Nordenham - Dass Nordenham im Vergleich zu vielen anderen Städten mit Sportanlagen gut ausgestattet ist, steht außer Zweifel. Aber werden die Turnhallen, Fußballplätze, Schwimmbecken und anderen Stätten für Leibesübungen auch hinreichend in Anspruch genommen? Wie steht um das Verhältnis zwischen den Kosten und dem Nutzen? Und nicht zuletzt: Ist das Angebot noch zeitgemäß und entspricht es den sich verändernden Wünschen der Sportler? Antworten auf diese Fragen soll ein Sportstättenkonzept geben. Für die Ausarbeitung eines solchen Leitplans hat der Stadtratsausschuss für Sport, Freizeit und Kultur jetzt grünes Licht gegeben.
In der Bestandsliste der Stadt Nordenham sind zurzeit insgesamt 103 Sportstätten aufgeführt. Dazu gehören nicht nur städtische, sondern auch von Vereinen betriebene Anlagen. Hinzu kommen 70 Schulhöfe und Spielplätze.
Aufgeteilt sind die 103 Sportstätten auf 31 Turn-, Sport- und Mehrzweckhallen, 23 Außensportanlagen unter anderem für Fußball und Leichtathletik, 4 Becken in Hallen- und Freibädern sowie 55 Sondersportanlagen, zu denen zum Beispiel Schießstände, Tennisplätze und Beachvolleyballfelder zählen.
Die Unterhaltungskosten für die Sportstätten belasten den Haushalt der Stadt Nordenham in diesem Jahr mit 3,35 Millionen Euro.
Angesichts des steigenden Unterhaltungsaufwandes, der allein im Haushalt 2018 mit 3,35 Millionen Euro zu Buche schlägt, und der sich abzeichnenden Sanierungskosten für so manche in die Jahre gekommene Sportimmobilie hat sich die Stadt Nordenham zu einer Bestands- und Bedarfsermittlung entschlossen. Die Erhebung soll aufzeigen, welche Sportstätten unentbehrlich oder eben verzichtbar sind. Aber auch um eventuelle Nachbesserungen geht es.
Goldener Plan
Nach Angaben des Amtsleiters für Bildung und Freizeit, Jens Freese, hat die Stadt Nordenham zuletzt im Jahr 1986 den Sportstättenbedarf ermittelt. Berechnungsgrundlage war damals der sogenannte „Goldene Plan“ des Deutschen Sportbundes, der sich weitgehend an den Einwohnerzahlen orientierte. Anhand dieser Richtlinien erstellte die Stadt einen Sportstättenleitplan und rüstete die Stadtteile entsprechend aus.
Mittlerweile hat sich die Ausgangslage aber deutlich verändert. Jens Freese verweist auf die sinkenden Bevölkerungszahlen, die demografische Entwicklung und die „Individualisierung des Sportverhaltens“. In Folge dieser Einflüsse seien mittlerweile „erhebliche Unterschiede zwischen der Theorie des Planes und der Praxis in den Anforderungen an Sportstätten“ zu erkennen. Daher müsse die Stadt dafür sorgen, dass Art und Umfang der Sportanlagen auf die heutigen Bedürfnisse abgestimmt werden. Die Kernfrage ist laut Jens Fresse, „ob wir die Sportstätten in der jetzigen Zahl noch brauchen“.
Im ersten Schritt der Konzeptarbeit geht es darum, eine Dokumentation anzufertigen, die aktuelle Daten zum Bestand, zur Größe, zu den Nutzerzahlen, zu den Sportarten und zum Bauzustand enthält. Mit einer solchen Erhebung hat die Stadtverwaltung bereits begonnen. Daran schließen sich die Auswertung und die Bilanzaufstellung mit zukunftsorientierten Handlungsempfehlungen an. Diesen Part möchte die Stadtverwaltung nicht selbst übernehmen, sondern einem externen Dienstleister überlassen. „Wir stoßen personell an unsere Grenzen“, begründet Amtsleiter Jens Freese diese Haltung.
Externer Dienstleister
In der Politik kam das zunächst nicht so gut an. SPD-Fraktionsvorsitzender Wilfried Fugel warnte davor, dass ein eingekaufter Fachmann die Gesamtkonzeption übernimmt und die Verwaltung die Zügel aus der Hand gibt. Nachdem Jens Freese deutlich gemacht hatte, dass dies nicht der Ansatz sei, sondern es nur darum gehe, einen Teil der Arbeit auszugliedern und dafür auf Unterstützung von außen zurückzugreifen, stimmte auch die SPD zu.
Eine konkrete Terminvorgabe für die Erstellung des Sportstättenkonzepts gibt es nicht. Aber rechtzeitig zu den Beratungen des Haushaltes 2020/21 soll es vorliegen.
