NORDENHAM - Als überfällig bewerten sowohl der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Nordenhamer Stadtrat, Christian Schöckel, als auch WIN-Fraktionsvorsitzender Dr. Gernot Schenker, das einzige Grünen-Ratsmitglied Edwin Krüger und der neue Nordenhamer FDP-Parteichef Michael Scherf den Rücktritt von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Von einem konsequenten Schritt spricht Nordenhams CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzender Horst Wreden.
Nach Ansicht von Horst Wreden sind das zwei verschiedene Themen: der Minister und seine Doktorarbeit. Einen so guten jungen und dynamischen Minister habe Deutschland lange nicht gehabt. Wie groß der angerichtete wissenschaftliche Schaden ist, könne er dagegen nicht beurteilen, sagt Horst Wreden. Trotzdem verstehe ich, wenn Karl-Theodor zu Guttenberg die Konsequenzen zieht. Weil er die Maßstäbe an sich selbst so hoch gelegt hat, konnte er eigentlich nicht anders handeln.
Horst Wreden meint, dass der CSU-Politiker nun alle Vorwürfe gut und vernünftig aufarbeiten muss, sonst leidet die Demokratie und die Glaubwürdigkeit der Politiker. Wenn das geschieht, werde die CDU in diesem Wahljahr keine Nachteile erleiden.
Christian Schöckel kritisiert einen scheibchenweisen Rückzug, der wenig Sensibilität verrät. Karl-Theodor zu Guttenberg habe ein in der Wissenschaft absolut nicht akzeptables Verhalten gezeigt. Er hätte seinen politischen Kopf retten können, wenn er rechtzeitig zurückgetreten wäre. Jetzt hat er für sich selbst verbrannte Erde hinterlassen.
Ein Minister habe auch eine Vorbildfunktion, so Lehrer Christian Schöckel. Auch Schüler dürften nicht schummeln. Wenn ein Schüler abschreibt, wird ihm die Arbeit entzogen und er bekommt eine Sechs.
Gernot Schenker, Vorsitzender der Stadtratsfraktion der Wählerinitiative Nordenham (WIN) meint zum Rücktritt des Verteidigungsministers: Er hat sich selbst keinen guten Dienst erwiesen, weil er seinen Rücktritt zu lange hinausgezögert hat.
Karl-Theodor zu Guttenberg habe den Eindruck vermittelt, sich herausreden zu wollen. Dabei sei es eine Selbstverständlichkeit, dass Aussagen in wissenschaftlichen Arbeiten belegt werden müssen, sagt Gernot Schenker, der seinen Doktortitel in Chemie erworben hat. Insofern hat er grob fahrlässig gehandelt. Aber das hätten die Korrektoren und sein Doktorvater sehen müssen.
Es handele sich nicht um eine Kleinigkeit, wenn eine Doktorarbeit geschrieben wird, ohne die wissenschaftlichen Standards einzuhalten, meint auch Nordenhams neuer FDP-Stadtverbandschef Michael Scherf. Dann von einem Fehler zu sprechen, ist vornehm ausgedrückt. Ich möchte aber nicht bewerten, ob eine Täuschung oder eine bewusste Täuschung vorliegt, sagt Michael Scherf. Ungeachtet dessen sei Karl-Theodor zu Guttenberg ein guter Verteidigungsminister gewesen, der zudem eine uralte FDP-Forderung habe umsetzen wollen: Schaffung einer Berufsarmee.
Der Minister hätte nach Ansicht des Grünen-Stadtratsmitglieds Edwin Krüger früher zurücktreten müssen. Als studierter Jurist hätte ihm klar gewesen sein müssen, dass man geistiges Eigentum anderer nicht als das eigene verkaufen darf.
Edwin Krüger kritisiert auch das Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Eine Verkäuferin, die einen Pfandzettel zurückhält, verliert ihren Job. Dagegen haben viele an Herrn Guttenberg festgehalten, vor allem unsere Bundeskanzlerin.
