Hude - Jannes ist eigentlich Bayern-Fan. Doch Münchner Fußballstars dribbeln natürlich nicht über das Gelände der 10. Landtage Nord. Einen Prominenten haben die Eltern des fünfjährigen Cloppenburgers trotzdem entdeckt: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Der lässt sich von den Messe-Machern Helmut Urban und Ute Thümler gerade durch die Aussteller-Gassen führen, gefolgt vom großen Tross der Ehrengäste, als er Jannes auf sich zukommen sieht. Für den Jungen bleibt der Minister gerne stehen und gibt ihm ein Autogramm.
Am Stand der EWE setzt sich Rösler in ein Elektroauto. Der Leiter der Geschäftsregion Cuxhaven/Delmenhorst, Thomas Windgassen, erklärt ihm die Technik. Im pyramidenförmigen Haus des Handwerks, in dem sich Huder Firmen präsentieren, lässt sich Rösler von Zimmermeister Heiko Posegga den „schönsten Baustoff der Welt“, Holz, vorstellen. „Holz ist ein natürlicher Werkstoff, der Hightech und Tradition verbindet“, erklärt Posegga. Der Minister hört aufmerksam zu und wünscht „gute Geschäfte“.
Wo auch immer der FDP-Bundesvorsitzende beim Rundgang Halt macht, gut gelaunt lässt er sich mit Mitarbeitern und Besuchern an den Ständen fotografieren. So entspannt war er in den vergangenen Monaten nicht immer. „Im Januar war er nicht so gut drauf“, erinnert sich Helmut Urban an den letzten Wüsting-Besuch des Ministers, der zu der Zeit stark unter politischem Beschuss – auch aus eigenen Reihen – stand. Urban stärkte damals dem Gast aus Berlin so vehement den Rücken, dass er sich in Röslers Wirtschaftsdelegation für eine Südamerikareise und auf der Gäste-Liste zu Röslers 40. Geburtstag wiederfand.
Aus seiner Sympathie für die FDP und Rösler macht Urban auch am Freitag bei der Eröffnung der Landtage im Festzelt vor Hunderten von Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung keinen Hehl: „Die FDP muss im Bundestag und Philipp Rösler im Amt bleiben“, fordert Urban. Nur seine grüne Krawatte passt nicht zur gelb-blauen Grundausrichtung. „Grün ist wichtig, Landwirtschaft ist grün“, sagt Urban zur Erklärung.
An die „Kollegen der anderen Farben“ adressiert Rösler in seiner Eröffnungsrede Sätze wie „eine Vermögenssteuer ohne Substanzbesteuerung“ sei so etwas wie ein vegetarischer Schlachthof. Das gehe nicht. Die Grünen nimmt er nicht nur wegen ihrer Steuerpläne ins Visier, auch der „Veggie Day“ ist ein gefundenes Fressen und für Rösler ein Beleg für den vermeintlichen Staatsdirigismus und die Verbotsmanie der Grünen. „Wir wollen selbst entscheiden, wann wir was essen“, so der Liberale, der sich als Mitglied im „Club der bekennenden Fleischesser“ outet.
Als Beispiel dafür, „wie es anders gehen kann“, nennt Rösler die vor zehn Jahren von Helmut Urban und seiner Partnerin Ute Thümler ersonnene Messe-Idee: „Das sind Menschen mit Eigeninitiative und Bürgersinn, die ihr Leben in die eigenen Hände nehmen.“ Rösler würdigt die Landtage-Veranstalter als „großartige Unternehmer-Persönlichkeiten“. Dem stimmen Landrat Frank Eger und Bürgermeister Axel Jahnz zu. Eger bezeichnet die Landtage als Aushängeschild für die Region, Jahnz preist das „wunderbare Gefühl, hier zu sein.“
Der kleine Jannes kennt dieses Gefühl jetzt auch: Stolz trägt er die Autogrammkarte mit Röslers Unterschrift vor sich her.
