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NWZonline.de Nachrichten Politik

Wer kämpft gegen wen im syrischen Bürgerkrieg?

12.04.2018

Zentralregierung

Das Regime von Präsident Baschar al-Assad befand sich bereits ein Jahr nach dem Ausbruch der Rebellion von 2011 am Rande des Zusammenbruchs. Bis zum Eingreifen Russlands 2015 gelang es der Zentralregierung in Damaskus, die Hauptstadt und die wichtige Küstenregion im Norden zu halten. Dort befindet sich das Siedlungszentrum der Alawiten, einer islamischen Sondergruppe, der auch der Präsident angehört. 2015, mit der russischen Intervention, wendete sich das militärische Blatt. Die Armee erobert seitdem Schritt für Schritt die von Rebellen gehaltenen Gebiete zurück. Dabei werden diese Regionen nacheinander systematisch belagert, bombardiert und schließlich in Straßenkämpfen eingenommen. Ziel des Regimes ist es, die Kontrolle über das gesamte Staatsgebiet zurückzuerlangen und die von der sozialistischen Baath-Partei gestützte Herrschaft der mehrheitlich alawitischen Eliten zu erhalten. Gegner sind sämtliche Rebellengruppen im Land, die USA, die Türkei und die europäische, Staaten, Verbündete der Iran und Russland sowie die libanesische Hizb-Allah-Miliz. Die engen Verbindungen zum Iran bringen das Regime auch in Konflikt mit Israel.

Rebellen

Von der Türkei unterstützte Miliz in Afrin. Foto: dpa

Unter „Rebellen“ ist im syrischen Bürgerkrieg keine einheitliche oder zentral geführte Macht zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um ein unübersichtliches, sich ständig in Bewegung befindliches Gewirr von Gruppen. Diese umfassen Verbände von wenigen Dutzend Kämpfern bis hin zu mehreren Tausend. Gelegentlich gehen diese Gruppen Allianzen ein, gelegentlich bekämpfen sie sich. Von einer „gemäßigten Opposition“ kann bereits seit mehreren Jahren keine Rede mehr sein. Selbst die einst vom Westen unterstützte „Freie Syrische Armee“ wird heute von islamisch-djihadistischem Gedankengut geleitet. Das gilt für die überwiegende Mehrheit aller bewaffneten Gruppen. Gegner der Opposition ist das Assad-Regime. Häufige Kämpfe untereinander. Hauptziel: Sturz Assads. Für die Zeit danach existieren je nach Gruppe unterschiedliche Vorstellungen, die jedoch alle ein mehr oder weniger radikal islamisches Staatswesen zum Ziel haben. Unterstützung erhalten verschiedene Gruppen aus der Golfregion, der Türkei, den USA sowie von nichtstaatlichen islamischen Organisationen.

Islamischer Staat

Die Kämpfer des Islamischen Staates sickerten seit 2014 über die irakische Grenze in Syrien ein. Dort erhielten sie schnell Zulauf. In wenigen Monaten gelang es der Miliz fast 50 Prozent des syrischen Territoriums zu kontrollieren. Seit dem Eingreifen Russlands und der westlichen Koalition, sowie den militärischen Erfolgen der irakischen Regierung gegen die Hochburgen der Organisation im Nachbarland verliert der IS in Syrien an Einfluss. Seine Kämpfer kontrollieren nur noch wenige Gebiete im Nordwesten und Osten. Der IS kämpft gegen alle Parteien in Syrien. Ziel ist der Aufbau eines islamischen Staatswesens. Die einstige Unterstützung durch die Golfmonarchien und die Türkei ist inzwischen eingestellt worden.

Kurden

Den Kurden im Norden Syriens gelang es während des Bürgerkriegs, eine Quasi-Autonomie zu erringen. Lange Zeit waren die Kurdengebiete die einzigen friedlichen Regionen des Landes. Zudem trugen die kurdischen Kämpfer des syrischen PKK-Ablegers die Hauptlast des Kampfes gegen den IS. Zurzeit kämpfen die kurdischen Verbände sowohl gegen die türkische Invasion als auch weiterhin gegen die verbliebenen IS-Enklaven. Die einstige Unterstützung des Westens ist inzwischen Vergangenheit. Die Kurden verlieren zunehmend Territorium an die türkische Armee sowie die mit ihnen verbündeten islamistischen Milizen. Ziel der Kurden ist eine Autonomie in Nordsyrien oder die Eigenstaatlichkeit. Das Verhältnis zur Zentralregierung schwankt zwischen Konfrontation und lokalen Bündnissen. Gegner sind alle islamistischen Gruppen sowie die Türkei.

Russland

Schutzbefohlener mit Schutzherr: Assad und Putin (v.l.). Foto: AP

Das russische Expeditionskorps kämpft seit 2015 an der Seite Assads gegen sämtliche Oppositionsmilizen sowie den IS. Es war wesentlich für die Stabilisierung und das Überleben des Regimes. Russland verfolgt eine doppelte Strategie: Zum einen will Moskau die Desintegration Syriens verhindern, damit das Land nicht zur Spielwiese islamistischer Gruppen werden kann, die wiederum im eigenen Land mit seiner islamischen Millionen-Bevölkerung zur Bedrohung werden können. Zum anderen betrachtet die russische Regierung Syrien als Basis im Mittelmeergebiet. Die politische und militärische Kontrolle über die syrische Zentralregierung wird weithin als Rückkehr des Landes in die Weltpolitik gesehen. Damit gerät Moskau in Konflikt mit den USA, der EU sowie letztlich auch der Türkei.

Iran

Für den Iran ist Syrien zentraler Teil seiner Einflusspolitik im Mittelmeerraum. Die schiitische Islamische Republik ist seit Jahren bestrebt, die Schiiten außerhalb Irans, insbesondere im Irak, Syrien, Libanon und Saudi-Arabien politisch zu instrumentalisieren. Die Unterstützung der syrischen Zentralregierung ermöglicht Teheran eine eigene militärische Präsenz in der Region. Diese richtet sich gegen das Hauptziel iranischer Ambitionen im Vorderen Orient: Israel. Die Zerstörung des jüdischen Staates ist iranische Staatsdoktrin. Gegner Teherans sind die sunnitischen Oppositionskräfte, die USA sowie Israel. Verbündete sind Russland und die Zentralregierung.

Türkei

Ein türkischer Panzer im syrisch-kurdischen Afrin. Foto: dpa

Auch die Türkei verfolgt in Syrien eine doppelte Strategie. Dabei gerät sie in Konflikt mit den Kurden, der Zentralregierung und letztlich auch mit den USA und Russland. Ankara finanziert djihadistische Gruppen in Nordsyrien und hat in der Vergangenheit den IS unterstützt. Zum einen war noch jede türkische Regierung bestrebt, jede wie auch immer geartete kurdische Autonomie oder Eigenstaatlichkeit auch in den Nachbarländern mit allen Mitteln zu verhindern. Triebkraft ist die Angst vor sezessionistischen Bestrebungen der eigenen kurdischen Bevölkerung. Zum anderen betreibt die Türkei seit dem Machtantritt der islamistischen AKP eine aggressive Außenpolitik, deren ultimatives Ziel die so weitgehend wie mögliche Wiederherstellung des 1918 untergegangenen Osmanischen Reiches ist. Diese neo-osmanischen Träume lassen sich nur auf Kosten von Ländern wie Syrien, Libanon, dem Irak, Israel und Griechenland verwirklichen.

Israel

Die israelische Regierung sieht in der iranischen Präsenz in Syrien sowie dem Einsatz von Hizb-Allah-Kämpfern auf Seiten der Zentralregierung eine massive Bedrohung der Existenz des Staates. Ziel Jerusalems ist es, diese Präsenz zu beenden und jede davon ausgehende Bedrohung zu neutralisieren. So sind der Iran, die Hizb-Allah-Miliz sowie die Zentralregierung Gegner Israels. Konfliktpotenzial birgt jedoch auch die russische und türkische Präsenz, obwohl hier bisher die Interessenabgrenzung gelungen ist.

USA

Für die USA ist Syrien objektiv ein sekundäres Problem, da es die eigenen Interessen nicht berührt. Der erratische Präsident Donald Trump lässt allerdings keine konsistente Strategie erkennen. Bis auf verschiedene von den USA finanzierte Gruppen und Israel betrachten sämtliche Akteure in Syrien die US-Präsenz und -Politik mit Misstrauen. Von symbolischen Bombardements bis zum kompletten Abzug sind hier alle Szenarien denkbar.

Europa

Europa hat weder eine Syrien-Strategie noch Einfluss auf die Ereignisse noch Verbündete im Land. Das schließt einzelne, symbolische Luftschläge gegen die Zentralregierung jedoch nicht aus.

Dr. Alexander Will Leiter Newsdesk / Politikredaktion
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