Wildeshausen - „Landrat, das klingt irgendwie noch ungewohnt“, unterbricht Carsten Harings den Kreistagsvorsitzenden Helmut Hinrichs (SPD). Zeit genug, sich auf die neue Anrede vorzubereiten, hatte Harings ja gehabt. Seit dem plötzlichen Rückzug von Frank Eger am 20. Januar im Zuge der Korruptionsaffäre hatte Harings als Erster Kreisrat Eger vertreten.

Während sein einstiger Chef am Montag in Oldenburg vor Gericht erscheinen musste, erhielt der Nachfolger im Kreishaus Blumen und Geschenke. „So einen Amtsantritt hat es in der Geschichte des Landkreises noch nicht gegeben“, meinte Hinrichs. „Ich hoffe, dass so etwas nicht wieder passiert.“ Statt des feierlichen Stabwechsel gab es „nur“ eine Begrüßung durch die Fraktionsvorsitzenden und stellvertretenden Landräte. Dazu symbolische Geschenke – unter anderem ein Fernglas und einen Taktstock.

Und dann tat Harings das, wofür er von mehr als 80 Prozent bei der Wahl im Mai bekommen hatte: Er machte sich an die Arbeit. Eine Versammlung mit allen Mitarbeitern des Kreises stand am ersten Arbeitstag auf dem Programm.

Dass Hinrichs Harings Amtsübernahme mit den Worten „Welch ein schöner Tag für den Landkreis“ in Anlehnung an die Worte zur Wahl Joachim Gaucks wählte, machte den bescheidenen neuen Landrat fast schon ein wenig verlegen. All das Lob aus der Politik für die vergangenen neun Monate gab er postwendend weiter. „Ich habe hier ein unheimlich engagiertes Team im Kreishaus. Und die Arbeit mit der Politik ist vom Dialog geprägt.“

So will es der neue Landrat denn auch weiter halten. „Wir reden miteinander, nicht übereinander“, stellte er klar. Er sieht den Landkreis als Servicebetrieb für die Menschen. „Wir sollten nicht fragen, was gegen etwas spricht, sondern wie wir es hinbekommen.“ Auch wenn es in der Natur der Sache liege, dass eine Verwaltung bisweilen auch individuell negative Entscheide fällen müsse, so sei immer auch die Art, wie das dann kommuniziert werde, ganz wichtig.

Harings Prioritäten liegen zudem weiter auf einer Entschuldung des Kreises. Investieren will er aber auch. „Dabei liegen mir vor allem die Schulen am Herzen.“ Und auch mit den Nachbar-Kreisen und -Städten soll der Kontakt wieder enger werden.

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland