NORDKREIS - Die erst wenige Wochen zurück liegenden Landtagswahlen im Saarland mit einem unerwartet hohen Ergebnis für die Partei Die Linke sind für Markus Schalk (60) mehr als ein Fingerzeig. „Die guten Ergebnisse für unsere Partei geben mir Rückenwind im Wahlkreis 33“, sagt der Direktkandidat der Partei Die Linke in Cloppenburg und Vechta. Der 60-jährige Diplom-Handelslehrer an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Wildeshausen (Landkreis Oldenburg) steigt auf dem Parkplatz am alten Hafen in Friesoythe in den Dienst-Lupo der NWZ -Lokalredaktion. Das erste Ziel unserer Fahrt durch die Gemeinden im Nordkreis Cloppenburg ist Bösel. Wir stoppen am dortigen Heimathaus.

Frage: Wie stehen Sie zur Traditionspflege?

Schalk: So ein Heimathaus ist für eine kleine Gemeinde wie Bösel eine ganz wichtige Gemeinschaftseinrichtung. Hier entsteht durch Begegnung funktionierender Zusammenhalt. Das hat auch nichts mit deutschtümelnder Heimatpolitik zu tun. Traditionen sind ja nichts Negatives, sondern müssen gepflegt werden. Das wird hier in Bösel in vorbildlicher Weise praktiziert.

Frage: Ist eine solche Einstellung Jugendlichen gegenüber heute noch vermittelbar?

Schalk: Ich denke schon. Ich bin immer sehr zufrieden, wenn sich auch junge Menschen in den örtlichen Vereinen engagieren. Das ist auf jeden Fall besser, als den ganzen Nachmittag vor dem Fernseher zu sitzen oder sich mit Computerspielen zu beschäftigen. Die negativen Wirkungen einer solchen Lebensweise kann ich als Lehrer ja jeden Tag beobachten.

Wir verlassen Bösel und erreichen die Ortschaft Thüle. Vorbei am Tierpark fahren wir zur Thülsfelder Talsperre, wo die Arbeiten zur Behebung der Sanierungsfehler am großen Auslaufbauwerk noch in vollem Gange sind.

Frage: Sind das Orte, an denen Sie Erholung suchen würden?

Schalk: Ganz sicher. Hier geht es ja um Angebote der Naherholung, die von immer mehr Menschen wahrgenommen werden. Die Leute brauchen heute immer öfter eine Pause. Da ist es gut, dass sich an der Thülsfelder Talsperre keine Vergnügungsindustrie etabliert hat, sondern mit dem Tierpark und dem Kletterwald ein eher kleinteiliges und familienfreundliches Angebot vorgehalten wird. Diese Ziele sind mit dem Fahrrad leicht erreichbar. Kein Urlauber muss deswegen in ein Flugzeug steigen.

Frage: Die Sanierung der Thülsfelder Talsperre ist gründlich schief gegangen. Wen sehen Sie da in der Verantwortung?

Schalk: Mich hat beeindruckt, wie sich im letzten Winter nach dem Ablassen des Wassers Mitglieder von Angelvereinen und sehr viele Bürger bei der Rettung von Muscheln und Fischen aus der Talsperre eingesetzt haben. Zuständig und verantwortlich ist das Land Niedersachsen als Eigentümer des Stausees. Da kann man dann bei einem solchen Millionenprojekt nicht einfach alle Arbeiten privatisieren, wie das hier geschehen ist. Da müssen die Behörden selber die Kontrolle und die Bauaufsicht ausüben. Aber grundsätzlich gilt meine Ablehnung von Privatisierungen auch für die öffentliche Müllabfuhr und den Betrieb von kommunalen Klärwerken.

Über Augustendorf gelangen wir auf der weiteren Fahrt in die ehemals eigenständige Gemeinde Markhausen. Der Ort wurde im Rahmen der kommunalen Gebietsreform 1974 gemeinsam mit Neuvrees, Gehlenberg, Neuscharrel, Altenoythe und Friesoythe zur Stadtgemeinde Friesoythe fusioniert.

Frage: Wie bewerten Sie rückblickend die Gebietsreform?

Schalk: Natürlich kann man kleinere Gemeinden zusammenschließen. Dann muss allerdings die Notwendigkeit dazu nachgewiesen werden. Außerdem muss eine solche Entscheidung den dort lebenden Bürgern eingängig sein. Wenn sie am grünen Tisch getroffen wird, kann sie eigentlich nur schief gehen.

Wir erreichen die Ortschaften Neuvrees und Gehlenberg. Hier gibt es die größte Hähnchenmastdichte Europas.

Frage: Wie stehen Sie zur intensiven Tierhaltung?

Schalk: Da verdienen sich einige wenige Menschen eine goldene Nase auf Kosten der Gesundheit vieler. Die Position der Linken ist da eindeutig: Wir sind gegen den Einsatz von Hormonen in der Tiermast, gegen Gen-Mais, wollen eine Abkehr von der Massentierhaltung und hin zu ökologischen Produktionsverfahren in der Landwirtschaft.

Nächste Station unserer Nordkreis-Rundreise ist die Gemeinde Saterland. Wir steuern den Hollener See zwischen Ramsloh und Scharrel an.

Frage: Noch ein Naherholungsgebiet.

Schalk: Das ist doch prima. Ich finde es ganz toll, dass dieser See frei zugänglich ist, alles so gepflegt aussieht, kein Eintritt verlangt wird. So werden auch sozial benachteiligte Familien nicht ausgegrenzt.

In Ramsloh ist Markus Schalk beeindruckt von der Größe des Kabelwerkes Waskönig und Walter. Es sei schön, dass es noch Unternehmer gebe, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, verweist Schalk auf die vielfältigen Engagements von Peter Waskönig. Wir kommen nach Elisabethfehn, fahren den Fehnkanal entlang und erreichen das Moor- und Fehnmuseum.

Frage: Hier wird die Geschichte der Moore und der Fehnkultur gezeigt. Wie stehen Sie zu einer solchen Art der Heimatpflege?

Schalk: Das ist eine durchaus positive Art von Heimat- und Brauchtumspflege. Ich lebe selber in einem alten Bauernhaus und kenne mich deshalb etwas aus. Es ist schön, dass man sich beim Bau des Museums in Elisabethfehn an die alten Baustile dieser Region gehalten hat.

Wir passieren Barßel. Markus Schalk lobt die touristische Entwicklung der Gemeinde mit dem eigenen Bootshafen: „Ein tolles Angebot, das man weiter nach vorne bringen muss.“ Wir fahren über Harkebrügge und Kampe weiter nach Friesoythe.

Frage: Im Landkreis Cloppenburg hat gerade eine Elternbefragung zur Gesamtschule stattgefunden. Die meisten Mütter und Väter wollen das dreigliedrige Schulsystem behalten. Wie ist Ihre Einstellung dazu?

Schalk: Wir sind für die Einrichtung von Integrierten Gesamtschulen in Niedersachsen. Dass sich immer noch sehr viele Eltern für das dreigliedrige Schulsystem aussprechen, macht den Aufklärungsbedarf deutlich. Gesamtschulen als Ganztagsschulen sind einmal aus sozialen Gründen erforderlich. Viele Kinder haben beispielsweise keine Nachmittagsbetreuung und bekommen zu Hause kein regelmäßiges Mittagessen. Das ist in einer Gesamtschule sicherlich besser organisiert. Außerdem hat die psychologische Lernforschung belegt, dass gerade auch leistungsstarke Schüler von der Integration profitieren.

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