Oldenburg - Nirosha ist 20 Jahre alt. Ein Waisenkind, aufgewachsen im Kinderheim für Mädchen in Bandarawela. Sie weiß, dass der Verein Friendship Kinderhilfe das Heim finanziert, ein Verein aus Oldenburg. Dennoch ist die Stadt in Deutschlands Norden für sie mehr als eine Welt weit entfernt.

Noch.

„Nirosha wird ab dem Sommer in Oldenburg ein Freiwilliges Soziales Jahr leisten“, sagt Jürgen Sieber vom Vorstand des Vereins. Ein Jahr in der Fremde – nicht einfach für ein Mädchen, das in den Dörfern der Teeplantagen in Sri Lanka aufgewachsen ist, behütet von katholischen Nonnen, die die Waisenkinder im Friendship-Heim betreuen. „Deswegen“, sagt Sieber, „suchen wir für sie ein Zuhause, eine Familie, die sie aufnimmt und sie behutsam in das Leben in Deutschland einführt.“ Die Miete übernimmt der Verein, nur ein Heim kann er ihr nicht geben.

Zurzeit ist Nirosha dabei, im Goethe-Institut in Sri Lankas Hauptstadt Colombo Deutsch zu lernen, bald stehen die Prüfungen an, „und sie macht es sehr gut“, berichtet Sieber.

Der Verein bemüht sich, allen Kindern eine Ausbildung zu geben, zunächst schulisch, dann in den Kleinbetrieben der Umgebung. Aber Nirosha war und ist etwas Besonderes; ihre schulischen Leistungen weit über dem Durchschnitt ebenso wie ihr Fleiß – aber in Sri Lanka wäre ihre Zukunft düster.

Als Tamilin in einem von Singhalesen dominierten Staat, als Angehörige einer niederen Kaste, als Waise – „ihr blieben alle Türen verschlossen“, weiß Sieber, der seit 25 Jahren in Sri Lanka hilft. Doch wer einmal in Europa war – der hat alle Chancen. Deswegen setzt sich der Verein für Nirosha so stark ein. Die FSJ-Stelle hat sie: Die Oldenburger Montessori-Schule Freiraum bietet ihr diese Chance. Weil sie gut englisch spricht, könnte sie dort nach eine Eingewöhnungszeit den Englisch-Unterricht der ersten und zweiten Klasse übernehmen und so ihrem Berufswunsch Lehrerin sehr viel näher kommen.

Ein leuchtendes Beispiel auch für die anderen Mädchen.

26 leben zurzeit im Heim in Bandarawela, vier neue sind dazugekommen – Mädchen aus Familien, die bei dem verheerenden Erdrutsch im Dezember 2014 in der Region, bei dem 200 Menschen starben, ihr Zuhause verloren haben. Das Heim blieb verschont, aber der Zaun, der den Garten von Wildschweinen schützt und die Mädchen vor den Schülern der nahegelegenen Jungsschule behütet, ist zerstört. 35 000 Euro Schaden, schätzt Sieber.

Wer Nirosha aufnehmen möchte, der kann sich an Jürgen Sieber, Tel. 50 400 26 wenden – oder Kontakt über die Homepage aufnehmen: