutlich schwächer gestiegen als sonst üblich. Für Februar rechnet Weise allenfalls mit etwa 30 000 zusätzlichen Jobsuchern. Die wachsende Zahl arbeitsloser Flüchtlinge werde sich erst in der zweiten Jahreshälfte in der Statistik niederschlagen.
Weises Vorstandskollegen Detlef Scheele und Raimund Becker warnten vor überzogenen Erwartungen bei der Integration von Flüchtlingen. „Die Flüchtlinge brauchen erst ein vernünftiges Sprachniveau“, sagte Scheele. Die Bundesagentur setze dabei auf ein zweigleisiges Integrationskonzept: Flüchtlinge sollen neben ihrem Deutschkurs auch arbeiten können. Mit gezielten Förderungen soll aber dafür gesorgt werden, „dass sie aus dem Niedriglohnsektor rauskommen“, sagte Scheele. Wegen der unterschiedlichen Qualifikationen, die Flüchtlinge mit nach Deutschland bringen, sind nach Beckers Einschätzung ganz individuelle Förderkonzepte für sie erforderlich.
