NORDENHAM - Jürgen Zimmer hätte am liebsten allen diensthabenden Kollegen ein Päckchen in die Hand gedrückt. Aber bei der alljährlichen Bescherung in der Polizeidienststelle Nordenham an Heiligabend muss der stellvertretende Kreisgruppenvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) mit zwei Beamten Vorlieb nehmen. Die anderen vier sind draußen, wie es im Polizeijargon heißt. Das bedeutet, dass sie irgendwo im Zuständigkeitsbereich der Dienststelle unterwegs sind. Und der umfasst neben der Stadt Nordenham auch die Gemeinden Butjadingen, Stadland und Jade.
Polizeihauptkommissar Thomas Wilhelms freut sich über den Besuch des Weihnachtsmanns, der ohne Zipfelmütze gekommen ist. Eine willkommene Abwechslung für den Polizeihauptkommissar, der am Freitag die Tagschicht übernommen hat. Anders als an normalen Wochentagen dauert sie nicht acht, sondern zwölf Stunden. Und es gibt einiges zu tun. Die Schneefälle in der Nacht und vor allem der Wind haben zu chaotischen Straßenverhältnissen geführt. „Die Räumdienste kommen kaum noch nach“, erzählt Thomas Wilhelms. In Stadland und in Butjadingen sind mehrere Autofahrer im Schnee stecken geblieben. In Friedrich-August-Hütte ist ein Auto im Graben gelandet.
Der Schnee sorgt dafür, dass die Beamten viel zu tun haben. Und wegen der Straßenverhältnisse dauern für die Kollegen, die in den beiden Streifenwagen unterwegs sind, die Einsätze länger. Schließlich müssen auch sie sich den äußeren Bedingungen anpassen.
Familienstreitigkeiten
Normalerweise sei das Arbeitsaufkommen an den Weihnachtsfeiertagen nicht anders als an normalen Wochenenden, erzählt Thomas Wilhelms. Mit einer Ausnahme: Familienstreitigkeiten können sich zu Weihnachten häufen. Der Polizist vermutet, dass die Leute dann mehr Zeit füreinander haben als üblich. Wenn sich Probleme aufgestaut haben, kann es gerade an den Feiertagen krachen.
Polizeikommissar Marco Gäde hat den Anzeigendienst übernommen. Er ist der erste Ansprechpartner in der Dienststelle, wenn Straftaten gemeldet werden. Und er dürfte in diesem Jahr viele Pluspunkte bei seinen Kollegen gesammelt haben, denn der 24-Jährige übernimmt auch am ersten und am zweiten Weihnachtstag eine Schicht. „Ich mache das, damit die Väter bei ihren Familien sein können“, sagt er. Im Gegensatz zu den Kollegen, die Streife fahren, hat er an Heiligabend einen ruhigen Dienst. Und so beschäftigt er sich mit Dingen, die sonst zu kurz kommen: zum Beispiel die Akten auf den neuesten Stand bringen. „Aber das ist nicht immer so, es gibt Tage, da rennen uns sie Leute die Türen ein“, sagt Marco Gäde.
Jeder ist mal dran
Es ist keineswegs so, dass sich die Beamten der Nordenhamer Dienststelle hinter dem Schrank verstecken, wenn es darum geht, den Weihnachtsdienst einzuteilen. „Jeder ist mal dran“, sagt Thomas Wilhelms. „Und das wissen auch alle.“ Der Nordenhamer ist gleich zweimal dran. Am ersten Weihnachtsfeiertag beginnt für ihn um 19 Uhr die Nachtschicht.
Am Freitag zur Mittagszeit hat Thomas Wilhelms Besuch von seiner Frau und seinem neunjährigen Sohn Noah. Da bleibt zwischendurch auch mal Zeit für einen Kaffee. Noah hat sich an die unregelmäßigen Arbeitszeiten seines Vaters gewöhnt. „Ich hab kein Problem damit“, sagt er. „Die Bescherung findet bei uns nach Dienstschluss um 19.15 Uhr statt“, erzählt Thomas Wilhelms.
Jürgen Zimmer, der mit seiner Tochter Anna-Marie auf die Wache gekommen ist, verteilt die Päckchen. Thomas Wilhelms übernimmt diesen Part für die andere Gewerkschaft, die Deutsche Polizeigewerkschaft, die ebenfalls an die Kollegen gedacht hat, die über die Weihnachtstage Dienst schieben müssen.
