NORDENHAM - NORDENHAM/FIL/JM - Nicht die Flugzeugbauer begrüßten Ministerpräsident Christian Wulff gestern vor dem Airbus-Werkstor mit roten Bannern und Spruchbändern, sondern Mitarbeiter des Atenser Wal-Mart-Supercenters. Sie waren nach Einswarden gefahren, um den Regierungschef um Unterstützung in ihrem Kampf um die Arbeitsplätze zu bitten. Wulff versicherte den Mal-Mart-Beschäftigten, von denen einige auch ihre Kinder mitgebracht hatten, sich bei dem Metro-Konzern für ihre Interessen einzusetzen.

Ziel muss nach den Worten des Ministerpräsidenten sein, nach der beabsichtigten Aufgabe der Wal-Mart-Filiale eine Nachfolgelösung zu finden. „Ich verspreche Ihnen“, sagte Wulff, „dass ich mich darum kümmere.“ Er habe bereits bei der Metro-Geschäftsführung um einen Gesprächstermin in dieser Angelegenheit gebeten. Dabei will Wulff deutlich machen, dass der Konzern gegegenüber den Wal-Mart-Mitarbeitern in einer Verpflichtung stehe. Die Unternehmensleitung müsse sich gegenüber den Beschäftigten „fair und angemessen verhalten“.

Bei den Wal-Mart-Mitarbeitern kam es sehr gut an, dass der Ministerpräsident sich die Zeit für sie nahm. Ohne große Aufforderung war er am Werkstor aus seinem Dienstwagen gestiegen und hatte das Gespräch mit den demonstrierenden Wal-Mart-Leuten gesucht, die T-Shirts mit der Aufschrift „Ich will arbeiten“ trugen. Betriebsratsmitglied Hermann-Josef Brumund überreichte dem Ministerpräsidenten eine Resolution zum Erhalt der 99 Arbeitsplätze in dem Verbrauchermarkt sowie zahlreicher weiterer Jobs in den Zuliefer- und Dienstleistungsbetrieben. Dabei teilte Brumund mit, dass für den 3. April eine erste Verhandlungsrunde zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung über einen Interessensausgleich und einen Sozialplan angesetzt ist.

Während die Wal-Mart-Mitarbeter in Einswarden demonstrierten, waren Vertreter des Betriebsrates gestern in der niedersächsischen Staatskanzlei in Hannover. Gemeinsam mit Betriebsräten aus den acht weiteren in Niedersachsen von der Schließung bedrohten Wal-Mart-Filialen und Vertretern der Gewerkschaft Verdi baten sie auch dort um Unterstützung im Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze. Wie der Verdi-Handelssekretär Heiner Schilling mitteilte, ging es darum, die Möglichkeiten der Politik auzuloten. „Wir haben einen klares Signal bekommen, dass sich der Ministerpräsident für unsere Interessen einsetzen will“, teilte Schilling nach dem Gespräch mit.