Nienburg/Hannover - Die niedersächsische Polizeiakademie nutzt zur Ausbildung von Nachwuchsbeamten ein „Rassismus-Barometer“, um mögliche extremistische Einstellungen früh zu erkennen. „Da werden Aussagen diskutiert wie die, dass die Grenze der Zuwanderung erreicht ist oder kriminelle Ausländer abgeschoben gehören“, sagte der Dozent Martin Mauri der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.
Solche Gespräche im Unterricht seien wichtig, damit sich etwaige rassistische Haltungen aufdecken lassen: „Im Studium wird intensiv auf die Identifikation extremistischer Neigungen geachtet“, erklärte Mauri. Auch bei Einstellungsgesprächen gehe es darum, die Einstellungen zur Rolle der Polizei in Staat und Gesellschaft zu überprüfen.
Kein Generalverdacht
Die Debatte über latenten Rassismus in Sicherheitsbehörden wird auch an der Polizeiakademie in Nienburg geführt. SPD-Co-Chefin Saskia Esken hatte dort während eines Besuchs nach umstrittenen Äußerungen im Juni betont, dass sie die Polizei nicht unter Generalverdacht habe stellen wollen. Bei Polizisten handele es sich allerdings um eine Berufsgruppe, in der es keine schwarzen Schafe geben dürfe.
Kulturelle Kompetenzen
Mauri sagte der Zeitung, dass die Kandidaten seinem Eindruck zufolge den demokratischen Institutionen vertrauen. Wo es Vorurteile gebe, zeige sich, dass diese im Laufe der Ausbildung oft abgebaut würden: „Es gibt auch Studien, die belegen, dass während unseres drei Jahre dauernden Studiums Stereotype unter Polizeianwärterinnen und -anwärtern abnehmen.“ Es könne jedoch vorkommen, dass sich solche Sichtweisen im anschließenden Dienst – je nach Einsatzerfahrung – mitunter wieder verfestigen. „Es kann auch zum Praxisschock kommen. Deshalb ist es wichtig, kulturelle Kompetenzen zu entwickeln.“
Kürzlich hatte der Auftritt eines Kriminalhauptkommissars aus Hannover bei einer Kundgebung von Gegnern der Corona-Maßnahmen Wirbel entfacht. Der Beamte hatte in einer Rede auch Parallelen zur Nazizeit gezogen – die Polizeidirektion Hannover entband ihn vorerst vom Dienst. Zudem wurde bekannt, dass er an Sicherheitskonzepten für jüdische Gemeinden mitgewirkt hatte.
