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NWZonline.de Nachrichten Politik

FINANZEN: Nordkoreas Despot taucht in China ab

12.01.2006

PEKING PEKING - Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il ist in China verschwunden. Sein luxuriöser Sonderzug, der am Vortag die Grenze bei Dandong überquert hatte, war am Mittwoch nirgends zu finden. „Wir wissen nicht, wo er geblieben ist“, sagte ein südkoreanischer Militärattaché, der selbst vom eigenen Geheimdienst im Stich gelassen worden war. Obwohl der Zug von Nordostchina in Richtung Peking gefahren war, was auch zwei Bahnhöfe bestätigten, tauchte Kim Jong Il nicht in der Hauptstadt auf. Wilde Spekulationen brachen los.

Jemand wollte wissen, der Militärführer sei nur über China nach Russland gefahren. Das erscheint nicht sinnvoll, da es eine direkte Bahnstrecke von Pjöngjang nach Moskau gibt. Dann wollte Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap erfahren haben, der Despot habe erstmals seine Flugangst überwunden und sei mit dem Flugzeug nach Schanghai. Offen blieb, warum dann sein Sonderzug ohne ihn durch China rollte. „Auf jeden Fall ist er nicht in Peking“, schien sich der Diplomat sicher.

Eigentlich müsste Kim Jong Il auch nicht nach Peking oder Schanghai, sondern viel dringender nach Macao reisen, scherzten Beobachter, da ihm in der ehemaligen portugiesischen Enklave der Geldhahn abgedreht worden ist. Macao ist nicht nur berüchtigt für seine Kasinos und mafiösen Strukturen, sondern zieht viele zwielichtige Gestalten aus Nordkorea an. Nicht umsonst gibt es einen Direktflug nach Pjöngjang. Investoren aus Macao betreiben im Herzen des stalinistischen Staates gar ein Kasino.

Kim Jong Ils Geldprobleme begannen im September, als die USA Strafmaßnahmen gegen die Banco Delta Asia in Macao verhängten, die Nordkorea bei der Verbreitung gefälschter US-Dollars geholfen haben soll. Die Bank schloss alle Konten von Kunden aus Nordkorea. Es wird vermutet, dass die Bank beträchtliche Gelder der in Saus und Braus lebenden Familie von Kim Jong Il verwaltet hat.

Die USA wollten Nordkorea zerstören, klagte das Außenministerium in Pjöngjang. Wenn die Sanktionen nicht aufgehoben würden, werde Nordkorea nicht mehr mit den USA, China, Südkorea, Japan und Russland über einen Ausstieg aus seinem Atomwaffenprogramm verhandeln.

„Neue, komplizierte Faktoren“, stellte besorgt Chinas Regierung fest, mit der Kim Jong Il beim Überraschungsbesuch über seine Zwangslage reden will, wie Experten meinen.

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